Bornheim
Neuer Pächter des Freizeitcenters macht Zukunftspläne
Ein Nicht-Pfälzer, der keinen Alkohol mag. Na, da hat sich das Freizeitcenter in Bornheim ja einen neuen Wirt angelacht. Nein, Spaß beiseite. Er sei super von den Stammgästen angenommen worden, freut sich Dirk Fibitz, und das mit der Schorle-Abstinenz habe ihm auch keiner krumm genommen. Wenn der Mannheimer über die Menschen spricht, die das Freizeitcenter ausmachen, dann leuchten seine Augen. Auch wenn er nicht von hier kommt, ist ihm schnell bewusst geworden, dass die Anlage neben dem Hornbach-Baumarkt mehr ist als nur eine Gaststube und ein paar Trainingsanlagen.
„Das Freizeitcenter gibt es seit über 40 Jahren, es ist eine Institution. Manche nennen es ihr Wohnzimmer.“ Da erzählten Gäste, die mit ihren Enkeln vorbeischauten, dass sie schon als Kinder hier Minigolf gespielt hätten. Mancher Stammkunde komme seit 30 Jahren dreimal pro Woche zum Mittagessen vorbei. Er habe auch Bedienungen, die schon so lange dabei seien, ist Fibitz froh, dass er etwa 80 Prozent des Personals von seinem Vorgänger halten konnte. Sieben Festangestellte und 20 Aushilfen beschäftigt er aktuell, ist aber weiter auf Mitarbeitersuche. Die Arbeitsatmosphäre sei familiär. Überhaupt, menschele es in diesen Hallen sehr. Das schätze er und wolle er beibehalten, macht der 48-Jährige deutlich.
Ein Pächter für die Übergangszeit
Aber der Sand rieselt durchs Stundenglas. In zwei bis zweieinhalb Jahren ist die Zeit für das Freizeitcenter abgelaufen. Die DB Wohnbau des Landauer Bauunternehmers Denis Baumann hat das Areal von den langjährigen Betreibern Monika und Christoph Müller gekauft, nachdem diese aus Altersgründen davon Abschied nahmen. Er will 25 Millionen Euro investieren, um auf dem Gelände Wohn- und Geschäftshäuser zu errichten. Mit seinen Plänen habe Baumann die Zeichen der Zeit erkannt, findet Fibitz, der sich mit seinem Verpächter bestens versteht und günstige Konditionen vereinbaren konnte, um das Freizeitcenter gut durch die Übergangszeit zu führen.
Denn eines ist klar: Ein Neustart in der schwierigen Corona-Zeit und dann auch nur mit befristeter Laufzeit, das „ist ja eigentlich völliger Wahnsinn“, gibt Fibitz zu. Der Mannheimer ist seit rund 20 Jahren im Gokart-Geschäft. Er betrieb eine Bahn in Mannheim, die er im Zuge von Corona dicht machen musste. Eine Bahn in Walldorf läuft weiterhin. Zudem ist er noch an einer Bahn in Limburg beteiligt, wie er berichtet. In allen Gokart-Anlagen gebe es auch Gastronomie, und er veranstalte Events. Der gemischte Gastro-, Sport-, Erlebnisbetrieb wie in Bornheim sei ihm also vertraut. Deswegen und wegen der fairen Übereinkunft mit Baumann habe er den Schritt gewagt, nachdem ihn eine Bedienung, die er privat kenne, auf die Pächtersuche aufmerksam gemacht habe.
Viele Stammgäste und legendäre Kegelgruppen
Seit 1. Juli sind die Türen wieder geöffnet. Im Restaurant gibt’s Gutbürgerliches mit frischen Zutaten zu günstigen Preisen. Das schätzten besonders die vielen älteren Stammgäste, weiß Fibitz. Um die 120 Gäste kämen pro Tag. Mit diesem Umsatz lasse sich die Einrichtung gut betreiben. Die Freizeitanlagen seien der Spaß dazu, bei denen die Auslastung gerne noch mehr werden dürfe. Aber wegen des Pächterwechsels und der Corona-Regeln herrsche da wohl noch Zurückhaltung, schätzt er. Alle Sportanlagen – also Squash, Badminton, Tennis, Minigolf, Kegeln, Bowling, Billard, Tischfußball, Darts und Tischtennis – haben wieder geöffnet. Lediglich die Sauna mit Pool bleibe noch geschlossen, weil die Hygieneauflagen zu kompliziert wären.
Für die Zukunft kann sich Fibitz vorstellen, dass auch wieder Turniere oder Feste veranstaltet werden. Wenn es Corona erlaubt. Aktuell sucht er den Kontakt zu Schulen und zu Nachbar Hornbach für Kooperationen. Aber Gruppen oder Einzelpersonen jeder Art seien willkommen, um die Anlagen wieder mit Leben zu füllen. In der vergangenen Woche seien beispielsweise die „Flotten Cats“ vorbeigekommen, eine private Gruppe, die ihren Namen einem Besuch des Musicals „Cats“ vor 30 Jahren verdankt und sich seitdem einmal im Monat zum Kegeln trifft. „Jetzt haben sie hier den 80. Geburtstag eines Mitglieds gefeiert. Legendär!“, findet Fibitz.
Gekommen, um zu bleiben
Ein paar neue Anschaffungen, etwa Minigolfschläger in einer weiteren Größe, hat der neue Pächter gemacht. Große Umbauten lohnten sich für die zwei Jahre natürlich nicht, macht er deutlich. Aber er richtet den Blick schon in die Zukunft. Investor Baumann wolle nämlich nicht nur Wohn- und Geschäftshäuser auf dem Gelände errichten, sondern auch eine Multifunktionshalle für Sportbetrieb und eine Gaststätte, wie Fibitz berichtet. Und für beides würde er als Pächter bereit stehen. Das sei aktuell die Planung mit Baumann. „Ich sehe hier ganz viel Potenzial“, sagt der Übergangspächter, der gekommen ist, um zu bleiben.
Im Netz
www.freizeit-center-bornheim.de