Kreis Südliche Weinstraße Nichts ist gut in Afghanistan

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Afghanistan, Iran, Türkei, Balkan, Österreich, Offenbach. Offenbach? Ishaq Shinyari hat sein Heimatland verlassen, um in Sicherheit zu leben. „Dort hatte ich alles“, sagt der 27-Jährige, „niemand verlässt sein Land, wenn dort alles gut ist.“ Er flüchtete, wie so viele andere, weil in Afghanistan noch immer Krieg herrscht. Eine Ausstellung in Offenbach zeigt ab 2. März die Routen derjenigen Flüchtlinge, die in der Verbandsgemeinde angekommen sind.

Mit seiner Flucht und der von 79 weiteren Menschen befasst sich die Ausstellung „Spuren meiner Wurzeln“ im Mehrgenerationenhaus. Alle 120 Asylbewerber, die im März des vergangenen Jahres in der Verbandsgemeinde Offenbach gemeldet waren, seien befragt worden, sagt Hausleiterin Simone Trauth-Heddergott der RHEINPFALZ. Davon hätten 80 geantwortet. Im Erdgeschoss wird die Flucht nachempfunden – anhand von Bildern, Karten und Installationen, sagt Iris Klemm, die für die Ausstellung verantwortlich ist. Hier werden die wichtigsten Fluchtländer und Fluchtrouten vorgestellt – und um weitere Informationen angereichert. So war ein Eritreer beispielsweise 572 Tage unterwegs, bis er in Offenbach eintraf. „Er ist tatsächlich mit dem Schlauchboot gekommen“, sagt Klemm. Höhepunkt im Erdgeschoss ist ein Modell aus Pappmaschee von Europa, dem Mittleren Osten und dem nördlichen Teil Afrikas. „Jedes Land ist mit einer Fahne markiert“, sagt Klemm, die größeren Flaggen symbolisieren die Länder, aus denen die Menschen kommen. Irina, 34, aus dem Kaukasus, hat die Karte gebastelt. Weitere persönliche Informationen möchte sie nicht preisgeben. Sie sei von Offenbach begeistert. Es sei ein toller Ort, wenn man zwei kleine Kinder habe. Ungefähr 25 Flüchtlinge hätten die Ausstellung seit November immer samstags vorbereitet, erzählt Trauth-Heddergott. Das Mehrgenerationenhaus sei der zentrale Anlaufpunkt für die Menschen aus aller Welt. Hier gebe es Sprachkurse, eine Fahrradwerkstatt und weitere Integrationsangebote, erläutert sie. Im Obergeschoss dreht sich bei der Schau alles ums Leben der Menschen in der Südpfalz. „Ein großes Thema: Deutsch lernen“, sagt Klemm. Die Unterschiede der verschiedenen Sprachen und Schriften werden in der Ausstellung dargestellt. Um zu zeigen: So einfach ist es nicht, unsere Sprache zu lernen. Zu sehen sind auch die Willkommenspakete, die die Flüchtlinge erhalten haben. In einer Ecke steht ein Fahrrad. Es sei das wichtigste Fortbewegungsmittel für Flüchtlinge, sagt Trauth-Heddergott. Bilal Ahmadyar benutzt jeden Tag sein Rad, um aus Hochstadt nach Landau zur Arbeit oder nach Offenbach zu fahren. Der Afghane ist in Kabul geboren und auch über den Iran und die Türkei nach Deutschland gekommen. Seit einem Jahr ist er hier. Zu Hause hat er studiert. „Das Leben in Deutschland ist fast wie in Afghanistan: lernen und arbeiten. Hier ist es aber sicher.“ Er würde gerne in Hochstadt bleiben, die Leute dort seien sehr freundlich und hilfsbereit. Dennoch hat er Sehnsucht nach seiner Heimat. Auch Shinyari möchte nach Afghanistan zurück. „Sobald es dort sicher ist“, betont er. Aber bis es so weit ist, will er im Dorf bleiben. „Wenn ich mal eine Woche weg bin, vermisse ich Offenbach.“ Info Die Ausstellung „Spuren meiner Wurzeln“ ist im Offenbacher Mehrgenerationenhaus von Donnerstag, 2. März, bis Montag, 3. April, zu sehen. Wochentags ist die Schau von 10 bis 12.30 Uhr, montags zusätzlich von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet. Dienstag bis Donnerstag ist sie von 13.30 bis 17 Uhr zu sehen, sonntags von 15 bis 18 Uhr. Besucher werden gebeten, sich wochentags kurz vorher im Mehrgenerationenhaus anzumelden. Der Eintritt ist frei.

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