Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarrzentrum wird zu Jugendzentrum

Beim Auftakt der Sanierungsarbeite: Bürgermeister Axel Wassyl (mit Helm, Mitte) und Beigeordneter Marco Gensheimer (Dritter von
Beim Auftakt der Sanierungsarbeite: Bürgermeister Axel Wassyl (mit Helm, Mitte) und Beigeordneter Marco Gensheimer (Dritter von rechts).

Der erste Hammerschlag ist erfolgt: Das Pfarrzentrum in Offenbach wird zu einem Jugendzentrum verwandelt. Die Verantwortlichen sehen darin die Chance, mehr Wünsche der Jugendlichen zu erfüllen und mehr junge Leute zu erreichen.

Als Jugendpflegerin Kathrin Tempel vor viereinhalb Jahren ihre Stelle in der Verbandsgemeinde Offenbach antrat, hatte sie ein großes Ziel: die Eröffnung eines Jugendzentrums. Als sie diesen Wunsch bei einem Pressegespräch mit der RHEINPFALZ äußerte, war die Situation eine andere. In Offenbach fehlte es damals an einem Raum für die Kinder und Jugendlichen in der Verbandsgemeinde, nachdem zuvor der frühere Anlaufpunkt im Ort mangels Nachfrage aufgegeben worden war. Aktuell leben in der Verbandsgemeinde Offenbach rund 1340 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 10 und 21 Jahren, wie Kathrin Tempel mitteilt.

Nach ihrem Amtsantritt kam Bewegung in die Sache: So konnte sich die Kommune wenige später mit der Kirchengemeinde darauf verständigen, den für die Messdiener vorgesehenen Raum im Ernst-Gutting-Haus als Jugendtreff mitzunutzen. Es sollte keine langfristige Lösung sein, auch deshalb nicht, weil immer Absprachen nötig waren. Seit September 2021 ist das Alte Schulhaus ein Anlaufpunkt für den Nachwuchs. Laut Kathrin Tempel kommen an den beiden Tagen in der Woche, an denen der Jugendtreff geöffnet hat, bis zu 20 Mädchen und Jungen. „Der Raum befindet sich im Obergeschoss. Er ist nicht klein, aber auch nicht wirklich groß“, bedauert die Jugendpflegerin. Umso größer ist deshalb ihre Freude darüber, dass ihr Wunsch wahr wird und ein neues Domizil für die Kinder und Jugendlichen geschaffen wird.

Gebäude wird saniert und umgestaltet

Entstehen soll das Jugendzentrum im katholischen Pfarrzentrum, das zuletzt als Unterkunft für Geflüchtete diente. Das Gebäude wird so auf Vordermann gebracht und umgestaltet, dass es der neuen Bestimmung gerecht wird. Dem zuständigen Beigeordneten, Marco Gensheimer, zufolge werden unter anderem die sanitären Anlagen erneuert. Das Dach sei noch in einem guten Zustand, müsse aber isoliert und noch mit eine Fotovoltaikanlage versehen werden. „Außerdem werden noch ein paar Zwischenwände rausfliegen, auch die Türen werden verbreitert“, berichtet Marco Gensheimer. Schließlich wird im zweigeschossigen Gebäude Wert auf Barrierefreiheit gelegt. Daher ist am Eingangsbereich auch der Bau eines Treppenlifts vorgesehen, um allen den Zugang zu ermöglichen.

Auf die Raumaufteilung angesprochen, sagt Marco Gensheimer, dass sich das Leben überwiegend im Erdgeschoss abspielen werden. Dort soll es Bereiche geben, wo die Mädchen und Jungen Tischkicker spielen oder abhängen können. Bei der Gestaltung und Einrichtung der Räume würden die Wünsche der Kinder berücksichtigt, die sich zum Projekt bereits äußern durften. Um das noch benötigte Mobiliar anschaffen zu können, hofft die Gemeinde auf Spenden. Auf den körperlichen Einsatz von Freiwilligen kann die Gemeinde jedenfalls zählen. Es gebe Zusagen für Arbeiten, die in Eigenleistung erledigt werden sollen, etwa das Entrümpeln und das Entkernen des Anwesens. Erfreut ist der Beigeordnete über die Unterstützung der ortsansässigen Firma Stadler und Schaaf, die ihre Auszubildende für einen Arbeitseinsatz entsende. Sie sollen unter anderem im Garten mit anpacken, der verwildert sei.

Garten soll für verschiedene Aktionen genutzt werden

Stichwort Garten: Allein schon die Möglichkeit, künftig im Freien Aktionen auf die Beine stellen zu können, verdeutlicht aus Sicht von Kathrin Tempel, welch ein Gewinn das Jugendzentrum für die Verbandsgemeinde sein wird. Sie ist überzeugt, dass dadurch ein größerer Teil ihrer Zielgruppe den Weg zur Einrichtung finden wird. Auch weil die Jugendlichen dann Rückzugsmöglichkeiten haben werden, abgesehen von den Spiel- und Unterhaltungsangeboten. Einen ersten Eindruck von ihrem neuen Domizil konnten sie am Mittwochabend erhalten. Anlässlich des ersten symbolischen Hammerschlags hatte die Gemeinde zu einem Rundgang eingeladen.

Kathrin Tempel wird schon bald greifbarer sein. Dadurch, dass sie ihr Büro vom Rathaus ins Jugendzentrum verlegen wird. Der Umzug soll im Herbst sein. Wann die Kinder das Haus mit Leben füllen werden, kann laut Marco Gensheimer nur schwer vorhergesagt werden. Wenn es nach ihm ginge, dürften die Arbeiten Ende 2024 fertig sein. „Aber die Bauzeit hängt von vielen Faktoren ab.“ Die Handwerksbetriebe und das Material müssten verfügbar sein. Allein schon, was die derzeitige Lieferzeit von Wärmepumpen angeht, die die Gemeinde ebenfalls anschaffen möchte, zeige, dass mit Verzögerungen gerechnet werden müsste.

Eigentümerin des Anwesens wird die Ortsgemeinde sein, betrieben wird das Jugendzentrum von der Verbandsgemeinde. In das Projekt werden rund 690.000 Euro investiert, der gewährte Zuschuss beträgt 192.000 Euro. Die zuständige erste Beigeordnete der VG, Marietta Heid-Gensheimer, ist jedenfalls glücklich, dass die politischen Gremien mit ihren schnellen und einstimmigen Entscheidungen den Weg für das Jugendzentrum bereitet haben. Corona habe gezeigt, wie wichtig es sei, solch eine „Heimat für Jugendliche zu schaffen, einen Ort, mit dem sie sich identifizieren können“. Damit der Jugendarbeit noch mehr Rechnung getragen werden kann, soll Kathrin Tempel im Sommer Verstärkung erhalten. Die Stellenausschreibung laufe laut Heid-Gensheimer.

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