Kreis Südliche Weinstraße „Machen, was die Frau sagt“

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„Das Geheimnis einer langen Ehe ist Liebe“, sagt Ingeborg Holejsovski. Heute auf den Tag sind sie und Ihr Mann Josef 60 Jahre verheiratet und feiern ihre Diamantene Hochzeit. Krieg und Vertreibung haben ihr Leben geprägt, aber auch viele Reisen rund um die Welt.

Ingeborg Holejsovski ist 86 Jahre alt, ihr Mann wird in Kürze 90 Jahre. Seit 20 Jahren verbringen die beiden ihren Lebensabend in Bad Bergzabern. Auch für Josef Holejsovski ist das Geheimnis einer langen Ehe ganz einfach. „Man muss immer machen, was die Frau sagt“, antwortet er der RHEINPFALZ schmunzelnd. Geboren ist er 1924 im Wallfahrtsort Maria Radschitz in Böhmen, seine Frau 1928 in Glogau in Schlesien. „Meinen Familienstammbaum kann man bis 1395 zurückverfolgen, mein Onkel hat das ausgeknobelt“, sagt er stolz. Kennengelernt haben sich die beiden bei einer Maifeier 1952 in Weimar, wo beide die Verwaltungsschule besuchten. „Sie hat die Fahne geschwungen, als wollte sie ein Ungeheuer abwehren“, erinnert sich ihr Mann. Er hat mit 18 Jahren seine Lehre als Kaufmann absolviert und ist Abteilungsleiter in einer Fleischwarenfabrik, als er in den Krieg muss. Viermal wird er schwer verwundet, ein Wunder, dass er überlebt hat. Seine spätere Frau, die Sekretärin gelernt hat, lebt bis 1945 in ihrem Heimatort. Beide werden nach dem Krieg vertrieben, nach Meiningen in Thüringen. „Sie war Landesmeisterin im Maschineschreiben, Steno kann sie heute noch“, erzählt ihr Mann. 1954 heiratet das Paar. „Es war eine ganz kleine standesamtliche Feier, ich hatte ein weißes Kleid an“, erinnert sich Ingeborg Holejsovski. Das Leben in der DDR ist für das Paar nicht einfach, beide waren keine Mitglieder der SED und vielleicht deshalb Vorwürfen wie dem der Sabotage ausgesetzt. Ihr Sohn Andreas wird 1954 geboren, 1960 entschließt sich das Paar vor dem Mauerbau zur Flucht in den Westen. „Wir kamen mit einem ganz kleinen Koffer im Notaufnahmelager Gießen an“, erinnert sich Sohn Andreas, der heute in Minfeld lebt. „Ich habe immer gesagt, die Mauer muss weg, als es soweit war, habe ich es nicht begriffen“, sagt Ingeborg Holejsovski. Ihr Mann findet nach der Flucht Arbeit in der Buchhaltung der Universität Gießen, später bei den Stadtwerken. „Er hat die elektronische Datenverarbeitung aufgebaut, damals wurde noch mit Kabeln programmiert“, erzählt sein Sohn für ihn, da sein Vater Hörprobleme hat. Bis 1973 ist Josef Holejsovski Leiter der betriebswirtschaftlichen Abteilung der Stadtwerke. Seine Frau arbeitet in Sekretariaten verschiedener Schulen in Gießen. Sie bauen sich eine Existenz auf und sie reisen viel. „Amerika kennen sie in- und auswendig“, sagt ihr Sohn. „Wir sind auch sehr gerne in Europa gereist, vor allem nach Italien“, erzählt seine Mutter. Zur Ehrentag gratulieren heute auch die beiden 19- und 21-jährigen Enkel. (pfn)

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