Hainfeld / Rhodt RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Krimi: Werner Carls Kommissar ermittelt in der Südpfalz

Auf der Rietburg gibt es im Krimi ein Todesopfer.
Auf der Rietburg gibt es im Krimi ein Todesopfer.

Werner Carl hat wieder gemordet. Zum Glück nur auf dem Papier. Der Hainfelder hat seinen dritten Krimi vorgelegt, der in der Südpfalz spielt und in dem Kriminalhauptkommissar Karl Kerner – die Namensähnlichkeit ist kein Zufall – als Leiter einer Landauer Mordkommission seine Fälle löst. „Ich finde das Team sympathisch“, sagt Carl. Der Kommissar und seine Kolleginnen und Kollegen haben also ein Eigenleben entwickelt.

Seine ersten Leichen hatte Autor Werner Carl am Geierfelsen abgelegt und im Silzer See treiben lassen. Jetzt gibt es einen Toten auf der Rietburg. Der stammt aus Maikammer, trägt Seidenschal und Rolex und ist Chirurg am fiktiven Gäu-Klinikum. Später kommt auch noch das Vinzentiusstift vor, zumindest namentlich eine Kreuzung der beiden real existierenden Landauer Kliniken. Besagter Chirurg hatte bisweilen zwei linke Hände, weshalb es unter seinen Patienten etliche gibt, die Gründe gehabt haben könnten, ihn ins Jenseits zu befördern.

Außerdem gilt noch immer der Grundsatz „cherchez la femme“, dahinter steckt bestimmt eine Frau, so dass Kommissar Kerner auch noch Einblick in Beziehungskisten erhält. Doch das sind alles falsche Fährten: Autor Carl legt gleich zu Beginn eine Spur, die in eine gänzlich andere Richtung führt. Er schildert darin den Überfall auf eine Bundeswehr-Patrouille in Afghanistan, bei dem Soldaten getötet und schwer verletzt werden. Der überstürzte Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch war ein großes Thema in den Medien, als Carl den Stoff für seinen dritten Krimi sammelte. Auch die Todesursache des Mannes auf der Burg deutet in die militärische Richtung, denn der wird mit einem Fernschuss aus drei- bis vierhundert Metern Entfernung hingerichtet. So etwas könne man nicht auf der Kirmes gelernt haben, sagt der Autor.

Der schreckt in seinen Dialogen und Personenbeschreibungen vor bisweilen derbem Humor nicht zurück, beispielsweise wenn er Kommissar und Gerichtsmediziner aufeinandertreffen lässt, die, wie in manch anderem Krimi auch, ein schwieriges Verhältnis miteinander pflegen. Da lässt der Mediziner die Leiche in seine „Gruft“ bringen und will sich bei der Obduktion „mordsmäßig beeilen“. Eine Bedienung in einem Lokal in Bad Bergzabern hat einen „opulenten Trinkgeldausschnitt“ und ein Kollege des Ermittlerteams wird als gefräßiger Bayer geschildert. Carl ist es wichtig, dass man als Krimileser „auch was zu lachen hat“. Einen Thriller zu schreiben, kann er sich nicht vorstellen.

Viel Lokalkolorit gibt es auch, beispielsweise durch Pfälzisch babbelnde Verdächtige (mitsamt Glossar zur Bedeutung für Nicht-Pfälzer Leser), durch Ermittlungen in weiten Teilen der Vorder- und Südpfalz sowie durch die Erwähnung von Pfälzer Spezialitäten wie Kesselfleisch und Schweinepfeffer, die im Text vorkommen und in einem eigenen Anhang erläutert werden. In einem weiteren Anhang gibt der Autor, ein leidenschaftlicher Mountainbiker, wie gehabt Tipps für schöne Touren durch die Region.

Ideen für seinen vierten Krimi hat Werner Carl auch bereits. Er wird am Teufelsberg beginnen, bei der Annakapelle oberhalb von Burrweiler. Da Carl seine Taktzahl erhöht hat, dürfte es vermutlich nicht allzu lange dauern, bis der nächste Mordfall für Kommissar Kerner ansteht.

Lesezeichen

Werner Carl, Rietburg-Mord, 238 Seiten, Taschenbuch. Jochen-Werz-Verlag, Gommersheim, 11.90 Euro. ISBN 978-3-939434-37-5

Werner Carl ermittelt.
Werner Carl ermittelt.
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