Kreis Südliche Weinstraße Nur die Glasbausteine sollen weichen

Placeholder-Image

Derzeit laufen die Vertragsverhandlungen zwischen der Kreisverwaltung und der Ökumenischen Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern über den Kauf des ehemaligen Kreisaltenheims in Bad Bergzabern. Wie berichtet, hatte der Kreistag Anfang des Monats den Weg dafür frei gemacht. Der Stadtrat ist schon einen Schritt weiter. Am Donnerstagabend fasste er den Aufstellungsbeschluss für für den Bebauungsplan „Ehemaliges Kreisaltenpflegeheim“ im Sinne der Sozialstation.

Zuvor hatte Pfarrer Johannes Berthold (Vorderweidenthal), Vorstand der Ökumenischen Sozialstation, den Rat über seine Pläne mit der Immobilie unterrichtet. Es habe ihm einige schlaflose Nächte bereitet, so Berthold, dass sich die Sozialstation und die Stiftung Liebenau „ins Gehege gekommen“ seien. „Wir hatten nur gute Absichten, als wir begannen, uns für das Kreisaltenpflegeheim zu interessieren“, versicherte Berthold. Er hoffe, dass sich am Ende beide soziale Einrichtungen in der Kurstadt niederlassen würden. Wie mehrfach berichtet, will die Stiftung Liebenau ihr Konzept „Lebensräume für Jung und Alt“ im Bereich des Geländes Wilhelmy/Vogel verwirklichen. „Wir sind froh, dass die Ökumenische Sozialstation nach Bad Bergzabern kommt“, betonte Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig (CDU). Es sei immer sein Bestreben gewesen, die Sozialstation, die derzeit noch in Klingenmünster ihr Domizil hat, nach Bad Bergzabern zu holen. „Das ist wichtig für die soziale Infrastruktur der Stadt“, sagte Ludwig. Die Sozialstation feiert 2016 ihr 40-jähriges Bestehen. „Angefangen haben wir mit acht Personen, jetzt sind wir 109“, erzählte Berthold. In Klingenmünster sei man in einem Wohnhaus untergebracht, die Verhältnisse seien extrem beengt. Rund 400 Patienten werden täglich von den Mitarbeitern der Sozialstation betreut. 45 Fahrzeuge hat die Einrichtung. Berthold schilderte kurz die verschiedene „Interessensphasen“, von der ersten Besichtigung, als das Kreisaltenpflegeheim noch in Betrieb war, bis zur Kontaktaufnahme mit der Landrätin im Frühjahr, als der Kaufpreis von einst einer Million auf 600.000 Euro gesunken war. Weiter informierte er den Stadtrat über die Pläne der Sozialstation mit dem Kreisaltenheim, die in drei Phasen unterteilt sind und – je nach Bedarf – mehr als ein Jahrzehnt dauern werden (die RHEINPFALZ stellte die Pläne bereits vor). Berthold versprach, dass das äußere Erscheinungsbild des Hauses nahezu unverändert bleibe. Lediglich die Glasbausteine im Eingangsbereich des Neubaus würden entfernt. der Geistliche hält sie für eine Bausünde. Er wisse, dass sich viele Bürger Bad Bergzaberns Sorgen um den Park machen würden, so Berthold, aber: „Der Park wird nicht angetastet. Lediglich ein toter Baum muss entfernt werden“, versprach Berthold. Es würden zwar mit Grassteinen zusätzliche Parkplätze angelegt, aber das Gesicht des Parkes bleibe unverändert. „Uns ist ein harmonisches Miteinander wichtig“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Kirchner. Die CDU sei nie gegen die Sozialstation gewesen. „Aber es hätte besser laufen können“, sagte Kirchner. Der Stadtrat oder die Stadtspitze hätten frühzeitig einbezogen werden müssen, „dann hätten wir uns nicht so stark in Richtung Liebenau bewegt“. Das Liebenau-Konzept ist gut, so Kirchner. Er finde aber auch das Konzept der Sozialstation gut, „deshalb hätte wir gerne beide in der Stadt“. „Es hätte verhindert werden müssen, dass Liebenau und Sozialstation von anderer Seite gegeneinander ausgespielt werden“, übte Kirchner Kritik an der Kreisspitze. Eigentlich habe er sich zu diesem Thema nicht äußern wollen, sagte Rolf Enke (SPD), aber ganz so könne er das nicht stehen lassen. Auch wenn vielleicht von außen Einfluss genommen worden sei, seien viele Probleme hausgemacht. „Wenn nicht ein paar besonnene Leute hier im Rat aufgepasst hätten, hätten wir vor Wochen andere Fakten geschaffen“, erinnerte Enke an die Sitzung im Juni, als der Stadtrat schon einmal einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Kreisaltenpflegeheim“ verabschieden wollte. Damals sollte eine Veränderungssperre erlassen werden. Damit wäre auf dem Gelände nur der Betrieb eines Altenpflegeheims möglich gewesen. Auf Antrag der SPD war die Entscheidung vertagt worden. Nun gibt es andere Fakten. Und wie eingangs erwähnt, hat sich der Stadtrat nun im Sinne der Ökumenischen Sozialstation entschieden. (jpa)

x