Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Preis-Schock beim Bäcker: So teuer kann ein halbes Brot werden

Rolf Heise wollte nur die Hälfte eines Bauernbrotes. Verwundert war er über den Preis.
Rolf Heise wollte nur die Hälfte eines Bauernbrotes. Verwundert war er über den Preis.

Ein Zweipfünder Bauernbrot für 5,50 Euro, für die Hälfte werden knapp 5 Euro fällig – kann das sein? Das fragt sich ein Pfälzer nach dem Besuch eines Bäckers in Edenkoben.

Rolf Heise geht, wie er erzählt, fast ausschließlich zum Bäcker, wenn er Brot oder Brötchen haben möchte. Bei Backwaren möchte er mit seinen Einkäufen eher das Handwerk stärken statt die Supermärkte. Doch kürzlich war er über die Preisgestaltung der Filiale von „De Bäcker Becker“ in Edenkoben sehr verwundert, um nicht zu sagen, schockiert.

Heise erzählt, dass er bei seinem Besuch der gläsernen Backstube im Gewerbegebiet ein großes Bauernbrot im Sortiment entdeckte. Für das ein Kilogramm schwere Stück hätten 5,50 Euro auf dem Preisschild gestanden. Weil ihm das mengenmäßig zu viel war, da das Brot nur für ihn und seine Frau zu Hause gedacht war, habe er gefragt, ob er auch die Hälfte davon bekommen könne. „Kein Problem“, habe es geheißen. Das halbe Bauernbrot sei auf eine Waage gelegt worden. „Dann wurde mir der Preis für die 480 Gramm genannt: 4,99 Euro.“ Das habe ihn doch sehr überrascht.

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Kunde: „Normal ist das nicht, oder?“

Auf seine Frage, wie denn dieser Preis zustandekomme, der nur geringfügig günstiger sei als der für die doppelte Menge, habe die Verkäuferin eine einfache Erklärung gehabt: Es handele sich um Schnittbrot, und das werde nach Gewicht berechnet. „Nachdem ich etwas von Wucher gesagt und wahrscheinlich böse geguckt hatte, bekam ich mein Geld zurück und verließ das Geschäft“, berichtet Heise. Er wolle niemanden anschwärzen, aber: „Normal ist das nicht, oder?“

Für Backwaren gibt es spezielle Kalkulationen.
Für Backwaren gibt es spezielle Kalkulationen.

Silke Becker, die gemeinsam mit ihrem Mann. dem Bäcker- und Landesinnungsmeister Claus Becker, den in der Region bekannten Bäckerei-Betrieb führt, geht auf Anfrage der RHEINPFALZ auf den Fall ein. Ihrer Ansicht nach wurde im Kundengespräch verpasst, Heise über die Preiskalkulation aufzuklären. Dass nämlich für das geschnittene Brot andere Preise berechnet werden. Früher, zu Mark-Zeiten, habe selbst das Schneiden noch ein paar Pfennig gekostet, erzählt Becker. Inzwischen sei dies ein kostenfreier Service.

Becker: „Größere Mengen tendenziell günstiger“

Dass Brot, das geschnitten wird, auch gewogen werden muss, sei geboten. Stichwort Eichgesetz. Dass dafür andere Preise erhoben werden, sei in Bäckerein üblich, betont Becker. Und zwar habe dies betriebswirtschaftliche Gründe. Wie bei anderen Lebensmitteln seien auch bei ihnen Waren in größeren Mengen tendenziell günstiger. Insofern könne der Kunde nicht erwarten, dass der Preis um die Hälfte reduziert wird, wenn das Brot geteilt wird.

Der Südpfälzer Bäckermeister Claus Becker hat neben seiner Gläsernen Backstube in Edenkoben an mehreren Standorten in der Pfalz
Der Südpfälzer Bäckermeister Claus Becker hat neben seiner Gläsernen Backstube in Edenkoben an mehreren Standorten in der Pfalz weitere Filialen.

Davon abgesehen habe man bei Schnittbrot die Möglichkeit, sich eine größere Auswahl an Broten zusammenstellen zu lassen. Ein Service, für den eben mehr Geld verlangt werden könne. Bei „De’ Bäcker Becker“ werden für ein Kilogramm Schnittbrot 9,90 Euro berechnet, unabhängig davon, wie viel die einzelnen Brotsorten kosten.

Ähnliche Beobachtung in der Metzgerei

Der Kunde hätte in diesem konkreten Fall das größere Brot kaufen und die überschüssige Menge zu Hause einfrieren und für später aufheben können. Die Bäckerei dagegen müsste das unternehmerische Risiko tragen, die andere Hälfte des Brotes nicht verkauft zu bekommen. Auch darauf führt Silke Becker die unterschiedlichen Preise zurück.

In Metzgereien kommt es auch vor, dass eher ein frischer Ring Fleischwurst angeschnitten wird, als ein Stück noch weiter zu verkleinern, wenn es dem Kunden noch zu groß sein sollte. Dort ändert sich der Gramm-Preis allerdings nicht. Das habe einen besonderen Hintergrund, sagt Becker. Das Fleisch müsse nicht am selben Tag verkauft werden, das tagesfrische Brot in Bäckereien aber schon.

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