Hochstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Ärger von „Stammgast“ über Strafzettel: Bald Parkplätze auf Feldweg?

Jürgen Johann im Gespräch mit Landwirt Werner Laux. Der Rentner ist überzeugt, dass am Wirtschaftsweg bei Hochstadt, in Höhe des
Jürgen Johann im Gespräch mit Landwirt Werner Laux. Der Rentner ist überzeugt, dass am Wirtschaftsweg bei Hochstadt, in Höhe des Weinlehrpfads, Platz für einzelne Autos wäre.

Für Jürgen Johann ist es Abzocke. Er hat bei Hochstadt auf einen Feldweg geparkt und ein Knöllchen kassiert – an einem Sonntag. Dass er Landwirte behindert haben könnte, hält er für einen Vorwand. Ungeachtet dessen wird das Parken dort vielleicht bald geduldet.

Jürgen Johann schlägt eine radikale Lösung vor. Statt Gäste an den Ortseinfahrten willkommen zu heißen, sollte die Gemeinde Hochstadt ihnen dort gleich mitteilen, dass sie unerwünscht sind. Seinem Ärger hat er beim Ordnungsamt in Offenbach bereits Luft gemacht, und zwar in einem Schreiben, das er schon vor einiger Zeit versendet hat. Der Auslöser war ein Strafzettel. Diesen hatte er erhalten, weil er an der Landstraße 540, auf halber Strecke zwischen Hochstadt und Freimersheim, an einem Wirtschaftsweg geparkt hatte.

Auch wenn der Vorfall bereits längere Zeit zurückliegt, kocht die Wut in dem Weingartener immer wieder hoch. Das letzte Mal, als er in RHEINPFALZ von den Erlebnissen einer jungen Studentin erfuhr, der es ähnlich erging. Auch sie hatte in Hochstadt ein Knöllchen kassiert, weil sie ihren Wagen auf einen Wirtschaftsweg abgestellt hatte. Mit dem Unterschied, dass die Frau an einem Stand Erdbeeren kaufen war. Jürgen Johann dagegen war in der Hochstadter Gemarkung spazieren, in Höhe des Weinlehrpfades. Er schätze dort die „wunderschöne, einladende Flur“, die ihresgleichen suche. Es folgte aber eine böse Überraschung. Wobei Jürgen Johann nicht der Einzige ist, der sich darüber beklagt.

„Wie alle Interessen unter einen Hut bringen?“

Das Thema Parken auf Wirtschaftswegen ist nach wie vor aktuell, auch an anderen Flecken der Verbandsgemeinde. Das bestätigt Ordnungsamtsleiter Stefan Eckert: „Wir wurden in den letzten Monaten durch Einzelfälle darauf aufmerksam.“ Er weist auf die unterschiedlichen Interessen hin. „Die Bürger möchten die Wirtschaftswege zum Spazierengehen und damit zur Erholung nutzen, die Landwirte hingegen müssen diese zur Ausübung ihres Berufes befahren und beschweren sich von Zeit zu Zeit über die unerlaubte Nutzung von Wirtschaftswegen von Privatpersonen.“ Für die Bauern- und Winzerschaft im Ort sagt Henrik Schweder, dass auch vor den Weinbergszeilen gehalten werde, nicht nur tagsüber. Dabei gebe es auch in der Nähe der Felder Parkmöglichkeiten, etwa am Friedhof.

Auf der anderen Seite der Landesstraße zwischen Hochstadt und Freimersheim führt der Weg in Richtung Winzerturm.
Auf der anderen Seite der Landesstraße zwischen Hochstadt und Freimersheim führt der Weg in Richtung Winzerturm.

Jürgen Johann versichert, den Wagen an der Einmündung zum Feldweg so abstellen zu können, dass er keinen Landwirt bei der Arbeit behindere. Beim Termin vor Ort zeigt er die Stelle in Höhe des Weinlehrpfades und demonstriert, wo das Parken gelingen kann, ohne dass sich jemand gestört fühlt. Es sei viel Platz vorhanden, auch zum Wenden. Werner Laux, der in der Nähe Obstbäume hat und an diesem Vormittag dort unterwegs ist, ist neugierig. Er hält an, als er Jürgen Johann im Gespräch mit der RHEINPFALZ sieht. Er kann nachvollziehen, wieso es den Rentner regelmäßig hierher lockt. „Hier gibt es stellenweise einen herrlichen Ausblick, da kommt man sich wie in einem Paradies vor“, sagt Laux.

Lösung bahnt sich an

Die Straßenverkehrsbehörde hat die Örtlichkeiten besichtigt, wo es wegen ähnlicher Fälle Konflikte gegeben hat. Was nun folgt, sind Beratungen in den politischen Gremien. Gerade die Ausschüsse für Land- und Forstwirtschaft werden sich mit der Frage beschäftigen, wie mit dem Thema umgegangen wird. In Hochstadt sind Änderungen nicht ausgeschlossen, informiert der zuständige Beigeordnete, René Krahmer. So sei es denkbar, an dem eingangs beschriebenen Wirtschaftsweg eine geringe Anzahl an Stellmöglichkeiten auszuweisen. Ergänzend macht Henrik Schweder darauf aufmerksam, dass man sich dabei keine klassischen Parkplätze vorstellen muss, sondern ausgewiesene Flächen, wo das Parken erlaubt werden könnte.

Das würde jedenfalls Jürgen Johann freuen. Ihn zog es bis zu dem Vorfall lange Zeit von seinem Wohnort Weingarten in die Hochstadter Gemarkung, die Strecke legte er auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurück, verband den Ausflug zudem mit einem Einkauf in den ortsansässigen Geschäften. Für den 77-Jährigen ist die Natur dort ein unvergleichliches Naherholungsgebiet, das auch Autofahrer bequemer erreichen und genießen sollten als bisher.

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