Kreis Südliche Weinstraße Nicht mal einen Euro fürs Einkaufen übrig

Donnerstag, 14 Uhr, in der Kettengasse in Bad Bergzabern: Bei der Tafel wird die Tür geöffnet, wie jeden Donnerstag, um Menschen in Not die Einkaufstaschen zu füllen – seit mittlerweile zehn Jahren.
Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter reichen mehr als zwei Stunden unermüdlich Gemüse, Backwaren, Milch- und Fleischprodukte oder Nudeln und Hygieneartikel über die Ladentische. Trotz erfolgreicher Arbeit der Tafel in den vergangenen zehn Jahren gebe es keinen Grund ihre leider notwendige Existenz zu feiern, sagt Mathilde David, erste Vorsitzende und Mitgründerin des Vereins. Auf dem Rollator der 72-jährigen Inge Buchlaub stehen ihre gefüllten Einkaufstaschen. Sie hat zurzeit Knieprobleme und kann daher, wie bisher, bei der Lebensmittelausgabe nicht helfen. „Ich habe nicht so viel Rente“, sagt sie zu ihrem Einkauf in der Tafel. Zwei Kilometer ist sie zur Tafel gelaufen. Mit den vollen Einkaufstaschen will sie wieder zu Fuß zurück in ihre Wohnung. Aber heute hat sie Glück, sie wird gefahren. Fest steht für sie, wenn ihr Knie in Ordnung ist, wird sie wieder bei der Tafel helfen. Bernd Fremgen „administriert“ den Ablauf bei der Ausgabe, damit kein Chaos ausbricht. Es gibt einen Zeitplan, der den Kunden sagt, zu welcher Uhrzeit sie einkaufen dürfen, immer vier werden gleichzeitig von der Schlange, die vor der Tür steht, eingelassen. „Sonst gibt es Gedrängel“, sagt Fremgen. Er überprüft die Nummern und kassiert. Einen Euro pro Person. 220 Familien sind bei der Tafel registriert, das sind mehrere hundert Menschen. Jede Woche mit dem Einsatz von rund 45 Ehrenamtlichen, die die Lebensmittel abholen, einsortieren und bei der Ausgabe helfen. „Vor zehn Jahren hieß es, warum braucht Bad Bergzabern eine Tafel und heute ist der Bedarf immer noch steigend“, sagt Romie Jünemann, die von Anfang an dabei ist. Menschen aus ungefähr 20 Nationen holen Lebensmittel in der Tafel, rund 50 Prozent sind deutsche Staatsbürger, schätzt Bernd Fremgen. „Zusätzlich müssen wir im Moment noch die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak auffangen“, sagt Mathilde David. Oft auch ein sprachliches Problem, aber meist geht es mit englisch oder mit Händen und Füßen. „Kann ich das nächste Mal zahlen, ich habe noch kein Geld bekommen“, wird Bernd Fremgen von einem Kunden gefragt, der 1,50 Euro bezahlen soll. Er kann einkaufen, muss dann aber das nächste Mal bezahlen. „Das kommt öfter vor, dass die Menschen den einen Euro nicht zahlen können“, ist die Erfahrung von Fremgen. Inzwischen hat der 51-jährige Klaus seinen Einkauf erledigt. „Scheidung, Familie, Haus und Arbeit verloren, Bargeld habe ich im Moment nicht, das Arbeitslosengeld lässt auf sich warten“, fasst er seine Situation zusammen. Und ist trotzdem zuversichtlich: „Es wird wieder aufwärts gehen“, sagt er. Auch die Vorsitzende packt mit an. „Man muss sich vorstellen, dass das alles im Müll landen würde“, sagt sie mit einem Blick über knackige Salate, frisches Brot und Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum mitnichten abgelaufen ist. Nicht in Ordnung findet sie, dass es in einem reichen Land wie Deutschland Tafeln und Suppenküchen geben muss. Denn es sind die Kosten, die dem Vorstand jedes Jahr Kopfzerbrechen machen. „Wir hatten 2012 rund 33.000 Euro Einnahmen und ebenso viele Ausgaben“, informiert der zweite Vorsitzende der Tafel, Dieter Forsch. Die Einnahmen setzen sich aus den Euros zusammen, die die Kunden bezahlen, aus den Beiträgen der nur 35 Fördermitglieder und Spenden. „Ohne Spenden könnten wir den Laden dicht machen“, sagt Forsch, der sich viel mehr Fördermitglieder wünscht, die bereit sind, 15 Euro pro Jahr für die Arbeit der Tafel zu bezahlen, zu deren Kunden auch 150 Kinder gehören. „Wir haben große Gönner, zum Beispiel die Serviceclubs der Stadt, die Banken und einige andere“, so Mathilde David. Gleichwohl braucht die Tafel zurzeit noch rund 20.000 Euro, um ein neues Kühlfahrzeug für rund 50.000 Euro anschaffen zu können.