Offenbach Nahwärmenetz über gesamten Ort geplant

Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach das Rathauses ist ein wichtiger Teil des kalten Nahwärmenetzes in Offenbach.
Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach das Rathauses ist ein wichtiger Teil des kalten Nahwärmenetzes in Offenbach.

In Offenbach wird Umweltschutz groß geschrieben. Laut eigener Aussage gehört die Kommune in Sachen Selbstversorgung aus erneuerbaren Energien zu den führenden im Land. Um den CO2-Verbrauch weiter zu senken, hat die Queichgemeinde nun ein energetisches Quartierkonzept für den Bereich rund um das Rathaus erstellt.

2018 wurde Offenbach in das Programm „Energetische Stadtsanierung“ der KFW-Bank aufgenommen, über das das Energiekonzept ausgearbeitet wurde. Ziel dabei: bei vorhandenen Anlagen die Effizienz steigern, Energie einsparen und den Einsatz von regenerativen Energiequellen prüfen. Im Queichtalzentrum im Norden des Ortes befinden sich nahezu alle kommunalen Gebäude, deren Heizungstechniken teilweise veraltet sind und deren Wärmedämmung zum Großteil nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht.

Auch im angrenzenden Wohngebiet und bei den Häusern in der Jakobstraße und Essinger Straße bestehen Potenziale zur Energieeinsparung. Dafür wurden die Eigentümer nach ihren Gewohnheiten befragt: Wie viel Wärme braucht man? Welche Art der Heizenergie bezieht man? Wie wurde bisher versucht, Energie einzusparen? Ist man dazu bereit, dafür Investitionen zu tätigen? Und wie sieht es in Sachen Mobilität und CO2-Ausstoß aus?

Die ersten Leitungen liegen schon

Als konkrete Konzeptidee ist die Errichtung eines kalten Nahwärmenetzes im Quartier entstanden. Dafür einbezogen werden sollen vorhandene Energiequellen wie die Nutzung von Abwärme oder die Solarabsorber-Anlage des Schwimmbades, aber auch zusätzliche Anlagen zur Nutzung regenerativer Energiequellen wie Erdwärme und Sonnenenergie. Die ersten Leitungen liegen schon in der Erde. Ausgangspunkt ist das Rathaus, das gerade neu gebaut wird und bereits mit Hybrid-Solarmodulen ausgestattet ist, die Energie in das Netz einspeisen. Von dort aus wurde die Leitung im Mai über die Straße bis zum Queichtalbad und bis zum Kindergarten verlegt. Auch die Sporthalle soll noch angeschlossen werden. Offenbach will nicht nur all seine kommunalen Gebäude rein aus erneuerbaren Quellen beheizen, sondern auch Privathäuser. Dafür wird jetzt Kontakt zu den Hauseigentümern aus den 1970er-Jahre-Baugebiet aufgenommen.

Ortschef Axel Wassyl hat die Vision, „dass sich das Wärmenetz über ganz Offenbach ausbreitet und jedes Haus die Möglichkeit hat, umweltfreundlich beheizt zu werden“. Damit sei man auch unabhängig von der Versorgungs- und Preisentwicklung im Öl- und Gassektor. „Die Wertschöpfung bleibt im Ort und fließt nicht nach Russland oder in den Nahen Osten“, sagt er. Zudem sollen das ÖPNV-Angebot verbessert, ein E-Mobil-Sharing-Systems im Quartier aufgebaut und die E-Lade-Infrastruktur ausgebaut werden. Ein E-Fahrzeug steht bereits an der Ladesäule am Queichtalbad zur Anmietung bereit.

Keine Einwohnerversammlungen wegen Corona

Eigentlich wollte die Gemeinde ihre Bürger in den Prozess einbinden. Aber die Einwohnerversammlungen fielen den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Nun werden andere Kanäle gesucht. „Schließlich soll das Konzept nicht in irgendeiner Schublade verschwinden, sondern in die Tat umgesetzt werden“, findet Wassyl.

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