Edesheim
Parkwächter statt Blitzer? Ungewöhnlicher Plan gegen Raser
Zwei Ortsbürgermeister hatten Anwohner der Leonhard-Eckel-Siedlung bereits mit dem Problem konfrontiert, das sie bei sich in der Gegend haben. Wegen der Landesstraße 507, die von Edesheim an ihrer Wohnsiedlung vorbei nach Hainfeld führt. Da der Ärger der Betroffenen trotz mancher Denkanstöße immer noch besteht, sind auch der amtierende Edesheimer Ortschef Christian Kocher (CDU) und sein Gemeinderat damit befasst.
Der Streitpunkt ist schnell erklärt: Weil die Fahrbahn nahezu gradlinig verläuft und Verkehrsteilnehmer zudem freie Sicht haben, sind manche dazu geneigt, stärker aufs Gaspedal zu drücken. Das führt dazu, dass sich die Anwohner vom Verkehrslärm belästigt fühlen und schwere Unfälle zu befürchten sind. Gerade um die Kinder und Jugendlichen wird sich Sorgen gemacht, denn an der Bushaltestelle müssen diese die Fahrbahn überqueren.
Raser-Ampeln nur ein Wunschdenken
Wie so oft an solchen Raserstrecken wünschen sich Anwohner stationäre Blitzer, um endgültig Ruhe einkehren zu lassen. Doch diese sind in Rheinland-Pfalz unüblich, die Hürden dafür sind hoch. Ein Bürger hatte eine andere Idee: Er regte sogenannte Raser-Ampeln an. Anlagen, die Südpfälzer von ihren Ausflügen ins benachbarte Elsass kennen. Eine Ampel, die auf Rot springt, sobald der Verkehr schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs ist. Doch auch hierfür sind die Erfolgsaussichten gering.
Auch deshalb, weil der Landesbetrieb Mobilität (LBM) als zuständige Behörde die Entscheidung über mögliche Maßnahmen zu treffen hat. Und weil dieser andere Bedürfnisse und rechtliche Bedingungen im Blick haben muss als jene der Anwohner, bleibt es in diesen Fällen nicht selten nur bei Wünschen, die geäußert werden.
Immer wieder rote Smileys
Für die Leonhard-Eckel-Siedlung hatte man sich jedoch im Austausch mit anderen Behörden, also mit der Kreis- und der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Edenkoben, auf eine Bedarfsampel festgelegt. Die zeigt Rot, wenn der Taster tatsächlich genutzt wird. Kritiker versprechen sich wenig davon, weil sie Rasern nicht dauerhaft Einhalt gebieten dürfte. Zumal sie aufgrund der geringen Anzahl an Anwohnern wohl so selten benutzt würde, dass sie nach einer Testphase wieder verschwindet.
Zumal ein Blick auf das Tempomessgerät am Anfang der Wohnsiedlung zeigt, wie selten heranrauschende Autofahrer dazu sensibilisiert werden, stärker auf die Bremse zu treten. Es fahren immer wieder welche zu schnell. Mit der Folge, dass vielen der rote Smiley, also das traurige Gesicht, auf dem Bildschirm angezeigt wird.
Die Beschilderung könnte ausgetauscht werden
Nun hat sich bei dem Thema Verkehrsberuhigung eine neue Sachlage ergeben, was den Veränderungsprozess vereinfacht, besser gesagt beschleunigt. Wie Ortschef Kocher berichtet, habe er beim LBM mehrfach wegen des Sachstands zur Bedarfsampel nachgehakt – bis irgendwann die Idee aufkam, die Beschilderung zu ändern.
Aktuell steht dort eine grün-gelbe Ortshinweistafel. Diese dient nur der Identifikation oder Namensgebung eines Ortsteils, der keine geschlossene Bebauung im Sinne der Straßenverkehrsordnung darstellt. Warum diese damals so gewählt wurde, lässt sich nicht mehr eruieren. Derzeit wird laut Kreisverwaltung SÜW geprüft, ob diese Ortshinweistafel durch eine gelbe Ortstafel ausgetauscht werden kann. Denn ähnlich wie bei der L509 bei Ilbesheim münden die Erschließungsstraßen in eine Landesstraße.
Am Ende könnte ein Parkwächter kommen
Der Vorteil, der sich durch die neue Beschilderung ergeben würde: Das Halten und Parken, also Stellplätze, wären erlaubt. Die entsprechenden Markierungen müssten lediglich zwischen der Verbandsgemeinde und dem LBM abgestimmt werden. Nachteil für die VG: Der LBM könnte die Unterhaltungspflichten, etwa Reinigung und Streuen, auf die sie übertragen.
Wie Ortschef Kocher berichtet, würde der Landesbetrieb Messungen durchführen, sobald die Markierung aufgebracht sind. Dadurch würde geprüft, welchen Effekt diese Form der Fahrbahnverengung hat. Haben sie den erhofften Nutzen, könnte im nächsten Schritt der Parkwächter ins Spiel kommen. Der Begriff ist allerdings etwas irreführend. Gemeint ist nämlich nicht etwa eine Person, sondern eine Barriere, die sicherstellt, dass die Stellplätze auch ohne geparkte Fahrzeuge eingegrenzt sind und damit den Verkehr abbremsen.