Edesheim
Nach 20 Jahren ist Schluss: Schwimmmeister zieht es weg
Timo Graf ist die Wehmut anzumerken. Der Abschied fällt ihm nicht leicht: von seinem Team, von „seinem“ Freibad in Edesheim und damit auch von den vielen Badegästen aus dem Ort und der Umgebung, die er dort kennenlernen durfte. „Die meisten von ihnen waren schon hier, da waren sie noch Kinder. Jetzt kamen sie dann mit ihrem eigenen Nachwuchs“, berichtet der Schwimmmeister. So vergeht die Zeit. Eine Zeit, in der etwas zusammengewachsen sei und viele Freundschaften geknüpft wurden.
In der Tat: Wer mehr als 20 Jahre lang den Sommer über am Beckenrand steht, und dabei noch den Betrieb leitet, ist im Ort und in der Umgebung bekannt. Vermutlich noch mehr als der aktuelle Ortsbürgermeister in Edesheim, wie Timo Graf mit einem Augenzwinkern anmerkt. Wenn man bedenkt, dass der Ortschef erst seit Kurzem im Amt ist. Und die Tatsache, dass Timo Graf auch in der Umgebung beruflich tätig war und sich ehrenamtlich engagierte. Bis vergangene Woche noch war er Vorsitzender des Südhaardter Sportvereins. In Dammheim, wo der gebürtige Landauer das Fußballspielen lernte, trainierte er zuletzt die Damenmannschaft.
Per Zufall den Job ergattert
Auch beim Schwimmen war Landau Ausgangspunkt seiner beruflichen Laufbahn. Alles begann dabei im Freizeitbad La Ola, wo Timo Graf als Rettungsschwimmer tätig war. Dort machte er die Bekanntschaft mit Günter Alexander, der vielen Südpfälzern ein Begriff ist. Fast 30 Jahre war er Betriebsleiter des Herxheimer Waldfreibads. Er wurde zu seinem Ausbilder, berichtet Timo Graf. „Er hat mich geformt und ist mein Ratgeber geblieben, er hat immer ein offenes Ohr für mich.“
Timo Graf kam beruflich mit der Zeit gut rum. Der Wörther Badepark, das Landauer Freibad und das Kalmitbad in Maikammer zählten zu seinen beruflichen Stationen. In der Total-Tankstelle in Edesheim hat er sich dann für den Job im örtlichen Freibad in Spiel gebracht. 2003 war das. Damals wurde ein neuer Betriebsleiter gesucht. Timo Graf arbeitet außerhalb der Badesaison an der Tankstelle. Er stand an der Kasse, als der frühere Verbandsbürgermeister Olaf Gouasé eines Morgens als Kunde vorbeischaute. Er sprach ihn auf die vakante Stelle an. „Da fragte er mich, wann ich Feierabend habe, um danach in der Verwaltung vorbeizuschauen.“ Gesagt, getan. Es führte eines zum anderen.
Schwimmmeister: „Zu wenige Kurse für Kinder“
„Das wird immer mein Freibad bleiben“, betont Timo Graf, als er den Blick über das Gelände in Edesheim schweifen lässt. Er habe hier so viel Zeit verbracht. Er habe viele schöne Erinnerungen, auch an die Grundsanierung der Anlage zwischen 2009 und 2010, bei der er sich einbringen konnte, um seine Wirkungsstätte für die Zukunft fit zu machen. Ihm sei aber auch stets viel abverlangt worden. „Als Schwimmmeister musst du immer hoch konzentriert sein, selbst oder gerade bei Schlechtwetterlagen, wenn nur wenige Badegäste sind“, betont Timo Graf. Vor allem dann, wenn Kinder im Spiel sind, ist Vorsicht geboten. Glücklicherweise habe es bei ihm nie einen Unfall gegeben, in die Kinder und Jugendlichen involviert waren, sagt Timo Graf und klopft dabei auf den Tisch.
Sorgen bereite ihm aber die Sache mit dem Seepferdchen. Es gebe nach wie vor viele Kinder, die verspätet Schwimmen lernen. Die Gründe sind vielfältig. Zum Beispiel mangele es an Trainern. In Edesheim sei er der einzige gewesen, der Kurse anbot. Zwischen vier und sechs pro Saison, und diese dann für jeweils bis zu acht Kinder. Die Nachfrage sei aber höher. „Da brauchen Eltern nur Pech haben, sie müssen die Anmeldung nur einmal verpassen, ist das Kind schon acht oder neun Jahre alt und kann noch nicht schwimmen“, so Graf.
Wieso Timo Graf die Südpfalz verlässt
Mit 47 Jahren ist er zwar noch jung genug, um das Geschehen in den Schwimmbecken und auf der Liegewiese in Edesheim weiterhin im Blick zu behalten. Und das Bad weiterzuentwickeln. Soll es doch durch neue Spielgeräte für Kinder attraktiver werden. Wobei es schon jetzt als beliebt gilt. So wurde es bei einer Umfrage eines Online-Portals sogar als schönstes Freibad im Land identifiziert. Wie die Verbandsgemeinde-Verwaltung kürzlich informierte, hatte das Portal „Sol.de“ Google-Rezensionen als Grundlage genommen, um die bundesweit 1700 Anlagen in einem Ranking abzubilden.
Das freut Timo Graf, doch er möchte sich verändern. „Ich bin ein Bergmensch“, verrät er. Ihn ziehe es in die Natur, er brauche die Landluft. Er wolle Gipfel erklimmen und im Winter Skifahren. Der Gedanke, die Zelte in der Südpfalz abzubrechen und sich ein neues Zuhause in der Nähe der Berge zu schaffen, treibe ihn schon seit Langem um. Er habe schon vor einigen Jahren wegziehen wollen, aber es dann doch sein lassen. Seine Tochter war damals auf dem Weg zum Abitur, ein Umzug wäre dann ungünstig gewesen. Nun aber habe sie mit dem Studium begonnen. Und für ihn sei somit die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen.
Das Freibad bleibt aber sein Revier. Und zwar jenes in Schönau am Königsee. Ein Bad, das von der Größe her vergleichbar sei mit dem in Edesheim. „Wenn so viele Badegäste aus Edesheim zu Besuch kommen, wie sie angekündigt haben, werde ich da sicherlich viel zu tun haben“, sagt Timo Graf und lacht.