Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald: Künstlerinnen entwerfen gehäkeltes „Waldwunder“

Das Häkelprojekt Waldwunder wurde liebevoll ausgestaltet.
Das Häkelprojekt Waldwunder wurde liebevoll ausgestaltet.

Der Pfälzerwald als gehäkeltes Kunstwerk? Am Anfang klang das wie eine verrückte Idee. Doch dahinter stecken zwei Künstlerinnen aus Leinsweiler, die ihr Vorhaben minutiös in die Tat umgesetzt haben.

Wunder dauern etwas länger, behauptet ein oft zitierter Spruch. Das gilt auch für das „Waldwunder“, das große Häkelkunstwerk, das in den letzten neun Monaten durch den Handarbeitsfleiß von mehr als hundert Frauen und drei Schulklassen entstanden ist. Ab Sonntag kann man das staunenswerte Wunderwerk endlich besichtigen – im Kreishaus.

Schönheit des Ökosystems Wald zeigen

Der Pfälzerwald als gehäkeltes Kunstwerk? Am Anfang klang das nur wie eine verrückte Idee. Die Künstlerin Konnie Keller und Dorothea Hafer, Vorsitzende des Vereins Kultur und Kunst Leinsweiler, hatten sie gemeinsam ausbaldowert. Nach dem Vorbild des „Crochet Coral Reef“ (gehäkeltes Korallenriff), an dem sich Tausende von Menschen beteiligt haben, und das zuletzt mit einem Ableger im Frieder-Burda-Museum Baden-Baden begeisterte, wollten sie in einem Gesamtkunstwerk den Pfälzerwald darstellen. Was für eine ungewöhnliche Möglichkeit, auf die Schönheit und Verletzlichkeit des Ökosystems Wald hinzuweisen.

Die Idee zündete sofort. Nicht nur in Leinsweiler, dem „Geburtsort“ des Waldwunders, sondern pfalzweit und darüber hinaus griffen Frauen zur Häkelnadel und schufen aus Schnur und Garn, mit Fantasie und Akribie, kleine Elemente des Pfälzerwalds: Pilze, Moose, Flechten, Rindenstücke, Walderdbeeren, Glockenblumen, Keschde, Eicheln und vieles mehr. Am Ende sind es mehr als 5000 Teile. „Eine fantastische Dimension, viel mehr als gedacht“, freut sich Dorothea Hafer.

Vier Jahreszeiten dargestellt

Anfang dieser Woche, Endspurt in der Sonnenberghalle Leinsweiler: In der Raummitte steht schon das Waldwunder auf großen Tischplatten, man erkennt staunend die vier Jahreszeiten mit einer enormen Fülle von Einzelstücken. Sie ergeben zusammen ein zwar nicht ganz realistisches, aber „komprimiertes“ Abbild des Weltnaturerbes, das direkt vor unserer Haustür liegt, so Künstlerin Konnie Keller. Sie hat in einem langen Prozess aus der großen Fülle Teile ausgewählt, ausprobiert, arrangiert und wieder verändert, schließlich die Elemente über einem Drahtkorpus zusammengetackert.

Jetzt sind ein halbes Dutzend Frauen mit Feinarbeiten beschäftigt und nähen einzelne kleine Stücke an. Die Stimmung ist heiter, man lacht und freut sich schon auf die Ausstellung. Neben dem Vier-Jahreszeiten-Exponat, das die eindrucksvollen Maße von 3.70 auf 1.70 Meter hat, sind noch eine Fliegenpilz-Kolonie und ein gehäkelter Teufelstisch zu bewundern. „Die Felsen sind ein signifikanter Teil des Pfälzerwaldes. Ich habe dieses Element angeregt, und das fiel auf…äh…auf häkelbaren Sandstein,“ sagt Konnie Keller lachend.

Transportable Unterkonstruktion

Dorothea Hafer und eine Helferin sind unterdessen damit beschäftigt, kleine Materialpakete mit Wolle, Styroporkugel und Anleitung zusammenzustellen, damit Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, die Lust darauf haben, sich selbst einen Mini-Pfälzerwald häkeln können. Der Hintergrund dieser Aktion ist auch ein finanzieller: Der Verein Kultur und Kunst, der ja ehrenamtlich funktioniert, braucht mehr Geld als erwartet, denn der Erfolg der Aktion führt zu zusätzlichen Ausgaben. Das gilt zum Beispiel für die maßgefertigte transportable Unterkonstruktion des Waldwunders. Außerdem fallen Transportkosten an, weil nach der Ausstellung im Kreishaus mehrere Gemeinden das Häkelkunstwerk zeigen wollen. Neben den Materialpäckchen werden daher auch von Konnie Keller gestaltete Kleinkunstwerke auf Steckmoos angeboten, die Besucher mit nach Hause nehmen können. Im übrigen hofft der Verein, dass sich vielleicht Sponsoren finden.

Und was passiert mit dem Waldwunder nach all den Ausstellungen? „Eigentlich wollten wir“s verschenken, aber dafür ist es zu groß geworden“, berichtet Dorothea Hafer. Inzwischen hat man eine passende Bleibe gefunden, sie allerdings erst noch renoviert werden muss. Es handelt sich um einen kleinen ehemaligen Lebensmittelladen in Leinsweiler, der schon lange leer steht. Durch sein Schaufenster wird man das Kunstwerk sehen können – und natürlich sind auch geführte Besichtigungen möglich, wenn der Laden erst mal hergerichtet ist. So wird das riesige Häkelwunder als dauerhafte Attraktion dort bleiben, wo es hingehört: an seinem Entstehungsort.

Info

Die Ausstellung im Kreishaus, An der Kreuzmühle 2, in Landau kann bis einschließlich 17. Juli montags bis mittwochs von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, donnerstags bis 17 Uhr und freitags nur am Vormittag besichtigt werden. An Nachmittagen sind Teilnehmerinnen des Projekts anwesend, vormittags sind nach telefonischer Absprache (0177 5980550) Führungen möglich. Vernissage mit Landrat Dietmar Seefeldt ist am Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr. Mehr Infos unter www.konniekeller.de. Nach der Präsentation im Kreishaus zieht das Waldwunder weiter. Es ist beispielsweise auch während des „Leinsweiler Sommers“ vom 20. Juli bis 4. August im Rathaus des Dorfs zu sehen.

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