Schwanheim RHEINPFALZ Plus Artikel Projekt Geiersnest soll beim Klimaschutz helfen

Mit Hilfe von Sponsoren, der Gemeinde und dem Forstamt Hinterweidenthal soll in Schwanheim ein neuer Mischwald entstehen, um für
Mit Hilfe von Sponsoren, der Gemeinde und dem Forstamt Hinterweidenthal soll in Schwanheim ein neuer Mischwald entstehen, um für den Klimawandel gerüstet zu sein.

Mehr als ein Viertel des Waldes in Deutschland befindet sich im Privatbesitz. Alleine im Bereich des Forstamts Hinterweidenthal teilen sich 1000 Waldbesitzer eine Fläche von 400 Hektar. Das stellt Förster und Besitzer vor Herausforderungen.

In der Klimakrise fällt der Blick oft auf die Wälder. Sie sollen uns helfen, unser Klima im Gleichgewicht zu halten – benötigen aber gleichzeitig selbst angesichts des Klimawandels Hilfe. Borkenkäferbefall, Trockenheit und Schäden durch Sturm und Starkregen spielen unserer grünen Lunge übel mit. Abhilfe schaffen sollen Mischwälder.

In Rheinland-Pfalz macht der Wald 40 Prozent der Landesfläche aus. Mehr als ein Viertel davon ist in privater Hand. Die Größe dieser Privatwälder reicht von mehreren 100 Hektar bis zu winzigen Flecken auf der Landkarte. Michael Grünfelder, der Leiter des Forstamts Hinterweidenthal, erklärt: „Die heutigen Besitzer haben ihre Wälder in der Regel geerbt. Oft bilden sich Erbgemeinschaften, wo dann vielleicht eine Person seinen Teil des Waldes wiederum weitervererbt, so dass sich immer kleinere Parzellen bilden.“

Gemeinschaften sollen helfen

Klar sei, dass sich viele Besitzer heutzutage nicht mehr um ihre Waldstücke kümmern können oder wollen, weil sie zum Beispiel aus beruflichen Gründen umziehen. Um sich gegenseitig zu helfen, schließen andere sich zu Bewirtschaftungsgemeinschaften zusammen. Die Landesforsten stehen den Privatwaldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite. So geschehen auch in jüngster Zeit in Schwanheim.

Wind, Wetter und der Borkenkäfer hatten dort eine Fläche von rund zwei Hektar stark beschädigt. Betroffen sind neun Besitzer. Um den Wald dort wieder zu Kräften kommen zu lassen und ihn gleichzeitig robust für den Klimawandel zu machen, entstand das Projekt „Geiersnest“. Mit Hilfe von Sponsoren, der Gemeinde und dem Forstamt Hinterweidenthal soll ein neuer Mischwald wachsen. Vergangene Woche war die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) zu Gast, um das Projekt zu begutachten.

Vor- und Nachteile des Privatwalds

„Als nachwachsender, heimischer und klimafreundlicher Rohstoff ist Holz eines der Materialien, die es gerade in Zeiten des Klimawandels zu fördern gilt. Mit seiner Hilfe können andere, energieintensivere und klimaschädliche Materialien wie Beton und Stahl teilweise ersetzt werden“, sagte die Ministerin den etwa 70 Zuhörern in ihrer Rede. „Daher ist es mein Ziel, Sie als Waldbesitzende in der Klimakrise zu begleiten und bei Ihren Anstrengungen zu unterstützen, Waldschäden zu begegnen und die Wälder zu erhalten, zu pflegen und ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu stärken.“

Den Privatwald sieht Spiegel auch als Chance: „Aus einer anderen Perspektive betrachtet, ist die Kleinteiligkeit im Privatwald auch ein Beitrag zur Strukturvielfalt, zum Arten- und Naturschutz und zur Biodiversität. Es ist maßgeblich, diese Wälder mit all ihren Fähigkeiten zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Sie haben aber auch ihre Nachteile, wie die Pressesprecherin des Umweltministeriums, Josephine Keller, verdeutlicht: Die Kleinteiligkeit erschwere allerdings die Bewirtschaftung, da zwischen bewirtschafteten Flächen immer wieder Flächen liegen, die unbewirtschaftet sind. „Zudem sind diese Wälder oft schlecht erschlossen, so dass die Waldflächen schwer zu erreichen sind. Bei guter Erreichbarkeit und größeren zusammenhängenden Flächen ist die Waldpflege einfacher durchzuführen“, sagt Keller.

Im Kampf gegen Schädlinge

Warum ist es so wichtig, dass sich in unseren Wäldern verschiedene Baumarten ausbreiten? „Unterschiedliche Baumarten haben unterschiedliche Wurzelformen, erschließen also den Boden besser und sind somit stabiler“, informiert Keller. „Die Wuchsform der Bäume ist unterschiedlich, somit entsteht in der Vertikalen mehr Struktur, was auch der Stabilität dient.“ Die vertikale Struktur sei wichtig im Hinblick auf die Stabilität der Wälder gegen Sturmwurf.

Jede Baumart habe ihre spezifischen Schädlinge und Krankheiten. Wenn ein Wald nur aus einer Baumart bestehe und ein spezifischer Schädling sich rasch vermehre, dann könne der gesamte Baumbestand diesem zum Opfer fallen. Wenn nun in einem Mischwald zum Beispiel wegen eines baumartenspezifischen Schädlings oder einer Krankheit eine Baumart in einem Wald ausfalle, so würden noch andere Arten verbleiben.

20 Millionen Euro vom Land

„Mischwälder haben in allen Schichten des Ökosystems eine höhere Artenvielfalt. Sie dienen der Risikostreuung zur Erhaltung des Waldökosystems. Des Weiteren sind stabile Mischwälder mit einem hohen Laubholzanteil besser vor Waldbränden geschützt“, betont Keller. Für die Bewältigung von Schäden im Wald in Folge von Extremwetterereignissen und für die Wiederbewaldung stelle die Landesregierung rund 20 Millionen Euro pro Jahr bereit.

„Private Waldbesitzende, die in ihren Wäldern wirtschaften wollen, stehen in der Klimakrise natürlich vor den gleichen Herausforderungen, wie alle im Wald Tätigen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den Klimawandel zu bremsen, damit das Ökosystem Wald auch künftig seine wichtigen Funktionen ausüben kann.“

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