Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald: Hunderte Bäume werden gefällt

Am Rande des Kurparks in Bad Bergzabern werden 200 bis 250 Bäume gefällt.
Am Rande des Kurparks in Bad Bergzabern werden 200 bis 250 Bäume gefällt.

Wenn im Pfälzerwald reihenweise Bäume gefällt werden, sorgt das immer für Aufsehen. Das weiß man auch im Forstamt. Deshalb erklärt der Revierleiter, wieso das nötig ist.

„Für Waldbesucher ist das nicht der schönste Anblick“, sagt Tobias Keller. Er steht am Parkplatz Kurpark, wo die Kneippstraße und die Straße Am Wonneberg aufeinandertreffen. Es ist eine Stelle, an der mehrere Wanderwege vorbeiführen und entsprechend viele Menschen unterwegs sind, zumal sich direkt angrenzend auch der Kurpark erstreckt. Während Keller, der Leiter des Reviers Bad Bergzabern im Forstamt Annweiler, erzählt, zeigt er auf den Hang am Waldrand. Und dort ist gleich auf den ersten Blick zu erkennen, was er meint.

Entlang der Straße steht fast kein Baum mehr. Alle sind gefällt worden. „Das ist nur der Auftakt in diesem Jahr“, sagt Keller, der damit ankündigt, dass in den kommenden Monaten weitere Bäume radikal abgesägt werden. Im Bereich rund um den Parkplatz Kurpark seien in den vergangenen Tagen 200 bis 250 kleine und große Bäume gefällt worden, erklärt Sebastian Greiner, Betriebsdisponent im Forstamt Annweiler. Beide wissen, dass gerade im Pfälzerwald Baumfällungen immer ein emotionales Thema sind. Deshalb haben sie zum Vor-Ort-Termin eingeladen – um zu erklären, wieso diese Aktion notwendig ist.

Viele Baumstämme sind faul

Es gehe um die Verkehrssicherung, erklärt Keller. Zweimal im Jahr – einmal, wenn die Bäume Laub tragen, einmal, wenn sie kahl sind – müssen Waldbesitzer kontrollieren, ob von ihrem Bestand eine Gefahr für Passanten oder umliegende Gebäude ausgeht. Und das ist laut Keller in Bad Bergzabern an mehreren Stellen der Fall. Er deutet auf einen dicken Stamm, um den zahlreiche dünnere Auswüchse aus dem Boden schießen. Allesamt sind abgesägt, weil sie nicht mehr stabil waren. „In dem Hauptstamm war alles faul“, erklärt Keller. Irgendwann hätte er auseinanderbrechen und den Hang hinunterfallen können.

Daniel Weilemann, Sebastian Greiner und Tobias Keller (von links) vom Forstamt Annweiler begutachten die Baumfällarbeiten.
Daniel Weilemann, Sebastian Greiner und Tobias Keller (von links) vom Forstamt Annweiler begutachten die Baumfällarbeiten.

Erledigt werden die Schnittarbeiten nicht von Hand. Das liegt einerseits an der Hanglage, die das Arbeiten mit der Motorsäge praktisch unmöglich macht. Andererseits spielt Ästhetik eine große Rolle, wie Keller erklärt. Die Bäume würden nicht knapp über dem Boden abgeschnitten. Stattdessen bleiben relativ lange Stammstücke stehen. „Deshalb brauchen wir dafür einen Fällkran“, sagt der Revierleiter. „Nur damit können die Bäume in vier Metern Höhe abgeschlagen werden.“ Und zwar, indem die riesige Maschine vom asphaltierten Weg aus den Teleskoparm ausfährt, den Baumstamm in der gewünschten Höhe umklammert und ihn auf der gewünschten Höhe kappt.

Forst nimmt Rücksicht auf Waldbesucher

„Wenn längere Stammteile stehenbleiben, sieht die Fläche nicht so kahl aus“, erklärt Keller. Es ist also gewissermaßen eine optische Schadensbegrenzung. Und damit es für den Betrachter noch weniger schlimm aussieht, wird auch das abgeschnittene Holz aus der Fläche geholt – anders als an anderen Stellen im Pfälzerwald, wo Holz einfach auf der Fläche liegen gelassen wird. So sinnvoll das ökologisch auch ist, viele Menschen empfänden das als chaotisch und deshalb unschön, sagt Keller. An derart prominenten, stark frequentierten Stellen wie an jener in Bad Bergzabern nehme der Forst darauf so weit wie möglich Rücksicht. „Es ist die deutlich teuerste Variante“, sagt Keller zum Vorgehen am Rande des Kurparks.

Für die Arbeiten musste ein Fällkran anrücken.
Für die Arbeiten musste ein Fällkran anrücken.

Doch nicht nur visuell, auch ökologisch ist die Variante sinnvoll. „Es hat schon auch einen Naturschutzaspekt“, erklärt Greiner. Vögel würden sich nur in etwas höhere Lagen setzen, um abzukoten. Weil dabei auch Samen mit ausgeschieden werden, trage das dazu bei, dass neue Pflanzen wachsen können.

Auch die B427 ist von Schnittarbeiten betroffen

Apropos neue Pflanzen: Bis die jetzt gerodeten Flächen wieder bewachsen sind, wird es nicht allzu lange dauern. Keller erklärt, dass schon bald alles wieder so aussehe wie vorher. Denn Kastanienbäume, die in diesem Bereich häufig zu finden sind, werden schnell größer. Laut dem Revierleiter erreichen sie innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Höhe von bis zu vier Metern.

Und zum Abschluss macht Keller noch eine eher unerfreuliche Ankündigung. Wie bereits erwähnt, sind die Arbeiten am Rande des Kurparks nur der Beginn der diesjährigen Fällungen. „Um den Jahreswechsel herum wird auch die B427 davon betroffen sein.“ Für einige Tage wird also auf der Kurtalstraße eine Ampel stehen, weil der Verkehr nur auf einer Fahrspur rollen kann.

6132637_1_org_Pfaelzerwald_Newsletter_-_Contentbox_16_x_9

Kennen Sie schon unseren Pfälzerwald-Newsletter?

Wo gibt es neue Wanderwege? Siedelt sich wirklich ein Wolfsrudel im Pfälzerwald an? Welche Hütten haben zur Zeit offen? Jeden Donnerstag schreiben RHEINPFALZ-Autorinnen und -Autoren aus der gesamten Pfalz über Themen rund um den Pfälzerwald. Jedes Mal mit Ausflugstipp!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x