Oberotterbach
PV-Anlagen: Experte hilft Gemeinden ehrenamtlich
„Das Thema interessiert mich. Es ist sinnvoll für die Gesellschaft, der Aufwand ist im Vergleich zu anderen regenerativen Energien gering“, schwärmt der 63-jährige Volker Wander von den Fotovoltaik-Freiflächenanlagen auf der grünen Wiese. Für die haben inzwischen einige Gemeinden in den gerade zur Aktualisierung stehenden Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern Flächen eintragen lassen. Unter anderem Oberotterbach, Oberhausen, Birkenhördt und Vorderweidenthal. Wander ist Physiker, lebt seit 30 Jahren in Oberotterbach und hatte die Produktionsleitung für Siemens in Hagenau für industrielle Messtechnik. Inzwischen ist er in Altersteilzeit. „Ich stand auf dem Acker meiner Eltern in Oberhausen, habe mich umgeschaut und dachte, das wäre doch eine tolle Fläche für eine PV-Anlage, dann bin ich zum Ortsbürgermeister“, erzählt er von den Anfängen seiner Leidenschaft.
Beim Ortschef von Oberhausen, Jens Sprenger, stößt er auf offene Ohren, das Thema wird im Gemeinderat besprochen. „Wir würden gerne solche Anlagen errichten“, so Sprenger im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Gemeinde lässt drei Flächen mit einer Gesamtgröße von 27 Hektar auf der Gemarkung in den Flächennutzungsplan eintragen und steht in den Startlöchern. „Volker Wander hat uns bisher schon viel geholfen, er hat Ahnung von der Materie, stellt Kontakte her und hilft uns administrativ“, erzählt Sprenger.
Größte PV-Anlage in Oberotterbach geplant
Die bisher größte Anlage will die Gemeinde Oberotterbach auf einer Fläche von 40 Hektar auf der Gemarkung errichten. „Oberotterbach könnte theoretisch damit fast die gesamte Verbandsgemeinde versorgen“, erläutert Wander. Theoretisch wohlgemerkt, der erzeugte Strom von mindestens einer Million kWh pro Hektar wird in das Stromnetz eingespeist. Ortsbürgermeister Heinz Oerther sieht positive Signale im Gemeinderat für das Vorhaben, das in dieser Woche ausführlich besprochen und auf den Weg gebracht werden soll. „Volker Wander ist uns eine große Stütze bei der administrativen Vorbereitung und mit seinem Fachwissen, er packt an und das rechne ich ihm hoch an“, lobt Oerther. Als Ortsbürgermeister könne er das zeitlich gar nicht leisten.
Seit rund einem Jahr engagiert sich Wander auch im Verein Energie Südpfalz mit Sitz in Hergersweiler, der sich mit allen Themen rund um regenerative Energien beschäftigt. Für die Freiflächenfotovoltaikanlagen braucht es Fachwissen, viele Gespräche und einen langen Atem. Raumordnungsplan, Flächennutzungsplan, ein Projektentwickler, der die Anlage baut und betreibt, Gestattungsverträge mit Eigentümern und vieles mehr. Wander kennt die einzelnen Schritte und verbringt jede Woche sehr viel Zeit für die Gemeinden, um die Realisierung der PV-Anlagen auf den Weg zu bringen. Sein Fazit: 90 Prozent Bürokratie, 10 Prozent praktische Umsetzung.
Wander: Firmen zur Realisierung der Projekte gibt es genügend
Interessant ist eine solche Anlage natürlich auch finanziell. Für die Gemeinde, die Grundstückseigentümer und die Bürger. Und offensichtlich gibt es nach Kenntnis von Wander genügend Firmen, die die Projekte komplett realisieren, von der Planung bis zur Pflege der Anlage. Und die wohl auch keine Beschaffungsprobleme der Materialien haben. Im Schnitt rechnet er nach bisherigen Zahlen mit einer Pacht pro Hektar und Jahr von rund 2000 Euro aufwärts und einer Vergütung für die Gemeinde in ähnlicher Größenordnung. In Klärung sind auch vergünstigte Stromtarife für alle Einwohner. Die Projektentwickler würden mit Kosten von 500.000 bis 700.000 Euro pro Hektar kalkulieren, sagt er. „Es kostet den Steuerzahler nichts“, nennt Wander einen weiteren Vorteil.
Der Verein Initiative Südpfalz Energie, in dem Volker Wander Beisitzer ist, hat eine Meta-Studie erstellt, die bis zur endgültigen Fertigstellung jetzt schon in Teilen auf seiner Internetseite veröffentlicht ist. „Wenn wir nur ein Prozent der Landesfläche von Rheinland-Pfalz mit Freiflächen Fotovoltaik abdecken, sind das rund 20 Prozent des Energiebedarfs des Landes“, macht Wander die Rechnung auf. Zusammen mit PV-Anlagen auf Dächern könnten es mehr als 50 Prozent werden. In Sachen PV-Freiflächenanlagen hat Wander Feuer gefangen und bietet seine Hilfe auch gerne anderen Gemeinden an.
Info
Erreichbar ist Volker Wander unter ise.suedpfalz@gmail.com, Informationen zum Thema und rund um die Aktivitäten der Initiative Südpfalz Energie gibt es unter i-suedpfalz-energie.de.