Kreis Südliche Weinstraße Politik der offenen Tür
Bad Bergzabern. Noch hat sie nicht das ganze Kollegium kennengelernt. Was bei einer Schule mit drei Standorten und rund 100 Lehrern auch dauern kann. Schließlich ist Petra Reuter erst seit Anfang des Monats Leiterin der Berufsbildenden Schule (BBS) Südliche Weinstraße mit den Standorten Bad Bergzabern, Annweiler und Edenkoben.
„Ich habe die Hoffnung, dass ich bis spätestens in einem halben Jahr mit allen Kollegen persönlich gesprochen habe“, sagt Petra Reuter. Wer sich mit ihr unterhält, nimmt ihr dieses Vorhaben gern ab. Sie wirkt offen, freundlich und ist gut gelaunt. „Ich bin ein kommunikativer Mensch. Ich suche das Gespräch mit den Kollegen, aber auch mit den Schülern“, charakterisiert sie sich. Sie verfolge eine Politik der offenen Tür. „Klar, wenn meine Tür geschlossen ist, dann wissen die Kollegen, dass ich nicht gestört werden will. Aber in der Regel ist meine Bürotür offen“, sagt Petra Reuter. Drei Tage pro Woche ist sie in Bad Bergzabern, vor allem weil dort die Verwaltung der BBS sitzt, ein Tag ist sie in Annweiler und ein Tag in Edenkoben. Das bedeutet also viel Fahrerei, schließlich wohnt Petra Reuter in Grünstadt. „Na ja, das mit den vielen Kilometern ist relativ. Ich habe in den USA gelebt und gearbeitet, da ist man ganz andere Entfernungen gewohnt.“ Die USA spielen im Leben der Mutter von drei erwachsenen Kindern eine ganz zentrale Rolle. „Die Liebe zu den USA hat sich bei mir schon als junger Mensch entwickelt. Es war immer mein Traum, einmal in den Vereinigten Staaten zu arbeiten“, erzählt die 60-Jährige. Von 2009 bis 2015 hat sich ihr Traum erfüllt. Als Fachberaterin für Deutsch war sie im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Amerika, hat zwei Jahre in Miami und vier Jahre in Atlanta gelebt. Sie hatte mit deutschen Firmen zu tun, die in den USA Produktionsstandorte haben, und mit Schulen, die Deutsch unterrichten. Studiert hat Reuter Englisch und Französisch für das Lehramt am Gymnasium. Aber nur während ihres Referendariats war sie an einem Gymnasium beschäftigt. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens, an die BBS gegangen zu sein, das ist ein hochspannendes Betätigungsfeld.“ Erfahrungen als Lehrerin hat die in Bad Dürkheim aufgewachsene Reuter an der BBS Technik 1 in Ludwigshafen sowie als stellvertretende Schulleiterin an der BBS Neustadt gesammelt. Vor ihrem USA-Aufenthalt arbeitete sie im Bildungsministerium in Mainz. Mitte 2015 folgte die Rückkehr nach Deutschland. Petra Reuter übernahm die Leitung der BBS Landstuhl, einer kleinen Schule. „Auch eine tolle Erfahrung“, sagt sie. Aber als sie gehört habe, dass der Schulleiter-Posten der Berufsbildenden Schule SÜW frei werde, sei in ihr der Gedanken gereift, diese Stelle zu übernehmen. Mit etwa 1500 Schülern und den drei Standorten mit sehr unterschiedlichem Bildungsangebot sei das eine spannende Aufgabe. So freut sie sich etwa auf den neuen Fachbereich „Heilerziehungspflege“, der ab dem neuen Schuljahr in Annweiler angeboten wird. „Mir kommt bei meiner neuen Aufgabe meine Erfahrung aus Neustadt, die dortige BBS hat immerhin rund 3000 Schüler, zugute“, sagt sie. Viel Lob findet Reuter für ihre neuen Kollegen – „sehr engagiert“ – und für den Träger der BBS, den Landkreis SÜW: „Das muss ich wirklich sagen, eine Schule, die so hervorragend ausgestattet ist und die so gut unterhalten ist, habe ich selten gesehen.“ Fahrrad fahren und lesen nennt Petra Reuter als ihre Hobbys. Und natürlich das Reisen. Sie freut sich, dass ihr neuer Arbeitsplatz so nahe an Frankreich liegt. „Frankreich ist nach den USA meine zweite Leidenschaft. Ich will wieder mehr Zeit in Frankreich verbringen.“ Die BBS SÜW soll die letzte Station in Petra Reuters Berufsleben sein. „Meine Kinder haben mich gefragt, ob mein unruhiges Leben jetzt vorbei sei. Ja, die Südliche Weinstraße ist definitiv meine letzte Station“, kündigt sie an. |jpa