Kreis Südliche Weinstraße Protestanten wollen Neuanfang

Mit einem Festgottesdienst wurde Pfarrerin Margarete Lingenfelder am Sonntagnachmittag in der Christuskirche in Schweigen in ihre Amt eingeführt. Damit verbanden sich für die protestantische Kirchengemeinden ihrer neu geschaffenen gemeinsamen Pfarrstelle ebenso wie für den Kirchenbezirk und die Landeskirche der innige Wunsch und die erwartungsfrohe Hoffnung, dass er Ausgangspunkt eines bestandssicheren Friedens nach dem zuletzt zugespitzten Streit um die Besetzung der Pfarrstelle werde.
Bad Bergzaberns Dekan Dietmar Zoller, der die Amtshandlung vornahm, sprach in seinen Eingangsworten von Halbwahrheiten und Gerüchten, die die Medien bis hinein ins Fernsehen in den letzten Monaten beherrscht hätten. Er bedauerte es zugleich, dass geleisteter guter Arbeit nicht die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werde wie dem, was man da habe lesen und hören können. Geschwisterlicher Streit solle den Auftrag der Kirche Jesu nicht überdecken, dem treu zu bleiben Zoller anmahnte. Er dankte dem bei der Stellenbesetzung nicht zum Zuge gekommenen Mitbewerber und letztem Pfarrer von Schweigen-Rechtenbach, Ulrich Hauck, für dessen ausgesprochenen Verzicht auf die Klage gegen die landeskirchliche Entscheidung zugunsten Margarete Lingenfelders. Zoller setzte auf die Zeit, die Wunden heile, wenn auch Narben verblieben, und forderte die Gemeinde auf zum Willen nach Versöhnung und Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Pfarrerin Lingenfelder war die neu geschaffene Pfarrstelle für die Gemeinden Dörrenbach-Oberotterbach und Schweigen-Rechtenbach von der Kirchenregierung mit Entscheid vom 25. Oktober 2013 verliehen worden. Pfarrerin Lingenfelder stammt aus Edenkoben, hat in Landau Abitur gemacht, evangelische Theologie in Göttingen studiert, ihre erste Pfarrstelle in Contwig versehen und war danach Pfarrerin in Rinnthal und Hofstätten und später in Queichheim und Gräfenhausen. Seit September 2009 nahm sie den Dienst als Gemeindepfarrerin in Dörrenbach-Oberotterbach wahr, die nun beide zusammen mit Schweigen-Rechtenbach eine gemeinsame Pfarrstelle haben. Fusion und Umbau sind nach Lingenfelders Worten eine zwingende Folge des demografischen Wandels, der früher oder später auch andere Gemeinden erfassen werde. Eine Schlüsselfunktion für das Zusammenwachsen erwartete sie in ihrer Predigt von den Presbyteriums-Neuwahlen am ersten Adventssonntag. Das erste Grußwort widmete ihr Diakon Peter Ruffra, der im Namen der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bad Bergzabern vom „Kernland gelebter Ökumene“ an der Grenze sprach und Zusammenwirken und Unterstützung im ökumenischen Geist zusagte. In Vertretung von Landrätin Theresia Riedmaier übermittelte der Erste Beigeordnete der Südlichen Weinstraße, Marcus Ehrgott, Grüße des Kreises, die Bürgermeister der beteiligten Ortsgemeinden schlossen sich an. Julia Hauck, stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums Schweigen-Rechtenbach, griff nochmals die „außergewöhnliche Entwicklung“ mit Verstimmungen und Wunden bis zum Rücktritt einiger Presbyter auf, die diesen Tag nicht „ohne Blick zurück“ vergehen ließen. Sie wertete ihn dennoch als „Festtag“, an dem ohne Groll und Verletzung der Blick auch nach vorn zu richten sei. (hd)