Ramberg RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Brand des MSC-Vereinsheims: „Zweites Wohnzimmer“ wohl nicht mehr zu retten

Zahlreiche Ortswehren waren am Montag vor Ort, um das brennende Clubheim zu löschen.
Zahlreiche Ortswehren waren am Montag vor Ort, um das brennende Clubheim zu löschen.

„Ich bin noch immer fassungslos“, sagt Andreas Schwalié. In seinem Ramberger „Wecklädl“ duftet es verführerisch nach frisch gebackenen Brezeln, doch der Vorsitzende des Motorsportclubs hat noch immer den Gestank von Rauch und Schutt in der Nase. Wie geht es weiter, nachdem das Vereinsheim abgebrannt ist?

Montag. 10.45 Uhr. Im Vereinsheim des Motorsportclubs Ramberg (MSC) bricht ein Feuer aus. Schnell bildet sich eine große schwarze Wolke über der Waldgemeinde, die Schlimmes vermuten lässt. Zahlreiche Ortsfeuerwehren eilen herbei. Sie brauchen mehrere Stunden, um das Feuer zu löschen. Als schwierig erweist sich dabei die Dacheindeckung. Sie soll das Clubheim vor Wasser schützen, aber in diesem Fall erschwert sie es, Löschwasser unter das Dach in das Gebäude zu bringen, wie Einsatzleiter Christian Kiefer berichtet.

„Ich kann es eigentlich gar nicht glauben“, sagt Andreas Schwalié. Der Vorsitzende des MSC betreibt in Ramberg ein „Wecklädl“. Das Vereinsheim liegt nur wenige Meter von seinem Laden entfernt und bietet einen traurigen Anblick: Die Fensteröffnungen sind mit Brettern vernagelt, ein riesiges Loch klafft im Dach, schwarze Rauchspuren verunzieren die Wände. Und eine traurige Ansammlung verbeulter und geschwärzter Pokale liegt neben der Eingangstür – einst stolzes Zeugnis von sportlichen Erfolgen des Vereins, stimmen sie den Betrachter nun traurig. Erinnerungsstücke, die sich nicht ersetzen lassen, wurden innerhalb weniger Minuten zerstört – und damit auch ein Stück Motorsportgeschichte und Erlebnisse von Mitgliedern, die über viele Jahre für diesen ADAC-Ortsclub am Start und auf Punktefahrt waren. Das zerstörende Feuer hat in die Herzen vieler Motorsportler ein großes Loch gerissen.

Vorsitzender ist den Tränen nahe

Nach ersten Erkenntnissen hat das Feuer wohl ein technischer Defekt im Küchentrakt ausgelöst. Nachbarn hatten den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Auch bei Andreas Schwalié hatten die Nachbarn angerufen, doch der war über das Wochenende verreist. Seine Freundin sei aber sofort zum Vereinsheim geeilt, um zu retten, was zu retten ist, erzählt er. Sie sei gleichzeitig mit der Feuerwehr eingetroffen und habe das Haus nicht mehr betreten dürfen – zu weit war das Feuer schon vorangekommen. Tische, Stühle und Bänke, der Fußboden, die Kücheneinrichtung, alles wurde ein Raub der Flammen. Im Dachstuhl, vor wenigen Jahren erst erneuert, klafft nun ein riesiges Loch. Durch die Hitze habe sich wohl auch die Konstruktion der tragenden Decke verzogen, berichtet Schwalié, und seine Augen werden feucht, wenn er sagt, dass das Gebäude wohl nicht mehr zu retten ist und wahrscheinlich abgerissen werden muss.

Nach seiner Rückkehr aus Belgien, wo er im motorsportlichen Einsatz war, stand er mit anderen Vorstandsmitgliedern vor der Brandruine – sprachlos und den Tränen nahe. Der Verein hatte seinen Club mit viel Eigenleistung aufgebaut. Hier wurden Unternehmungen ausgetüftelt, Pläne gemacht, gefeiert, Veranstaltungen abgehalten. Aber er war nicht nur das Domizil der Ramberger Motorsportler, sondern auch Schulungsort für Sportwarte und Funktionäre im Motorsport. Hier fanden zahlreiche Seminare statt und wurden Helfer geschult. Noch vor wenigen Tagen war es Dreh- und Angelpunkt bei der Bürstenbinder-Orientierungsfahrt. Motorsportlern bis nach Luxemburg oder bis zur schweizerischen Grenze ist das Haus ein Begriff.

Viele Vereine und Politiker bieten Hilfe an

Der MSC hatte das Gebäude, das zuvor als Schulturnhalle diente, 1984 von der Ortsgemeinde gekauft und für seine Belange hergerichtet, auch eine Küche integriert. Vor der Pandemie ließ der Verein das Dach neu eindecken und dämmen. Ortsbürgermeister Jürgen Munz ist schockiert: Es sei nicht nur ein Verlust für den Motorsportclub, sondern für ganz Ramberg. Denn das Clubheim sei ein Schmuckstück in der Ortsmitte gewesen und habe sich vorzüglich ergänzt mit der angrenzenden, neu geschaffenen Freifläche. Es sei mit viel Herzblut zu einem Mittelpunkt der Motorsportler gestaltet worden, in dem viele Gäste empfangen wurden. Das Gemeindeoberhaupt ist froh, dass kein Mensch zu Schaden kamen. Ebenso wie der Verbandsbürgermeister und der Landrat hat er dem Verein seine Unterstützung zugesagt. Schwalié ist berührt von der großen Hilfsbereitschaft, die dem gebeutelten Verein von allen Seiten angeboten wird. Andere Vereine im Ort hätten ihre Räume als Ersatz angeboten, wollen bei allen anfallenden Arbeiten tatkräftig helfen.

Es ist natürlich noch zu früh, um sagen zu können, wie es konkret weitergehen wird. Zum Glück sei das Gebäude versichert, berichtet Schwalié. Denn der Schaden liegt nach ersten Schätzungen im sechsstelligen Bereich. Ob ein Wiederaufbau möglich oder ein Neubau notwendig sein wird, könne erst in den nächsten Wochen geklärt werden. In jedem Fall wird im nächsten Jahr viel Arbeit auf die Motorsportler zukommen. Aber aus seinen Reihen habe er auch schon den mutmachenden Satz gehört: „Wir bauen das Ding wieder auf.“ Am kommenden Samstag hätte wieder die traditionelle Weihnachtsfeier in dem Haus abgehalten werden sollen, in gemütlicher und geselliger Runde. Doch nachdem die Flammen das „zweite Wohnzimmer“ vieler Vereinsmitglieder zerstört haben, hat der MSC die Feier abgesagt. Zahlreiche flammende Lichter würden sicherlich nur allzu schmerzliche Assoziationen hervorrufen.

Mit den Pokalen verbrannten auch Erinnerungen.
Mit den Pokalen verbrannten auch Erinnerungen.
Das Dach ist zerstört. Wahrscheinlich muss das Haus abgerissen werden.
Das Dach ist zerstört. Wahrscheinlich muss das Haus abgerissen werden.
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