Roschbach RHEINPFALZ Plus Artikel Neustart an der Theke: Neue Bäckerei belebt Dorfmittelpunkt

Am Tag der Neueröffnung sind auch Bäckermeister Volker Stephan und seine Frau Maria (rechts im Bild) vor Ort.
Am Tag der Neueröffnung sind auch Bäckermeister Volker Stephan und seine Frau Maria (rechts im Bild) vor Ort.

Frischer Wind im Roschbacher Dorfladen: Ein neuer Bäcker hat sich in dem Pfälzer Dorf niedergelassen. Der Neustart ist vielversprechend. Doch der Chef hebt jetzt nicht ab.

Der Kühlschrank für die Getränke fehlt noch. Auch die neue Kaffeemaschine muss am Morgen der Eröffnung noch richtig eingestellt werden, damit die ausgegebene Menge zu den Größen der Tassen passt. Zeit zum Einspielen braucht das Bäckerei-Team aber nicht. Auch deshalb nicht, weil die Chefs vor Ort sind. Sie sind nicht nur zur Unterstützung da, sie möchten an diesem Morgen auch die Chance nutzen, sich dem neuen Kundenstamm vorzustellen. Wobei Volker und Maria Stephan aufgrund ihrer Bäckerei-Filialen, die sie unter anderem in Offenbach, Kirrweiler und in Neustadt haben, in der Region bekannt sind.

Die Stephans haben die vergangenen Tage genutzt, um sich in ihrer neuen Filiale einzurichten. Dadurch sind sie vorbereitet auf den Ansturm. Und in der Tat: Es ist zwischenzeitlich so viel los, dass sich an der Verkaufstheke schnell eine längere Schlange bildet. Der Andrang wundert Volker Stephan nicht. Die Neugierde der Kunden sei schließlich bei jeder Neueröffnung groß. „Das wird aber nicht immer so sein“, betont der Südpfälzer Bäckermeister.

Bäckermeister sieht eine große Herausforderung

Er spricht aus Erfahrung. Seit rund 30 Jahren ist der Familienvater im Geschäft. Der Hauptsitz seines Betriebs ist in Maikammer. Roschbach ist inzwischen der siebte Standort, den er mit seinem Team betreibt. Ortsbürgermeister Marco Brutscher hatte ihm den rund 40 Quadratmeter großen Laden schmackhaft gemacht. Auch wenn Volker Stephan vor Tatendrang sprüht, weiß er, dass das eine neue Herausforderung für ihn wird. Nicht etwa wegen des logistischen Mehraufwands, sondern hauptsächlich wegen der personellen Kapazitäten, die es brauche, um so ein Geschäft erfolgreich führen zu können.

Die Bäckerei ist in dem Multifunktionsgebäude im Roschbacher Dorfmittelpunkt, das muthilfe von Landesmitteln gebaut wurde.
Die Bäckerei ist in dem Multifunktionsgebäude im Roschbacher Dorfmittelpunkt, das muthilfe von Landesmitteln gebaut wurde.

Er habe zwar das Glück, auch langjährige Mitarbeiter im Team zu haben, die teils noch in der Rentenzeit ein paar Stunden arbeiten und dadurch das Bäckerei-Geschäft an den diversen Standorten in der Südpfalz mit am Laufen halten. Natürlich hoffe er aber auf weitere Verstärkung.

Stephan: „Standort hat Potenzial“

Der Grund, wieso er sich zu diesem neuen Abenteuer in Roschbach hinreißen ließ, liegt darin, dass er dort ein großes Potenzial sehe. Das fange schon damit an, dass sich der Laden im Dorfmittelpunkt befinde, der auch wegen der benachbarten Grundschule und des angrenzenden Spielplatzes oft belebt sei. Hinzu komme, dass zahlreiche Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit an dieser Stelle vorbeikommen. Und seit der Umgestaltung des als Raiffeisenplatz bekannten Dorfmittelpunktes stehen ihnen genügend Stellplätze bereit. Zumal sie rund um Roschbach keine vergleichbare Nahversorgung haben, so Stephan.

Ob und wie die Bäckerei nach der Anfangseuphorie angenommen wird, werde sich erst im Laufe der nächsten Monate zeigen. Vor allem in der dunklen Jahreszeit, wenn es ohnehin weniger Menschen nach draußen zieht, dadurch bekanntlich weniger Betrieb in der Bäckerei sei. Hinzu kommt, dass es in diesen Monaten an Touristen fehlen wird, die in Orten wie in Roschbach ein Teil des Umsatzes ausmachen werden. Gibt es doch in der rund 900 Einwohner zählenden Gemeinde genug Winzer, die Wohnmobilisten bei sich empfangen, und Bürger mit Ferienwohnungen, die durch die Bäckerei stärker für sich werben beziehungsweise den Brötchen-Service in ihr Angebot integrieren.

Vorgänger hatte Umsatzprobleme

Dass es mehr für einen erfolgreichen Bäckerei-Betrieb braucht als einen vielversprechenden Start, haben die Roschbacher bereits bei Stephans Vorgänger erlebt. Weil die Umsätze nach einer gewissen Zeit immer weiter zurückgingen und personelle Ausfälle beziehungsweise Lücken nicht äquivalent ersetzt werden konnten, litt das Geschäft immer mehr. Das ging am Ende so weit, dass die Öffnungszeiten zurückgefahren wurden, was laut Brutscher wiederum Kunden aus dem Ort verprellte. So kam es, dass beide Seiten, sowohl der Bäckermeister aus Duttweiler als auch die Gemeinde, zu dem Entschluss kamen, getrennte Wege zu gehen.

Nach dem Neustart unter Volker Stephan können die Bürger nun an sechs Tagen die Woche die Bäckerei aufsuchen, einziger Ruhetag ist der Sonntag. Den Schwerpunkt bilden die Backwaren, im Sortiment werden die Stephans aber noch ein paar Waren haben, die insbesondere für das Frühstück benötigt werden, etwa Honig, Butter oder Nutella. Auch Dosenwurst der Metzgerei Stefan Flick, die ihren Laden in Offenbach dichtgemacht hat, aber noch in geringem Umfang produziert, soll in Roschbach vertrieben werden.

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