Kapellen-Drusweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Manfred Bolz: Leben im Dienst der Feuerwehr

 Manfred (links), Dora und Frank Bolz sind eine aktive Feuerwehrfamilie.
Manfred (links), Dora und Frank Bolz sind eine aktive Feuerwehrfamilie.

In der Landwirtschaft werden Pferde für die Feldarbeit eingesetzt. Die Feuerwehrleute rennen zu Fuß zu den Einsätzen. Und Probleme mit dem Nachwuchs und Hochwasser gibt es damals schon. Manfred Bolz war ein halbes Jahrhundert Feuerwehrmann.

Nachdem Manfred Bolz 2019 mit dem Deutschen Feuerwehrkreuz in Silber vom Deutschen Feuerwehrverband ausgezeichnet wurde, hat er nun seine wohl letzte Ehrung erhalten. Zusammen mit Kameraden aus der Verbandsgemeinde wurde er vergangene Woche für 50 Jahre gewürdigt, in denen er aktives Mitglied bei der Feuerwehr in seinem Heimatdorf Kapellen-Drusweiler war.

Bolz kommt als 17-Jähriger zur Feuerwehr. Nicht so ganz freiwillig. „Der damalige Feuerwehrkommandant hat aufgehört, und mit ihm fast alle Feuerwehrmänner, die Wehr war nicht mehr einsatzfähig“, erzählt der 70-Jährige. Die Gemeinde fackelt damals nicht lange, schreibt alle jungen Männer bis 35 Jahre im Dorf an und verpflichtet sie zu fünf Jahren bei der Feuerwehr. „Das Thema Verpflichtung kommt jetzt wieder hoch“, sagt Bolz, die Verbandsgemeinde treffe der mangelnde Nachwuchs aber wohl derzeit nicht.

Kinder spielen beim Brand mit Feuer

Die neuen Feuerwehrleute werden damals in die Anzüge der Ausgeschiedenen gesteckt und die Ortsfeuerwehr ist gerettet. „Am Anfang hatten wir kein Auto, es gab einen Hänger mit Spritze, der von Hand gezogen wurde und einen Wagen für den Schnellangriff“, erzählt Bolz. Wobei der Wagen auch mit einem Traktor gezogen werden konnte. Ansonsten ist Fußarbeit nötig, die Männer rennen zu den Einsätzen im Dorf. „Manchmal hing einem schon die Zunge raus“, erinnert sich Bolz.

Ab 1972 werden die Ortswehren von der damals gegründeten Verbandsgemeinde verwaltet. 1982 wird Bolz stellvertretender Wehrleiter. Bis 1990 ist er beruflich in der elterlichen Landwirtschaft tätig mit Hopfen, Zuckerrüben, Reben, Vieh und Pferden, die für die Feldarbeit eingesetzt werden. Die Verbindung zu den Eltern bleibt: Mit Gattin Dora lebt Bolz noch in seinem Elternhaus. Parallel zur Arbeit ab 1990 bewirtschaftet er Weinberge. Bodenständig ist er also. Die Pferde werden längst nicht mehr eingesetzt, die Hopfenfelder gibt es nicht mehr. „Da, wo jetzt das Feuerwehrhaus steht, standen damals zur Erntezeit drei Hopfenpflückmaschinen“, erinnert er sich.

Einsätze sind ihm einige im Gedächtnis geblieben – um die 100 dürften es in 50 Jahren gewesen sein. Er ist vor vielen Jahren bei einem Großbrand auf dem Kaplaneihof dabei, zu dem auch die Feuerwehren von Mercedes aus Wörth, aus Kandel und Landau kommen müssen. „Kinder haben mit Feuer gespielt, die Stallungen haben gebrannt, das Vieh wollte wieder zurück in den Stall, viele Kühe sind umgekommen.“

Im Trikot zum Einsatz

Oder an den „Zünsler“, der einige Brände in der Südpfalz, auch in Kapellen, gelegt hat. Es ist ein Feuerwehrmann aus dem Dorf. „Er hat bei uns eine Scheune angezündet, sich dann wieder ins Bett gelegt und gewartet bis die Sirene heult“, erzählt Bolz. Sehr belastet habe ihn ein Unfall mit einem umgestürzten Laster in Kapellen, bei dem drei Bekannte zu Tode gekommen sind. „Es braucht seine Zeit, bis man das verdaut hat.“

Hochwasser war vor Jahrzehnten auch schon Thema im Dorf. Der Erlenbach von Bad Bergzabern kommend habe damals zwei bis dreimal im Jahr für Überschwemmungen gesorgt, erzählt Bolz. „Häuser standen zum Teil unter Wasser, vor dem Sportheim stand ein Auto, von dem man nur noch das Dach gesehen hat“, erinnert sich der Feuerwehrmann.

Zweimal ist er insgesamt sechs Jahre kommissarischer Wehrführer, 2002 wird der Förderverein der Feuerwehr gegründet, dessen erster Vorstand er bis heute ist. Vor zwei Jahren ist Manfred Bolz aus dem aktiven Dienst ausgetreten, kein ganz leichter Schritt, wie er zugibt. „Aber ich bin ja noch Vorstand im Förderverein.“ Und nicht nur das. Er war lange aktiv im Fußballverein und ist Mitglied im Gesangverein. „Mitten in einem Spiel am Sonntagnachmittag heulte die Sirene wegen eines Großbrandes auf dem Eichenhof, der Schiedsrichter wollte das Spiel erst gar nicht abbrechen, wir sind dann in Fußballklamotten und mit Helm losgerannt“, schmunzelt Bolz heute noch über diesen „sportlichen“ Einsatz.

Die ganze Familie ist dabei

Sein Sohn Frank ist in seine Fußstapfen getreten, er ist seit 20 Jahren bei der Feuerwehr, seit seinem 17. Lebensjahr. „Es macht Spaß, vor allem wenn Junge nachkommen“, sagt Frank Bolz. Dass es Feuerwehrfrauen gibt, ist heute selbstverständlich, in den sechziger Jahren war es das nicht. „Als wir jung waren, wollten wir Frauen auch zur Feuerwehr, das durften wir damals nicht“, erinnert sich Dora Bolz. Sie ist trotzdem eng mit der Feuerwehr verbunden, nicht nur durch ihren Mann und Sohn. Die Frauen bewirten bei vielen Feuerwehrfesten. Oder haben bei langen Einsätzen die Feuerwehrleute mit Essen und Getränken versorgt, einmal vor Ort gekocht, erzählt Dora Bolz. Bis heute reinigt sie das Feuerwehrhaus und hält zusammen mit ihrem Mann das Außengelände sauber. „Ehrenamtliches Engagement tut nicht weh“, weiß ihr Mann aus Erfahrung. Und wenn man es am eigenen Leib erfahren habe, wisse man, wie wichtig die Feuerwehr sei.

Ehrungen/Beförderungen

  • Silberne Feuerwehrehrenzeichen haben erhalten: Roland Braun (Dörrenbach), Michael Lavan (Kapsweyer).
  • Bronzenes Feuerwehrehrenzeichen haben erhalten: Philipp Prozek (Bad Bergzabern), Michael Drieß (Böllenborn), Michael Felgenhauer (Böllenborn), Sven Stadler (Dierbach), Philipp Heinz (Kapellen-Drusweiler), Carsten Wissing (Kapellen-Drusweiler), Kerstin Krämer-Neuberth (Kapsweyer), Christian Kreiselmeyer (Kapsweyer), Johannes Berthold (Vorderweidenthal).
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