Billigheim-Ingenheim
Park-Chaos: Mann zeichnet Gehweg selbst ein
Nicht nur in der Stadt Landau gibt es immer wieder Streit ums Parken. Ähnlich geht es auch im Umland zu. In Billigheim-Ingenheim herrscht beim Parken Wildwuchs. Das Problem ist der Ortsgemeinde schon länger bekannt. Es gibt vor allem in den Seitenstraßen zu wenig Parkplätze. Das reibt das ganze Dorf auf.
Der ehemalige Berufssoldat Vinzenz Lerch macht jetzt Druck. Er bemängelt, dass der Gehweg in der Pfützgasse in Billigheim vor den Anwesen der Hausnummern 4 bis 10 andauernd zugeparkt sei. Der Gehweg bis zum Haus Nummer 4 sei mit Verbundsteinen ausgelegt, ab dort beginnt eine asphaltierte Fläche. Das hat einen großen Nachteil: „Der Gehweg ist hier als solcher nicht mehr erkennbar. Deshalb wird alles zugeparkt“, sagt der 78-Jährige gegenüber der RHEINPFALZ. Auch in der Kurve stehen Autos und man könne als Fußgänger die Situation kaum mehr überblicken.
Eigenhändige Markierungen verboten
Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat Vinzenz Lerch den Gehwegbereich mit Kinderkreide aufgemalt. Zuvor hat er sich vom Katasteramt auf eigene Kosten einen Auszug zukommen lassen, aus dem die Aufteilung zwischen Straße und Gehweg hervorgeht. Solch eine Kreide-Aktion ist jedoch nicht erlaubt, wie die Verbandsgemeindeverwaltung Landau-Land erklärt. Die eigenhändigen Markierungen seien gemeldet worden und der unteren Straßenverkehrsbehörde bekannt. Der Verursacher sei mündlich verwarnt worden. Es mag gut gemeint gewesen sein, sei aber verboten. Sollte es zu einer wiederholten Einzeichnung von Verkehrszeichen kommen, muss Vinzenz Lerch mit einem Strafantrag nach Paragraph 132 des Strafgesetzbuches (Amtsanmaßung) rechnen.
Es komme leider immer wieder vor, so die Verwaltung, dass Anwohner amtliche oder nichtamtliche Verkehrszeichen im öffentlichen Verkehrsraum aufstellen oder vorübergehend aufgestellte Schilder eigenmächtig verändern und verrücken. Dies alles stelle einen unerlaubten Eingriff in die Straßenverkehrsordnung dar.
Parkregelung eigentlich klar geregelt
Ohnehin ist die Parkregelung in der Pfützgasse nach Angaben der Verbandsgemeindeverwaltung Landau-Land klar geregelt. Es sei unzulässig und verboten, im Bereich einer scharfen Kurve, fünf Meter vor und hinter einer Kreuzung, vor Grundstücksein- und -ausfahrten sowie auf Gehwegen zu parken. Die Behörde steht aktuell mit Ortsbürgermeister Dietmar Pfister im Austausch, wie eine Problemlösung aussehen könnte und wie das eigentlich schon bestehende Parkverbot durch entsprechende Beschilderung und Markierung deutlicher erkennbar gemacht werden könne.
„Wir müssen handeln und müssen uns der Sache annehmen“, sagt der Ortschef gegenüber der RHEINPFALZ. Man werde sich Gedanken machen. In der Sitzung am Montag, 7. Mai, werde dem Rat ein Vorschlag gemacht. Klar ist auch, wenn es Regeln gebe, müssten diese überwacht werden. „Es werden auch ein paar Parkplätze wegfallen.“
„Ist einfach sehr gefährlich“
Auf Besserung hofft Vinzenz Lerch, dessen Frau mit einem Rollator unterwegs ist. Sie habe schon öfter auf die Straße ausweichen müssen. Auch Familien mit Kinderwagen könnten wegen des unerlaubten Parkens oft nicht auf dem Fußgängerweg laufen. „Wenn da einer schnell um die Kurve kommt, das ist dann einfach sehr gefährlich“, betont Vinzenz Lerch, der selbst gar nicht in der Pfützgasse wohnt.
Er ist in der Bergstraße zu Hause, kümmert sich aber um eine Frau in der Pfützgasse, indem er ihr bei Alltagsarbeiten hilft und ihren Hund ausführt. Er habe den dortigen Nachbarn gesagt, dass Parken auf dem Gehweg 55 Euro kostet. „Seitdem ist es etwas besser geworden“, sagt er. Aber der Gehweg sei dennoch immer wieder zugeparkt – gerade an den Wochenenden sei es besonders schlimm. Er sei nun gespannt, wie die Gemeinde die Situation verbessern wolle.
Die Pfützgasse ist nicht die einzig Straße im Ort, die vom Park-Wirrwarr betroffen ist. Auch in der Kirchstraße/Leitweg in Ingenheim wurden testweise Parkverbotsschilder aufgestellt. „Wir wollen testen, ob es Besserung bringt“, sagt Ortsbürgermeister Dietmar Pfister. Durch das Verkehrs- und Parkraumkonzept, das im vergangenen Jahr auch der Öffentlichkeit vorgestellt worden war, habe man einen guten Überblick über die schwierigen Stellen im Ort. Danach gibt es rund 970 Parkmöglichkeiten in der rund 3800 Einwohner zählenden Gemeinde (Stand 2022). Aber alles auf einmal könne man nicht umsetzen, nur Schritt für Schritt, sagt Pfister.