Albersweiler
Pflegedienst Curacor will Missständen entgegenwirken
Pflegen dürfen, das sollte die oberste Priorität eines Pflegedienstes sein. Den Patienten mit einem Lächeln begegnen. Fachmännische Pflege und Unterstützung gewährleisten. Oder einfach nur die Hand halten. Dafür fehlt heute einfach die Zeit. Viel wird wegrationalisiert und Zwischenmenschliches geht verloren.
Dagegen versucht das neunköpfige Pflegedienst-Team Curacor etwas zu tun. Die Pflegeleitung besteht aus der examinierten Krankenschwester Heike Urbaneck für die pflegerische Abteilung und Alexander Dauenhauer, der die kaufmännische Seite des Unternehmens betreut. Wegen Platzmangel zog das ambulante Intensiv-Pflegedienst-Team im August 2021 von Godramstein nach Albersweiler. Das Betreuungsgebiet erstreckt sich von Albersweiler über Edenkoben bis nach Kandel. Examinierte Krankenpfleger, Arzthelferinnen, Altenpfleger, Hauswirtschafterinnen sowie Schul- und Kindergartenbetreuer ihre Aufgaben erledigen und zwischen Vier- und 98-Jährige pflegen.
„Die sterben doch sowieso bald“
„Ich habe in verschiedenen Einrichtungen schon gearbeitet. Es macht einen mehr als sprachlos, wenn Sie von der Leitung gesagt bekommen, dass für jede Tasse Kaffee zwei Milliliter Milch ausgegeben werden dürfen“, sagt Urbaneck. „Warum Sparmaßnahmen? Auch gab es einfach zu wenig zu trinken für all die Leute. Dehydrierung war oft die Folge davon.“ Urbaneck kann sich immer noch aufregen über solche Dreistigkeiten. „Der Hammer war aber, als wir 15 gebratene Fische auf 50 ältere Leute aufteilen sollten. Ebenfalls kam auf das ,Warum?’ die lapidare Antwort, dass die meisten Patienten ja doch wenig essen.“ Müssten die Verwandten der Angehörigen nicht darüber informiert werden? „In den Häusern haben alle Stillschweigepflicht“, erklärt Urbaneck.
Als weiteres Beispiel erklärt die Krankenschwester, dass ihr Pflegedienst 35 Minuten zur großen Morgentoilette veranschlagt. Die Vorgabe seien 24 Minuten. In der Regel werden bei ihren Mitbewerbern aber nur 19 Minuten darauf verwendet. „Das erinnert mich an die Zeit in der ich noch in Pflegeeinrichtungen gearbeitet habe. Da waren morgens etwa 20 Personen zu waschen und ich alleine als Kraft auf der Station. Und hier auch wieder die Erklärung ’Mach halt nur das Nötigste. Die sterben doch sowieso bald.’ Da hat es mir gereicht.“ Sie habe 2011 umgehend eine Zusatz-Qualifikation im Bereich Pflegedienstleitung abgelegt und sich mit dem Gedanken getragen, es anders zu machen. Alexander Dauenhauer fügt an: „Wenn ein Pflegeheim im Monat durchschnittlich 2000 Euro für die Person kostet, kann man doch schon verlangen, dass auch genug Essen und Trinken da ist, oder?“
Schikane im Kollegium
Auch die Krankenpflegehelferin Patrizia Udeze weiß über Schikane im Kollegium zu berichten. Der Mann der 43-Jährigen war für längere Zeit im Krankenhaus in Heidelberg. Ihr wurde nicht erlaubt, die Schicht zu tauschen, um ihren lebensgefährlich erkrankten Mann zu besuchen. „Das hängt mir heute noch nach, obwohl es schon einige Zeit her ist“, erzählt sie. Im Curacor-Team helfe man sich gegenseitig und springe für den anderen, erklärt Udeze.
Fabian Sachs absolviert momentan seinen zwölf-wöchigen Außendienst bei Curacor innerhalb seiner Ausbildung zum Pflegefachmann. Er erzählt: „Ich bin jetzt im zweiten Ausbildungsjahr. Von anfangs 24 Schülern sind wir nur noch zu zehnt. Alle anderen haben den Rückzug vom Beruf angetreten. Derweil ist es etwas Schönes pflegen zu dürfen. Und ich verdiene im zweiten Lehrjahr zirka 1700 Euro brutto. Ich habe meinen Beruf und meine Berufung gefunden.“
Erhöhung der Stundenlöhne in Aussicht
Die Ausnutzung der Pflegekräfte sei schon seit Jahrzehnten im Gange, sagt Urbaneck. Abminderung der Arbeitsqualität sei auch eine Herabsetzung der Person, die hart in diesem Beruf arbeitet, erklärt sie. Dauenhauer verweist auf die neuen Pflege-Mindestlöhne ab dem 1. September 2022. Da gelte für ungelernte Hilfskräfte 13,70 Euro pro Stunde. Mit einjähriger Ausbildung 14,60 Euro und mit dreijähriger Ausbildung 17,10 Euro. Ab Mai 2023 ist eine Erhöhung der Stundenlöhne in Aussicht. „Wir versuchen neben all der vielen Arbeit auf unsere Pflegekräfte einzugehen und auch ihre Privatsphäre zu respektieren“, erklärt Urbaneck. „Nur so klappt auch der humane Umgang mit unseren Kunden.“ Alle im Team wünschen sich, dass ihre Arbeit mehr Wertschätzung erfährt.