Kreis Südliche Weinstraße Mord, Tragik und Herzschmerz

„Küchenlieder von Herz zu Herz, Frauenleben einmal anders“, war das Thema des Dekanatsfrauentages in Bad Bergzabern. Mehr als 150 Frauen kamen am Mittwoch zu einem Thema in der Schlosshalle zusammen, das Einblicke in das Leben von Frauen vergangener Jahrhunderte gab, die ganz unten auf der gesellschaftlichen Leiter standen.
Die Dekanatsbeauftragte Bärbel Nebe würdigte die Arbeit des seit fast 90 Jahren bestehenden Frauenbundes und Elisabeth Cuntz als verantwortliche Organisatorin der Veranstaltung. Mitsingen war beim Vortrag der Diplomsozialpädagogin Christa Krieger gefragt, die als Dienstmädchen Mariechen, züchtig im langen Rock, mit Schürze – ohne Taschen, denn es könnte ja etwas darin verschwinden – und Häubchen von der Moral ihrer Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, erzählte. Nicht wenige Besucherinnen kannten die Küchenlieder, zu denen auch die zwei Königskinder und der grüne Wald, da wo die Drossel singt, gehören. Musikalisch begleitet wurden die Sängerinnen von Elke Wöhler-Wischhusen in historischer Kleidung an der Drehorgel. „Ich bin 1890 im Donnersbergkreis geboren und zurzeit 14 oder 15 Jahre alt“, erzählt Mariechen, alias Christa Krieger. Zuhause habe man eine kleine Landwirtschaft gehabt, dann sei ihr Vater krank geworden, ein Mann sei gekommen, habe den Eltern Geld gegeben und sie mit in die Stadt genommen, schildert sie ein typisches Schicksal armer Familien in dieser Zeit. Sie kommt in einen Haushalt, arbeitet in der Küche. „Ich hatte Glück, dass die Köchin bei mir schlief, so trauten sich weder der junge noch der alte Herr zu mir hinauf“, sagt sie. Welche Schicksale Frauen erlebten, die von Männern oft als Freiwild angesehen wurden, wird in den zahlreiche Küchenliedern, die damals gesungen wurden und bei denen viele Tränen geflossen sind, geschildert. „Mariechen saß weinend im Garten“, im Arm ihr schlummerndes vaterloses Kind und stürzte sich am Ende des Liedes in den See. „Es war wunderschön zu wissen, dass mir so etwas nicht passiert ist“, sagt „Mariechen“ zu einem anderen Küchenlied, in dem Lieschen im Wald verführt wird. Das Ende der Geschichte: „Nach 36 Wochen wurde Lieschen krank und sie lag mit ihrem Kinde auf der Sterbebank. Die Moral: „Drum ihr Mädchen, lasst berühren euch von keinem Mann, denn er will euch nur verführen, darauf kommt’s ihm an.“ „Wie viele Frauen haben aus Liebe wohl solche Dummheiten gemacht haben und es wurde ihnen nicht geholfen“, so die Vortragende. Wie Sabinchen, das Frauenzimmer, dass einem Schuster „verfiel“ und für ihn silberne Löffel bei der Herrschaft stiehlt. Der Schuster „schnitt ihr ab den Schlund“, als der Diebstahl heraus kommt. Die Moral von der Geschichte lautet: Traue keinem Schuster, denn „der Henkel ist zerbrochen, er ist für immer ab, und der rabenschwarze Hund muss sitzen, bis an sein kühles Grab“. (pfn)