Kreis Südliche Weinstraße Mehr Andrang, aber noch keine Versorgungsengpässe

EDENKOBEN/BAD BERGZABERN. Auch im Landkreis Südliche Weinstraße versorgen sich zunehmend Flüchtlinge über die Tafeln in Edenkoben und Bad Bergzabern mit Lebensmitteln. Trotz des gestiegenen Zulaufs hat dies bislang nicht zu Versorgungsengpässen geführt.
So die gleichlautende Auskunft auf eine RHEINPFALZ-Nachfrage sowohl von Annemarie Heller (Wernersberg), zweite Vorsitzende der Bergzabener Tafel St. Martin, wie auch von Anke und Eberhard Fischer vom Tafelladen in Edenkoben. Ihre Erfahrungen: Lebensmittel und die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter reichten derzeit aus. Meldungen aus anderen Regionen Deutschlands, wonach derzeit keine weiteren Bedürftigen versorgt werden können, es in Extremfällen sogar zu Aufnahmestopps komme, die Tafeln total überfordert seien, kennt man somit in Edenkoben und Bad Bergzabern (noch) nicht. Sollte aber die Zahl der Bedürftigen so rasant wie in der jüngsten Vergangenheit steigen, könnte es schwierig werden, das Angebot aufrecht zu halten. Laut Annemarie Heller werden in Deutschland tagtäglich viele Tonnen Lebensmittel weggeworfen, obwohl sie noch verzehrfähig seien. Das müsse nicht sein. Gespendete Lebensmittel werden von Ehrenamtlichen der Tafel eingesammelt, sortiert, eingelagert und an Menschen weitergereicht, die diese dringend benötigen. Zwei Dutzend Mitbürger standen im April 2004 bei der Eröffnung der Bergzabener Tafel um Lebensmittel an, die ihnen die freiwilligen Helferinnen um Mathilde David für den symbolischen Preis von einem Euro aushändigten. Bei dem Termin in der vergangenen Woche waren es exakt 135 Mitbürger, die, Lebensmittel für 390 Menschen besorgten. Darunter 50 Flüchtlinge. Laut Annemarie Heller gibt es in Annweiler relativ viele Flüchtlinge. Die Bergzaberner Tafel habe reagiert und werde Anfang Mai in der Friedrich-Ebert-Straße in Annweiler eine Filiale eröffnen. Der Bergzabener Tafel stehen aktuell 40 Helfer zur Verfügung, die ihre Freizeit für die gute Idee opfern. „Jeder gibt, was er kann.“ Nach diesem Leitspruch engagieren sich in Bad Bergzabern örtliche Bäckereien und Wochenmärkte, Supermarktketten, Kfz-Mechaniker, Grafiker, Automobilhersteller, Beratungsunternehmen. Im Bad Bergzabener Tafelladen (Kettengasse 10/Ecke Neugasse) können bedürftige Menschen jeden Donnerstag ab 14 Uhr Lebensmittel abholen. Die Abgabe erfolgt gegen einen symbolischen Pauschalbetrag von 1,50 Euro pro Einzelperson beziehungsweise drei Euro pro Familie. Alleinerziehende mit einem Kind zahlen ebenfalls 1,50 Euro. Voraussetzung hierfür ist der Nachweis der Bedürftigkeit. Kriterien sind dabei Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit, Asyl, kleine Rente, geringes Einkommen, kinderreiche Familien oder Alleinerziehende. Den Bedürftigen wird ein Berechtigungsausweis ausgestellt. Die Edenkobener Tafel mit den „Regisseuren“ Anke und Eberhard Fischer gibt seit 2010 Lebensmittel an Hilfsbedürftige in den Semmeläckern 19 aus und gilt ebenfalls als Erfolgsmodell. Aus bescheidenen Anfängen sind inzwischen rund 300 Personen geworden, die von der Tafel versorgt werden. Anke Fischer spricht von 20 Flüchtlingen, die als Nutznießer dazu gekommen sind. Auseinandersetzungen mit Flüchtlingen und Zuwanderern, wie sie andernorts für Schlagzeilen gesorgt haben, kennt man in Bad Bergzabern und in Edenkoben nicht. 34 Helfer bringen sich in Edenkoben ein. 50 Mitglieder zählt der Förderverein. „Die Versorgungslage ist immer noch akzeptabel“, sagt Anke Fischer, die allerdings etwas besorgt auf die Entwicklung bei den Molkereiprodukten schaut. Grund sei vor allem, dass die Supermärkte und Discounter seit einiger Zeit ihre Ware anders disponierten beziehungsweise eigene Sonderangebote machten. Während sie früher eher wöchentlich ihre Milchprodukte und damit großzügiger ihre Ware bestellt hätten, tun sie dies mit „elektronischer Überwachung“ von Ein- und Ausgängen nun in engeren Abständen und damit marktorientiert. Die Folge: Es bleiben weniger Milchprodukte übrig, womit auch weniger an die Tafel geht. Bei anderen Lebensmitteln dagegen kenne man diese Sorge nicht. Mit Obst und Gemüse werde die Tafel beispielsweise von einem Hochstadter Händler gut versorgt. Bislang seien für alle Abnehmer immer genügend Waren vorhanden, sagt Anke Fischer.