Kreis Südliche Weinstraße Proben für den Ernstfall
Zahlreiche Einsatzwagen stehen auf dem Hof des Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern. Das Szenario, das sich im Gebäude des Gymnasiums abspielt, wirkt erschreckend echt. „Hilfe! Hilfe!“, hallt es durch die Gänge und das Treppenhaus. Die Rufe werden lauter, Panik scheint sich im unteren Geschoss des Gebäudes breit zu machen. Plötzlich fallen Schüsse. Beim Gang ins Lehrerzimmer wird einem das Ausmaß der Übung bewusst. Entlang einer (Kunst-)Blutspur kann man den Weg des Täters zurückverfolgen. Vor den Räumen und im Treppenhaus liegen Statisten der Bundespolizei, täuschend echt geschminkte Schusswunden lassen vermuten, dass sie die Angriffe nicht überlebt hätten. Was genau sich bei der Übung der Polizei abgespielt hat, haben die anwesenden Lehrer nicht mitbekommen. Sie waren lediglich Hörzeugen, warteten in einem Klassenraum auf das Okay der Einsatzkräfte. Zum einen möchte die Polizei verhindern, dass ihre taktische Vorgehensweise öffentlich gemacht wird, zum anderen seien die Szenen, die sich während der Schießerei abspielen, nicht für alle einfach zu verkraften. Die Polizei geht diese Amokübung eben an wie einen realen Ernstfall. Und das ist auch gut so. Nach der Polizeiübung gibt es eine Nachbesprechung im Lehrerzimmer. Die Stimmung ist sichtlich gedrückt. Der Gedanke daran, dass sich solch eine schreckliche Tat wie in Winnenden im März 2009 oder im April 2002 an der Gutenberg-Schule in Erfurt, der Partnerschule des Alfred-Grosser-Schulzentrums, auch in hier Bad Bergzabern abspielt, beschäftigt alle Anwesenden. In zwei weiteren Modulen werden anschließend verschiedene Themen besprochen, Fragen geklärt und über mögliche Probleme diskutiert. Neben dem Thema „Umgang mit Trauer“ gibt der stellvertretende Schulleiter Jörg Engel einen Überblick über mögliche Gefahren für Lehrer und deren Schulklassen. Inhalte seiner Präsentation „Umgang mit Gefahrensituationen“ sind nicht nur die potenziellen Gefahren eines Amoklaufs an der Schule. Die Kollegen werden auch über die richtige Verhaltensweise bei Feueralarm oder Unfällen im Unterricht. Gerade dann, wenn in den Chemiesälen mit Gasen experimentiert wird, müssen die Lehrer schnell und richtig reagieren. An oberster Stelle steht jedoch immer, Ruhe und Ordnung zu bewahren und den Notruf zu verständigen. Ein entsprechendes Dokument mit allen Hinweisen und Notrufnummern wird es ebenfalls für das Kollegium geben. „Die Aktion kam auch auf Wunsch des Kollegiums zustande“, sagt Schulleiter Peter Allmann. Zudem würden alle von der Übungseinheit profitieren: Die Schule lerne von den Einsatzkräften und diesen wiederum bietet sich die Möglichkeit, in einer realen Umgebung für den Ernstfall zu proben. „Es ist eine schöne Synergie zwischen Schule und Polizei“, so Allmann. Ziel sei es, die Übung so authentisch wie möglich ablaufen zu lassen, sodass auch die Lehrer sensibilisiert werden. Engel sprach von einer „Win-Win-Win-Situation“. Ein passender Ausdruck, schließlich waren nicht nur die Bad Bergzaberner und Landauer Polizei vor Ort, sondern auch die Kollegen des Schieß- und Einsatztrainingszentrums Enkenbach-Alsenborn sowie die nachrückenden Kräfte der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes aus Bad Bergzabern. „Das Wichtigste aber ist – und das sage ich immer wieder –, dass die Schulkultur gepflegt wird. Die Schüler sollen keine Angst haben, bei Problemen direkt auf uns zuzukommen“, erklärt der studierte Theologe die bedeutendste Form der Prävention. Sein Appell an Schüler und Kollegen: „Vertraut einander!“ |meyd