Birkenhördt
Passionierte Hobbygärtner zeigen ihre grünen Paradiese
Es ist ein ungewöhnliches Hobby für einen jungen Mann. Wobei es weit mehr als das ist. Der 30-jährige Matteo Gawron verbringt seine gesamte Freizeit in seinem riesengroßen Garten. „Ich habe in das Nichts gestaltet“, erinnert er sich an die Zeit vor neun Jahren, als er zusammen mit seinen Eltern nach Birkenhördt gezogen ist. Und in dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen in der Schwarzerdstraße eine ungepflegte Wiese vorgefunden hat. „Ich habe zwei Vollzeitjobjobs“, sagt er heute. Und die könnten unterschiedlicher nicht sein. Er ist Lokführer im Schichtdienst in Karlsruhe und Gärtner. Eine Leidenschaft, die viel, sehr viel Zeit kostet.
Ein Pavillon lädt zunächst zum Sitzen ein, um die selbstgemachte Limonade mit Melisse und Pfefferminze sowie die süßen Erdbeeren zu genießen. Natürlich alles aus dem eigenen Garten. Neben der Sitzgruppe plätschert ein Springbrunnen, das Wasser mündet in einen kleinen Teich. Die Einfassung aus Granit hat Matteo Gawron selbst entworfen und gebaut. „Ich habe immer einen Stift und Papier dabei, damit ich aufzeichnen kann, wenn mir etwas einfällt“, sagt er.
80 verschiedene Rosensorten
Farblich fallen derzeit die Rosen besonders ins Auge, die alle in unterschiedlichsten Farben blühen. In diesem Jahr ganz besonders üppig, sagt der Experte. Allein 80 verschiedene Rosensorten hat er gepflanzt. Viele hat er im Rosendorf Deutschlands, in Steinfurt, gekauft. „Dort gibt es die besten.“ Aber auch die regionalen Gärtnereien besucht er gerne und lässt sich inspirieren. „Da kann es sein, dass ich mit dem Auto voll Pflanzen heimkomme“, sagt er schmunzelnd. Jede Rose hat einen Rosenstein, auf dem ihr Name steht – wie die Stammrose „Minerva“, das „Souvenir de Baden-Baden“ oder die „Bremer Stadtmusikanten“.
Im unteren parkähnlich gestalteten Teil des Gartens hat Matteo Gawron Wege angelegt. Mit Glasflaschen als Begrenzung. „Ein bisschen Provence muss sein“, findet er und zeigt sein Lavendelbeet. „Die sind lecker und vitaminreich“, erklärt er die japanischen Weinbeeren, die kaum jemand kenne. „Es ist einen Kreuzung aus Himbeeren und Heidelbeeren.“ Beerensträucher wachsen reichlich und gut platziert in seinem Garten, auch Sanddornbüsche. „Die sind hier nicht bekannt, aber sie wachsen“, erklärt der Gärtner, der den Sanddorn am Meer bei seinem Großonkel in Finnland kennengelernt hat. Nicht gewöhnlich sind auch der schwarze Säulenholunder und die Hibiskushecke.
Raffiniertes Naturhochbeet
Auf der großzügigen Rasenfläche, auf der unter anderem ein riesiger Kirsch-, ein Birnen- und ein Apfelbaum stehen, lässt er immer wieder Inseln stehen, auf denen das Gras so hoch wachsen darf, wie es will. „Nur“ mit Blumen, Kräutern und Beeren gibt sich der leidenschaftliche Gärtner aber nicht zufrieden. Er pflegt auch einen großen Gemüsegarten. In diesem Jahr sind allein fünf Gemüsebeete dazu gekommen. „Dieses Jahr baue ich an wie verrückt“, ist sein Resümee. Bohnen, Mais, Saubohnen, Artischocken, Salat, Gurken und 14 weitere Gemüsesorten wachsen in seinem Garten. Die Erbsen gedeihen auf einem Naturhochbeet. Eine raffinierte Idee von Matteo Gawron, denn für seine neuen Gemüsebeete musste er die Grasnarbe entfernen. Das hat er akribisch in gleich großen Quadraten getan. Und mit denen hat er die Einfassung für ein Hochbeet gebaut, das er dann mit den üblichen Materialien aufgefüllt hat. In zwei Gewächshäusern wächst allerlei, und sie sind Anzuchtstationen für Kräuter. Nicht wenig Zeit verbringt der passionierte Gärtner auch mit der Ernte der vielen Früchte. „Bei der Verarbeitung hilft mir mein Vater.“
Erdig riecht es in einem stillen Winkel des Gartens, dem Kompostplatz mit zwei großen Haufen in unterschiedlichen Verrottungsphasen und einer Trockenhecke aus Baumschnitt. Der Kompost wird für die Düngung benötigt, weitere Zutaten für die Bodenverbesserung sind Kaffeesatz, Rinderdung, Hornspäne und Steinmehl. Wobei der eigene Kaffeesatz natürlich nicht reicht, Matteo Gawron bekommt ihn im „Kaffeefleck“ in Bad Bergzabern. „Ich arbeite auch manchmal bis spät abends im Garten, mein Job ist stressig, das ist mein Ausgleich“, erklärt der junge Mann, der an diesem Tag, wie an vielen anderen auch, wegen der Schichtarbeit kurz vor 3 Uhr nachts aufgestanden ist. „Ich zeige gerne anderen Menschen mein Paradies, ich liebe den Austausch und freue mich auf Anregungen der Gäste“, sagt er zu seiner Motivation, am „Tag der offenen Gartentür“ teilzunehmen.