Kreis Südliche Weinstraße Nachahmer gesucht
„Er ist ein Vorbild, es müsste mehr von seiner Sorte geben“, sagt Thorsten Stenger von der Agentur für Arbeit in Landau. Gemeint ist Albert Kieffer, Geschäftsführer der Metzgerei Kieffer in Bad Bergzabern. Dieser beschäftigt in seinem Betrieb einen schwerbehinderten jungen Mann. Dieses Engagement wurde kürzlich in Mainz mit dem zweiten Platz beim „Landespreis für beispielhafte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen“ gewürdigt.
Albert Kieffer hat sich zwar sehr über die Auszeichnung durch Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) gefreut, aber allzu viel Aufhebens will er wegen der Sache nicht machen. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass er einen Schwerbehinderten beschäftigt. „Für mich ist das eigentlich ganz normal“, sagt Kieffer. Die Hauptperson in der Geschichte, ein 29-Jähriger aus der Nähe von Bad Bergzabern, will nicht mit der RHEINPFALZ sprechen. „Das würde nicht funktionieren“, sagt Albert Kieffer, „er braucht seinen gewohnten Ablauf, seine gewohnte Umgebung. Jede Veränderung wirft ihn aus der Bahn.“ Als die Landeskommission den Betrieb besichtigte, war das für den jungen Mann eine schwierige Situation. „Es ist ihm sofort aufgefallen, dass an diesem Tag etwas anders ist. Ich musste ihm erklären, dass es nicht wegen ihm sei, dass die Leute wegen etwas ganz anderem da wären. Es hat ihn nervös gemacht“, erzählt Kieffer. Dass Schwerbehinderte von der stabilen Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt bei weitem nicht so stark profitieren, wie Nichtbehinderte, veranlasst die Arbeitsagentur zu besonderen Anstrengungen. „Menschen mit Behinderung sind leistungsfähig, mobil und motiviert. In allen Berufsgruppen finden sich gut qualifizierte Arbeitssuchende, am passenden Arbeitsplatz sind sie ebenso leistungsfähig wie nicht behinderte Menschen. Dennoch bestehen Vorbehalte und Ängste, die diesen Menschen die Arbeitsaufnahme erschweren“, erklärt Thorsten Stenger, Leiter des Teams für Rehabilitanden und Schwerbehinderte bei der Arbeitsagentur Landau . Bei der Metzgerei Kieffer waren die Vermittlungsversuche erfolgreich. „Wir konnten den Betrieb mit einem Eingliederungszuschuss unterstützen“, erzählt Elke John-Lui von der Arbeitsagentur, die für die Betreuung des 29-Jährigen zuständig ist. Seine Vermittlung sei wegen seines Handycaps schwer gewesen. „Nach einem zunächst befristeten Arbeitsvertrag hat sich Albert Kieffer entschlossen, dem jungen Mann einen Dauervertrag anzubieten“, freut sich John-Lui. „Es muss natürlich passen“, sagt Kieffer. Der 29-Jährige sei ihm sofort sympathisch gewesen. Außerdem kann er richtig mit anpacken. Das bestätigt Christina Kieffer, Tochter des Firmenchefs, die als Metzgergesellin im elterlichen Betrieb tätig ist: „Ihm ist nichts zuviel. Man muss ihm genau sagen, was er tun soll und immer ein Auge auf ihn haben. Aber seine Arbeit macht er wirklich gut.“ Der geistig behinderte 29-Jährige arbeitet täglich von 7 bis 13 Uhr. Besonders gern etikettiert er Dosen. „Er ist immer pünktlich. Wenn ich zu ihm sage, dass er morgen um 5 Uhr da sein soll, dann ist er um 5 Uhr da“, ist sich Albert Kieffer sicher. 36 Angestellte hat die Metzgerei Kieffer am Bahnhof, zu der auch ein eigener Schlachthof gehört. „Die Belegschaft muss natürlich mitspielen“, betont Kieffer, „er wird von allen akzeptiert.“ 769 schwerbehinderte Menschen waren Ende November im Agenturbezirk Landau arbeitslos gemeldet. Unter ihnen sind viele mit abgeschlossener Berufsausbildung, alle möglichen Berufe sind darunter. „Menschen mit Behinderung stellen mit ihrem fachlichen und sozialen Know-how ein häufig unterschätztes Fachpotenzial dar“, meint Stenger. Er hofft, dass Kieffers Vorbild viele Nachahmer findet. Es gebe schon ein paar Hürden zu überwinden, so Kieffer. Er vermutet, dass viele Arbeitgeber nicht ausreichend informiert seien über Probezeiten, Kündigungsfristen oder Zuschüsse. „Es gibt eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten“, betont Stenger. Wer sich für die Einstellung eines Schwerbehinderten interessiere, könne sich jederzeit von der Arbeitsagentur beraten lassen. Info Ansprechpartner im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Landau sind: Sabine Burckhart, Telefon 06341 958319, und Elke John-Lui, Telefon 06341 958316; E-Mail: Landau.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de