Kreis Südliche Weinstraße Offen für neue Wege

Südwestpfalz. Die Politik war gar nicht ihr Ziel, sondern die Arbeit mit Menschen, als Pastoralreferentin. Doch Susanne Ganster hat sich getraut, bekannte Pfade zu verlassen. 2011, als sie mit kurzem Anlauf für den Landtag kandidierte und dort einzog. Jetzt steht die promovierte Theologin vor einer neuen Herausforderung: Für die CDU kandidiert die 40-Jährige am 7. Mai für das Landratsamt in der Südwestpfalz, gegen den ersten Kreisbeigeordneten Peter Spitzer (SPD).
Andere mühen sich über Jahre im parteipolitischen Kader ab, Susanne Ganster war offenbar zur rechten Zeit am rechten Ort – als passende Kandidatin. 2009 zieht die damalige Leiterin der Schönauer Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach, seit 2001 CDU-Mitglied, in den Kreistag ein, 2014 auch in den Verbandsgemeinderat Dahner Felsenland. Die Erfweilerin legt eine rasante Karriere hin, wird bereits 2010 CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, kandidiert 2011 für den Landtag, nachdem CDU-Hoffnungsträger Peter Dincher über eine Polizeidaten-Affäre stolpert. Die Theologin ist ein Neuanfang für die Partei: jung, nicht vorbelastet und bereit dazu, mit wenig Aussicht auf Erfolg zu kandidieren. Verbissen wirkt sie nicht. Vielmehr unaufgeregt, sachlich, geerdet. Was nicht heißt, dass sie nicht kämpfen könnte. Ihre Beharrlichkeit ist dokumentiert: in vielen Vorstößen für regionale Anliegen wie B 10 oder Schulerhalt. Auch gründlich sei sie, sagt die gebürtige Südpfälzerin. Dennoch lässt sich auch Susanne Ganster leiten – von einem Grundvertrauen darauf, dass sich immer wieder Wege ergeben. Also eine echte Optimistin? „Ja, ja“, sagt sie und lacht – „ich habe eine positive Grundeinstellung“. Die Offenheit Neuem und anderen Menschen gegenüber habe sie sich bewahrt, meint sie. Eine ihrer Stärken neben Verlässlichkeit – „ich verspreche nichts, was ich später nicht einhalten kann“. Und ihre größte Schwäche? Manchmal Ungeduld, räumt sie ein. Womit sie im teilweise zähen Politikbetrieb wohl des Öfteren zu kämpfen hatte. Jedenfalls: Mit dem Landtagsmandat 2011 klappte es, wenn auch ohne Glanz. Ganz anders bei der Kandidatur 2016: Da gewann Susanne Ganster im Wahlkreis 47 das Direktmandat gegen den bekannteren SPD-Kandidaten – und gegen den Trend. Warum sie sich nun so rasch wieder einem Wahlkampf aussetzt, muss sie öfter mal erklären. Sie habe sich das gut überlegt. Aber die Entscheidung sei klar gefallen – weil sie gestalten wolle, „gerne konkrete Projekte umsetzen möchte“. Würde es am 7. Mai klappen, wäre sie auch näher bei ihrem Mann, der zwölfjährigen Tochter und dem Hund. Die musste sie bisher öfter mal allein lassen, wenn in Mainz bis spät Sitzung war und früh morgens der nächste Termin folgte. Dann hieß es: nächtigen auf dem Klappbett im Büro. Dass sie als Landrätin Dauer-Dienst am Bürger hätte, schreckt sie nicht. Sie hätten ein sehr offenes Haus – alleine schon, weil ihr Mann als Diakon für das Dahner Felsenland auch seelsorgerisch ansprechbar sei. Ihre Tochter sei da hineingewachsen und erlebe, dass die Eltern ein erfülltes Leben führten. Würde es mit der – ersten – Südwestpfälzer Landrätin etwas werden, dann wäre Susanne Ganster einen völlig anderen Weg gegangen als am Anfang ihres Berufslebens gedacht. Geprägt von einem katholisch engagierten Elternhaus stand für sie früh fest: Sie wollte als Pastoralreferentin in einer Gemeinde arbeiten. Arbeiten mit Menschen. Das hat sie früh begeistert. Sich einzubringen, Interessen anderer zu vertreten – das liege ihr einfach, sagt sie. Egal, welcher Weg sich für sie ergibt.