Hochstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Protesttag zwei: Bauern suchen das Gespräch

Auf der Bundesstraße zwischen Hochstadt und Weingarten ist Umleitung angesagt.
Auf der Bundesstraße zwischen Hochstadt und Weingarten ist Umleitung angesagt.

Nach der Großaktion am Montag zum Auftakt der Protestwoche, geht es am Dienstag in der Südpfalz kleiner weiter. Dieses Mal blockieren Bauern die Bundesstraße zwischen Hochstadt und Weingarten. Bei Grillwurst und Steak wollen sie ins Gespräch mit Passanten kommen.

In einer Feuerschale Marke Eigenbau leuchtet heiße Glut, es duftet nach verbranntem Holz und Frischgegrilltem. Die Klangkulisse besteht aus einer Mischung von Ballermannhits und dem Rauschen von kleinen und größeren Fahrzeugen, die vorbeifahren. Bei den Menschen, die sich um den ob der Eiseskälte herzlich willkommenen Wärmespender versammelt haben, herrscht gute Stimmung. Während die einen miteinander erzählen und zwischendurch laut auflachen, wippen die anderen zum Viervierteltakt, den die Musikbox ausspuckt. Von Unzufriedenheit, Ärger und Wut ist keine Spur.

Es sind aber eben diese Emotionen, die die Menschen hierher gebracht haben. Eine Woche lang wollen die Bauern in Deutschland gegen die Politik der Bundesregierung protestieren. Auch in der Südpfalz regt sich sichtbarer Widerstand unter anderem gegen die geplante Abschaffung der Agrardieselrückvergütung. Zum Auftakt am Montag blockierten etwa 500 Landmaschinen neun Zufahrten zu wichtigen Verkehrsachsen. Die Aktion an Tag zwei fällt kleiner aus. Mit rund 30 Traktoren haben Bauern aus der Region am Dienstag zwischen Hochstadt und Weingarten Stellung bezogen.

Koch Fabian Müller (links) unterstützt dabei die Bauern um Jens Hoffmann.
Koch Fabian Müller (links) unterstützt dabei die Bauern um Jens Hoffmann.

„Ursprünglich wollten wir das auf der A65 machen“, erzählt Jens Hoffmann. „Das haben uns die Behörden aber nicht genehmigt, weil das zu gefährlich sei“, ergänzt der Bauer aus Weingarten. Deshalb stehen er und seine Kollegen nun eben an der Bundesstraße 272, die zwischen 8 und 18 Uhr auf einem gut 500 Meter langen Abschnitt gesperrt ist. Umkehren muss deswegen aber niemand, denn der Verkehr wird in beiden Fahrtrichtungen über den jeweiligen Parkplatz geleitet und kann mit 30 Stundenkilometern ungehindert am Protestposten vorbeirollen.

Die Bauern hoffen derweil darauf, dass manch einer sogar anhält. Sie wollen ins Gespräch mit den Leuten kommen, wie Hoffmann erklärt. Um es den Passanten schmackhafter zu machen, für einen Plausch das warme Auto gegen die winterliche Kälte zu tauschen, gibt es Bratwurst, Steak und Traubensaft. Selbstverständlich kostenlos. Am Grill steht immerhin ein echter Profi. Fabian Müller, Inhaber und Koch des Restaurants Esszimmer in Westheim. „Ich finde es gut, dass die Bauern den Mund aufmachen“, erklärt er. „Das möchte ich unterstützen.“ Und weil er nicht nur ein Speiselokal, sondern mit der Fleischboutique in Speyer auch eine Fleischerei betreibt, hat er Würste und Steaks direkt selbst mitgebracht.

Gegen 15 Uhr ist klar: Der Plan der Bauern, mit „der Bevölkerung“ ins Gespräch zu kommen, ist nicht ganz aufgegangen. „Gelegentlich hält mal einer an“, sagt Hoffmann. Die große Mehrheit rollt dann doch lieber schnurstracks vorbei, statt einen Zwischenstopp einzulegen. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch. „Wir bekommen sehr viel Zuspruch“, erzählt Hoffmann. Woraus er das schließt, wird schnell deutlich. Immer wieder hupen Passanten, ihr Gesichtsausdruck verrät eindeutig Zustimmung für die Anliegen der Bauern. Letzte Zweifel an dieser Haltung wischen diejenigen weg, die sogar die Scheibe öffnen, um einen nach oben gereckten Daumen vorzuzeigen. Ein einziges Mal, so berichtet Hoffmann, sei es ein anderer Finger gewesen, der aus der Scheibe gehalten wurde. „Und einer hat uns zugerufen, dass wir uns auf unsere Traktoren hocken und etwas schaffen sollen.“

Wer anhält, bekommt Frischgegrilltes.
Wer anhält, bekommt Frischgegrilltes.

Diese Ablehnung gegenüber den Landwirten teilen Alexandra Bleidorn und Robert Halicki nicht. Sie sind zwei der wenigen Menschen, die das Auto abstellen und auf einen Plausch aussteigen. Sie seien eigens wegen der Aktion von Speyer hierher gefahren, erzählt Bleidorn. „Das ist eine tolle Aktion, die müssen wir unterstützen.“ Die geplanten Mehrbelastungen für die Bauern bezeichnet sie als grauenhaft. „Was machen wir denn, wenn das auch noch teurer wird?“, fragt sie mit Blick darauf, dass die Preise für Nahrungsmittel infolge der Bundesregierungspläne steigen könnten. „Ich finde es super, dass die sich mal wehren.“ Es sei beispielhaft für viele andere, die ebenfalls unzufrieden seien und trotzdem alles über sich ergehen ließen.

Die Südpfälzer Bauern jedenfalls zeigen weiter Präsenz, am Mittwoch vor allem in der Landeshauptstadt. Allerdings rollen sie nicht wie ursprünglich geplant um 3 Uhr im Fahrzeugkorso nach Mainz, sondern mit dem Bus. Unter anderem, um mit mehr Personen vor Ort sein zu können. Zudem ist von 16 bis 18 Uhr ein Autokorso in Annweiler geplant. Unter dem Motto „Unterstützung des Anliegens unserer Bauern durch die regionalen Reiter“ werden 20 bis 30 Teilnehmer erwartet.

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