Kreis Südliche Weinstraße Momente der Hilflosigkeit

Zu einem nicht alltäglichen Treffen kam es in dieser Woche im Gymnasium des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern. Die Comenius-Projektgruppe der Klassen 10 bis 13 empfing zu einem informativen Gespräch und Meinungsaustausch den Landauer Fotografen Martin Blume. Bei diesem Treffen standen die von Blume entstandenen Aufnahmen über das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Mittelpunkt.
Nach der Aufführung eines von Blume gedrehten Films über das Lager gab es einen regen Austausch über die Empfindungen und Gefühle beim Besuch dieser Gedenkstätte. Viele Schüler hatten Auschwitz ebenfalls bei einem Besuch kennengelernt. Blume zeigt seinen Film beziehungsweise die Aufnahmen bewusst im unscharfen Zustand. Seiner Meinung nach sollen seine Bilder jeden Betrachter dazu inspirieren, sich selbst eine Meinung zu den festgehaltenen Momenten zu bilden. Momente, die manchmal hilflos und sprachlos machen, angesichts der Brutalität und Respektlosigkeit des Todes. Auch referierte der Landauer Fotograf über sein Handwerk und seine Herangehensweise an die Motive. Die Idee, seine Bilder unscharf zu halten, um mehr Spannung zu erhalten, war nur eine davon. Auch berichtete er über endlose Versuche, seine Bilder zu vervollkommnen. „Verhalte dich ruhig und lass’ deine Kamera sprechen!“, ist eine seiner Regeln. Wie er zu diesem Thema eigentlich kam, wollte Rebecca wissen. „Durch einen Freund bin ich mit diesem Thema das erste Mal 2009 konfrontiert worden, und ab da ließ es mich nicht mehr los“, erzählte Blume. Er berichtete von Treffen mit Überlebenden, die ihn bei Kaffee und Kuchen äußerst freundlich in ihre Mitte gebeten haben, um sich mit ihm zu unterhalten. Sein Fazit nach vielen anregenden Gesprächen: Die Überlebenden sind froh, dass diese Zeit durch die nachfolgenden Generationen nicht vergessen wird. Ob alles wieder zurückkommt, wenn er sich die Bilder anschaut, wollte Rebecca weiter wissen. Darauf antwortete Blume, dass die Aufnahmen ihm immer noch wehtun, aber als der Bildband fertig vor ihm lag, war dies für ihn auch ein Stück erfolgreich Bewältigung der Ereignisse. Gegen Ende des Gesprächs ermunterte er die Jugendlichen zum kreativen Handeln, egal ob mit der Kamera oder mit Farbe und Pinsel. Durch Kreativität könne man sich ein Stück selbst entdecken. (alve)