Der Weintipp
Neuseeland im Glas
Die Rebsorte Sauvignon Blanc wächst seit fast 500 Jahren an der Loire und seit 300 Jahren im Bordelais. Aber gesprochen hat man über Entre deux Mers, Pouilly-Fumé und Sancerre, nicht über die Rebsorte, aus der diese Weine entstehen. Erst als Mitte der 90er-Jahre die Region Marlborough in Neuseeland mit einer ganz eigenen Interpretation des Sauvignon Blanc aufwarten konnte und aus dem französischen Streichquartett eine Art knallbunten Calypso machte, kam Bewegung in die Sache. Sauvignon Blanc aus Neuseeland wurde zum Erfolgskonzept für Nachahmer in der ganzen Welt. Bis heute ist Neuseeland für viele Weintrinker ein Synonym für Sauvignon Blanc (obwohl dort auch andere Sorten wie Pinot Noir und Chardonnay hervorragend gedeihen). Das hat auch damit zu tun, dass die Duftigkeit dieser Weine ziemlich unverwechselbar ist. „Das streben wir doch alle ein bisschen an,“ sagt der junge Michael Damm und hat damit nicht ganz unrecht.
Frische Grünfrucht
Genau so riecht und schmeckt der Sauvignon Blanc von Damm dann auch: lebendige, frische Grünfrucht, Zitrus und Stachelbeere im Aroma, viel Fruchtfrische im Mund und eine schöne Säurelänge. Er hat von allem gerade so viel, dass der Wein nicht aufdringlich und nicht unreif wirkt. Das Schöne daran: der Sauvignon muss nicht um die Welt reisen, der Weinfreund auch nicht – und der Spaß kostet weniger als die Hälfte der hierzulande erhältlichen guten Neuseeländer.
Wer also in Pandemiezeiten nicht verreisen kann, erlebt Neuseeland im Glas, wenn er sich nach Edenkoben begibt. Am Weg nach Sankt Martin kann man hoffentlich im Sommer wieder draußen sitzen, Sauvignon oder den außergewöhnlichen, maischevergorenen Chardonnay probieren und bei einem Snack den Blick über die Weinberge genießen.
Damm hat ein Gefühl für klare Aromen. 2016 übernahm er mit seiner Frau Bettina das elterliche Weingut, stellte auf Bioweinbau um und richtete eine moderne Weinstube ein. Sauvignon Blanc ist sein Steckenpferd.
Der Wein
2019 Sauvignon Blanc, Weingut Damm, Edenkoben, 06323/4129, 6,70 Euro ab Weingut.