Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Ampel auf B38: Mehr Sicherheit oder mehr Stau?

In der Ingenheimer Hauptstraße wurde eine Bedarfsampel aufgestellt.
In der Ingenheimer Hauptstraße wurde eine Bedarfsampel aufgestellt.

Nahezu die ganze Südpfalz quält sich durch diesen Ort. Die Hauptstraße ist Teil der stark befahrenen B38. Jetzt gibt es eine neue Ampel. Liegt der Verkehr nun lahm?

Eine provisorische Ampel, die seit Juni in der Hauptstraße von Ingenheim in Höhe der Sparkasse in Betrieb ist, bringt neue Bewegung in eine altbekannte Diskussion. Die Ampel soll Fußgängern die Querung der Straße, die Teil der Bundesstraße 38 ist, erleichtern. Sie kann per Knopfdruck aktiviert werden.

Bereits seit Jahrzehnten wird über die stark frequentierte Hauptstraße debattiert – ein Thema, das bisher keine Lösung gefunden hat. Im Mittelpunkt steht die entscheidende Frage, wie der Durchgangsverkehr – insbesondere der Schwerlastverkehr – besser geregelt werden kann, um Sicherheit, Verkehrsfluss und Lebensqualität im Ort in Einklang zu bringen.

Ampel auf B38 zunächst zeitlich begrenzt

Der „Verkehrsversuch“ mit der Ampel ist zunächst auf sechs Monate begrenzt. Während dieser Zeit soll ermittelt werden, wie oft die neue Querung von Fußgängern genutzt wird und ob daraus ein dauerhafter Bedarf entsteht. Die Lage der Ampel zwischen zwei Bushaltestellen hatte für ihre Platzierung gesprochen. Eine aussagekräftige Bewertung wird den Angaben zufolge jedoch erst am Ende der Testphase möglich sein. Gerade wenn der Schulverkehr wieder Fahrt aufnimmt, wirft das ein neues Licht auf die Debatte um die Ampel. Bislang liegen der Ortsgemeinde noch keine Daten vor, wie Beigeordneter Andreas Pfalzgraf mitteilt.

Aus Niederhorbach kommend: Eine Fahrbahnverengung unterbricht den Verkehrsfluss auf der B38.
Aus Niederhorbach kommend: Eine Fahrbahnverengung unterbricht den Verkehrsfluss auf der B38.

Interessant ist, dass dieser Ampel-Versuch noch auf Anregung des ehemaligen Ortsbürgermeisters Dietmar Pfister zurückgeht, die dann vom Gemeinderat beschlossen wurde. Es sollte aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens für die Bürger, vor allem auch für Schulkinder, eine sichere Überquerung geschaffen werden. Pfister trat Mitte April aufgrund von Zerwürfnissen mit der Verbandsgemeindeführung vorzeitig von seinem Amt zurück. Am 24. August wird ein neuer Ortsbürgermeister gewählt.

Kaum Rückstaus – aber auch kein freier Fluss durch neue Ampel

Eine erste Einschätzung gibt Pfalzgraf gegenüber der RHEINPFALZ ab. Er sagt, dass der Verkehrsfluss durch die Ampel zwar „etwas eingeschränkt“ sei, bislang aber keine größeren Rückstaus entstanden sind. Doch wie erleben Anwohner und Verkehrsteilnehmer die neue Regelung? Einige empfinden die Ampel bereits jetzt als zusätzlichen Hemmschuh in einem Ort, dessen enge Ortsdurchfahrt ohnehin als Nadelöhr gilt. Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität (LBM) wird die Straße täglich von mehr als 7000 Fahrzeugen (Stand 2021) befahren.

Der flließende Verkehr schlängelt sich in Ingenheim an geparkten Autos vorbei.
Der flließende Verkehr schlängelt sich in Ingenheim an geparkten Autos vorbei.

Dabei ist die Ampel nicht die Ursache des Problems, sondern lediglich ein Symptom. Die Infrastruktur der Ortsdurchfahrt, in der Tempo 30 gilt, ist für das heutige Verkehrsaufkommen kaum geeignet. Zwar wurde der Straßenbelag bereits 2006 erneuert, doch an den grundlegenden Engstellen hat sich wenig geändert. Enge Kurven, geparkte Autos und begrenzte Ausweichmöglichkeiten führen regelmäßig zu Rückstaus, insbesondere im Begegnungsverkehr mit Bussen oder Lkw. Auch über partielle Gehwegerweiterungen mit höheren Bordsteinen wurde in der Vergangenheit diskutiert – diese wurden jedoch aus Kostengründen verworfen. Es bleibt ein klassischer Zielkonflikt zwischen individuellem Schutzbedürfnis und einer gemeinschaftlichen Lösung.

B38-Umgehung: Seit 30 Jahren Thema

Pikant: Es gab vor Jahren bereits schon einmal einen Test mit einer Bedarfsampel. Das Ergebnis: Laut LBM wurde die vom Regelwerk geforderte Mindestanzahl an Fußgängerquerungen in der Spitzenstunde weit verfehlt. Wie wird es diesmal sein? Im Laufe des Herbstes sollen den Angaben zufolge sowohl die Fahrzeugmenge als auch die Querungszahlen an Fußgängern erfasst werden, um belastbare Aussagen zur Notwendigkeit der Anlage zu erhalten.

In diesem Spannungsfeld taucht immer wieder auch die Forderung nach einer Ortsumgehung auf – ein Thema, das Ingenheim seit mehr als 30 Jahren begleitet. Während die Umgehung der B48 bei Klingenmünster zumindest im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt wird – auch wenn das Projekt aktuell aufgrund von Wirtschaftlichkeitsfragen auf Eis liegt – gibt es für eine Umfahrung von Ingenheim entlang der B38 nicht einmal Ansätze einer Planung.

Auch in der Bergzabernerstraße wird es für die Verkehrsteilnehmer schnell eng – da dort auch viele Parkboxen auf der B38 sind.
Auch in der Bergzabernerstraße wird es für die Verkehrsteilnehmer schnell eng – da dort auch viele Parkboxen auf der B38 sind.

Der Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen, Teil der Bundesverkehrswegeplanung, wird alle zehn bis 15 Jahre neu aufgestellt. Der aktuelle Plan reicht bis 2030, wie Martin Schafft, Leiter der Dienststelle des LBM Speyer, mitteilt.

B38-Umgehung wäre aufwendiger

Mehrere Gründe sprechen bei genauerer Betrachtung offensichtlich gegen die Realisierung einer B38-Umgehung. Eine solche Maßnahme wäre nicht nur topografisch, sondern auch verkehrstechnisch deutlich aufwendiger. So müsste beispielsweise ein Anschluss bei Landau an die A65 über eine sogenannte Querspange mitgeplant werden – ein Vorhaben, das die Kosten erheblich steigern und die Planung zusätzlich erschweren würde. Hinzu kommt die Frage, wie der Verkehr von einer neuen Trasse sinnvoll an Landau vorbeigeleitet werden könnte. Vor diesem Hintergrund erscheint eine B48-Umgehung derzeit als realistischer und wirtschaftlich vernünftiger.

Parken, Stau und Co. Umfassende Lösung in weiter Ferne

Da eine umfassende Lösung in weiter Ferne liegt, richtet sich der Blick auf kurzfristig umsetzbare Schritte. Eine Möglichkeit wäre laut LBM die Überarbeitung der Parksituation sowie die bauliche Entschärfung von Engstellen, beispielsweise am Ortseingang von Niederhorbach kommend (Bergzaberner Straße). Dort gibt es bereits heute eine Fahrbahnverengung und eine wechselnde Parkregelung. Beides trägt jedoch nach Beobachtungen des LBM eher zur Staugefahr bei.

 In der Ingenheimer Hauptstraße gilt Tempo 30.
In der Ingenheimer Hauptstraße gilt Tempo 30.

Eine teilweise Aufhebung der Parkboxen oder eine Verkleinerung der Verengung könnten den Verkehrsfluss verbessern. Allerdings erfordern auch diese Maßnahmen eine Abwägung zwischen den Interessen der Anwohner und der allgemeinen Verkehrsentlastung, wie Dienststellenleiter Martin Schafft erklärt. Die Entscheidung darüber liege bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde der Verbandsgemeinde Landau-Land.

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