Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Hauensteiner Pfarrer zur Situation der Kirche: Diskussion über Zölibat unvermeidlich

Ulrich Nothhof sagt, die Frauen sind es, die in der Kirche unsagbar viele Dienste übernehmen. Sie dürfen wir nicht verlieren.“
Ulrich Nothhof sagt, die Frauen sind es, die in der Kirche unsagbar viele Dienste übernehmen. Sie dürfen wir nicht verlieren." Foto: Ran

Am 6. Oktober vergangenen Jahres wurde Ulrich Nothhof als Pfarrer der Hauensteiner Pfarrei St. Katharina von Alexandrien eingeführt. Der aus Rodalben stammende Geistliche, der einst auch in St. Martin wirkte, ist in seiner neuen Wirkungsstätte Region angekommen. Und er bezieht klar Position zur Zukunft der Kirche – auch zum Zölibat.

Wer Nothhof nach seinen Eindrücken von der Pfarrei fragt, bekommt diese Antwort: „Ich bin angenehm überrascht. Das beginnt bei den Begegnungen mit den Menschen in den Kirchengemeinden Hauenstein und Schwanheim/Lug.“ Er habe viele freundliche und aufgeschlossene Leute getroffen. „Positiv überrascht“ sei er auch vom gemeindlichen Leben, von den vielfältigen Gottesdienstformen und davon, dass das Pfarrheim „gut genutzt“ werde und „vergleichsweise viele junge Leute ins Gemeindeleben“ eingebunden seien. Auch von Gottesdienstbesuchen in den Kirchen der Gemeinden sei er angetan, habe er doch nicht nur bei den Weihnachtsgottesdiensten überaus gut besetzte Kirchenbänke erleben dürfen. „Davon habe ich in meiner früheren Pfarrei nur träumen können“, sagt Nothhof, dem klar ist, dass „sich die Welt verändert und immer säkularer wird“. Da spiele der Gottesdienstbesuch nicht mehr wie früher eine große Rolle bei der Gestaltung des Sonntags.

Für Jugendliche und junge Erwachsene, die mit der „Hochform der Eucharistie“ recht wenig verbinden könnten, schweben ihm besondere Gottesdienstformen vor, die „mehr Gemeinschaft erleben lassen“. Früh- und Spätschichten, die die Katholische Junge Gemeinde regelmäßig anbietet, seien ein guter Ansatz. Sehr viel Wert lege er auch auf das „ökumenische Miteinander“, wie er es auch in seiner bisherigen Pfarrei mit gemeinsamen Familiengottesdiensten, mit gemeinsamen Wallfahrten oder einem ökumenischen Erntedankfest pflegen konnte. „Wir werden auf dem Gebiet der Ökumene sicher ein breites Feld beackern können.“

Große Sorge um Seelsorge wegen Priestermangels

Aus vielen Aussagen Nothhofs wird deutlich, dass er „eine lebendige Gemeinde, in der christliche Gemeinschaft erlebbar ist“, anstrebt. Und daran wolle er mitwirken. „Ich möchte mehr in der Mitte der Gemeinde stehen, will da sein, um mitzumachen“, sagt er und verweist darauf, dass im „Pastoralen Konzept“ der Pfarrei der Begriff „Pfarrer“ nur am Rande auftauche. „Das Konzept muss fortgeschrieben werden, und da muss auch meine Rolle als Pfarrer intensiver verankert sein.“

Die gesamtkirchliche Situation sieht der Priester mit großer Sorge: Die Diözese habe eine Strukturreform durchgeführt und große Pfarreien geschaffen, um dem Priestermangel zu begegnen. „Ich befürchte aber, dass in zehn Jahren die Zahl der Seelsorger nicht ausreichen wird, um diese Pfarreien zu besetzen. Es wird wohl noch größere Pfarreien geben müssen – und dann kommt die Seelsorge erst recht zu kurz.“ Dass vor diesem Hintergrund über den Zölibat diskutiert werde, sei unvermeidlich. Und auch über die Rolle der Frauen müsse debattiert werden. „Ich halte nichts von Maria 2.0“, sagt Nothhof und schiebt direkt nach: „Maria 2.0 geht nicht weit genug. Es müsste eigentlich Maria 4.0 heißen. Denn die Frauen sind es, die in der Kirche unsagbar viele Dienste übernehmen. Sie dürfen wir nicht verlieren.“

Erfahrungen als Pfarrer in Schweden gesammelt

Nothhof hat Erfahrungen in der seelsorglichen Arbeit in der Diaspora Schwedens sammeln dürfen. Er hat während des Studiums ein halbjähriges Praktikum in Malmö abgeleistet, hat in mehreren Pfarreien – zuletzt im Rahmen eines Sabbaticals in Göteborg oder Eskilstuna etwa – als Seelsorger gearbeitet: „Dort konnte ich nur Pfarrer sein, ausschließlich in der Seelsorge arbeiten und hatte nicht mit der Fülle an Verwaltungsarbeit zu tun, die uns hier bremst.“ Angenehm in Schweden findet er auch die gemächlichere und besonnene Atmosphäre, die dort den Alltag bestimmt. Schwedisch spricht der Seelsorger ebenso wie Englisch und Französisch. Fremdsprachen nennt er denn auch neben der vertieften Beschäftigung mit der IT als Hobby. Gerne würde er noch Spanisch lernen, sucht gerade nach einem passenden Kurs.

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