Kreis Südliche Weinstraße Mahnmal für Versöhnung und Frieden

Museumsleiter Martin Galle (links) und Museumsgründer Hans Fuchsgruber inspizieren Bunker 1.
Museumsleiter Martin Galle (links) und Museumsgründer Hans Fuchsgruber inspizieren Bunker 1.

Über 630 Kilometer lang zog sich der Westwall als Hitlers gigantische Verteidigungslinie von den Niederlanden bis zur Schweiz. Über 18.000 Bunker und Stollen, Höckerlinien und Panzersperren pflasterten die betonschwere Schneise – und in der Südpfalz, im sogenannten Oberotterbach-Abschitt, wucherte das Bollwerk besonders stark, um sich des Erzfeindes Frankreich zu erwehren. So war die Region zwischen Bienwald und Pfälzerwald auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch übersät von Bunkern, die von den Siegermächten meistens zwar gesprengt, aber nicht abgetragen wurden. Zu den wenigen noch vollständig erhaltenen Bunkern der Region zählten vier Exemplare am Ortsrand von Bad Bergzabern, weil sie zuerst von der französischen Armee und später von der Bundeswehr und dem Kampfmittelräumdienst genutzt wurden. 1996 wurde einer dieser Bunker abgetragen, die anderen drei von der Stadt übernommen und unter Denkmalschutz gestellt. Viel früher als die Landespolitik, die den Westwall erst 2009 als „Strecken- und Flächendenkmal“ auswies, erkannten auch Hans und Helga Fuchsgruber und einige Mitstreiter, dass die Bunker zum greifbaren Geschichtsunterricht am historischen Originalschauplatz und zum internationalen Mahnmal für Versöhnung und Frieden taugen. Mit großem persönlichen Engagement und unbeirrt von verständnislosen Kommentaren hat das Ehepaar aus Lauterschwan an seinem Lebensprojekt festgehalten, um seinen Beitrag zu einer Erinnerungskultur zu leisten, die vor allem jungen Leuten zeigen will, was nie vergessen werden darf. „Inzwischen simmer wer – am Anfang ham sich alle g’sträubt“, stellt Hans Fuchsgruber überaus zufrieden fest und bedauert, dass seine Frau, die letztes Jahr starb, das 20. Jubiläum nicht mehr mitfeiern kann. Umso intensiver ist der Rückblick an das Ausmisten und Säubern der verdreckten und überwucherten Betonriesen, an das Herrichten mit Unmengen Kies und Zement und an das Einrichten mit Originalgegenständen. „Ich stellte eine Tafel an den Zaun, was wir suchen, und die Leute fanden jede Menge in ihren Speichern und Scheunen“, erinnert sich der 83-Jährige, der davon profitierte, dass die bei Kriegsende Not leidenden Menschen aus den Bunkern alles „plünderten“, was sich finden ließ: Stahl und Eisen für Bauarbeiten, die Gitterroste der Feldbetten zum Sieben der Erde für Gemüsebeete, Lampen, Blechkannen und Vieles mehr. In seiner „Zentralwerkstatt in Lauterschwan“ hat der gelernte Maschinenmeister alles entrostet, repariert und konserviert und Stück für Stück im Museum zusammengeführt. Und weil das Glück mit den Tüchtigen ist, wurde die Sammlung sogar mit einem Maschinengewehrgeschütz vom Bundeswehrmuseum Dresden komplettiert. „Diesem Geschütz gewährte ich Asyl, weil es zur Originaleinrichtung gehört“, schmunzelt Fuchsgruber und betont: „Andere Waffen oder Reichsreliquien sieht man hier nicht, weil es mir vor allem um Heimatgeschichte als Teil der europäischen Geschichte geht.“ Deshalb ist der Museumsgründer, der sein Ehrenamt vor zehn Jahren an den 2016 verstorbenen Manfred Mizkunaz abgab, „riesig froh“ darüber, dass auch der dritte Mann in dieser sensiblen Funktion hinter diesem Konzept steht und den Blick auf die Region sogar noch verstärken will. Dass Martin Galle für diese Aufgabe Feuer und Flamme ist, sieht man nicht nur an seinen Pumuckl-roten Haaren, die er sich auf den Tag genau mit Übernahme dieses Ehrenamtes zulegte. Man spürt es auch, wenn der Hüne von Mann über sein Spezialgebiet, in dem er als international gefragter Experte gehandelt wird, voller Tatendrang spricht: Ihm geht es nicht nur um die Kriegshandlungen und um die Soldaten, die äußerst beengt in den zwei Meter dicken Bunkermauern hausten, sondern auch um die Menschen, die den Westwall bauten, um die Verweigerer, die im SS-Sonderlager Hinzert „umerzogen“ wurden, um die „Malgrénous“, die im Grenzgebiet Elsass-Lothringen-Luxemburg lebten und wider ihren Willen zur Wehrmacht eingezogen wurden. Und nicht zuletzt um die Zivilbevölkerung, die für den sogenannten „Reichsnährstand“ zur mathematisch exakt ermittelten Eier- oder Entenabgabe gezwungen oder gar enteignet und vertrieben wurde. Auch so kann man den Irrwitz eines Krieges erklären, weiß Galle, der diese Tatsachen gerne in seine lebhaften Museumsführungen einbaut. Untergebracht ist das Museum in zwei Bunkern des Regelbaus 516a. Bunker 1 zeigt einen im Original eingerichteten Artilleriebunker, im Bunker 2 findet an vielen Informationstafeln die Aufarbeitung der Geschichte vom Versailler Vertrag bis zum heutigen Tag statt. Der dritte Bunker birgt noch Potenzial für seine zukünftige Verwendung als Ausstellungs- oder Veranstaltungsraum. Kein Wunder, dass sich Martin Galle, der bei seinem Zeit raubenden Ehrenamt von seiner Frau Claudia unterstützt wird, über weitere Mitstreiter freuen würde. Info —Mittwoch, 6. Juni, 16 Uhr offizielle Feier, danach, von 17 bis 20 Uhr kostenloser Eintritt mit Verpflegung aus der Gulaschkanone durch die Reservistenkameradschaft Bad Dürkheim —Samstag, 9. Juni, kostenloser Museumseintritt von 12 bis 19 Uhr —Sonntag, 10. Juni, normaler Museumsbetrieb —Geöffnet ist das Westwallmuseum jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat und an allen Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. —www.otterbachabschnitt.de und www.bad-bergzabern.de/kultur/westwallmuseum.html

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