Herxheim
„Möge die Macht mit dir sein“: Aus Star-Wars-Liebe wird Firmenimperium
Ob Walter White aus der preisgekrönten Serie „Breaking Bad“, Han Solo aus dem Star-Wars-Universum, Bud Spencer oder Captain America – wer durch die Räume der Herxheimer Firma Heo geht, trifft auf zahlreiche Figuren aus Filmklassikern. Sie stehen dort lebensgroß, als Büste oder in Miniatur. Schnell fühlt man sich wie in einer Welt voller Geschichten und Erinnerungen. Doch was genau macht die Firma, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert?
Ein Blick in die Vergangenheit hilft. Ihren Anfang nimmt die Geschichte in den Kinderzimmern von Ulrich Dudenhöffer, Christoph Reichelt und Marcel Baudy. Die drei Freunde begeisterten sich für Star Wars, Sammelkarten und die Popkultur. Bald reifte der Entschluss, die Produkte nicht nur selbst zu sammeln, sondern sie auch anderen Fans zugänglich zu machen.
Gründung und erste Schritte
Mit Erreichen der Volljährigkeit gründeten sie 1996 die Firma Hellfire Entertainment. Die ersten Geschäftsräume waren die eigenen Kinderzimmer. Telefoniert wurde über die Festnetzanschlüsse der Eltern, die ersten Kundenkontakte entstanden über Kataloge, Telefonbücher und Messen. Früh nutzten die Gründer die damals noch junge Welt des Internets: Über Modem und Computer knüpften sie Kontakte zu Händlern und Herstellern in den USA und Asien.
Der Start verlief alles andere als glamourös. Zeitweise waren die Telefonrechnungen höher als die Umsätze, erzählen die Gründer Ulrich Dudenhöffer (48) und Christoph Reichelt (49) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Doch die Herxheimer glaubten an ihre Idee, getreu dem Star-Wars-Ausspruch „Möge die Macht mit dir sein“. Schritt für Schritt entstand ein internationales Netzwerk. In den 2010er-Jahren errichtete das Unternehmen Standorte in Metropolen wie Barcelona, Tokio, Seattle und Hongkong.
Der erste Laden
1998 eröffnete Hellfire Entertainment seinen ersten stationären Laden auf dem Gelände der Gemeindewerke in Herxheim nahe dem Rathaus. Auf lediglich 40 Quadratmetern wurden Sammelkarten, Spiele und Fanartikel verkauft. Noch im selben Jahr folgte der Umzug in die Landauer Reiterstraße. Dort wurde das Einzelhandelsgeschäft ausgebaut, erste Lagerflächen kamen hinzu.
Mit dem Wachstum stiegen die logistischen Anforderungen. Im Gewerbegebiet Horst in Landau bezog das Unternehmen seine erste größere Lagerhalle mit Büroflächen. Zwischen den Regalen legten Mitarbeiter die Wege teilweise mit Cityrollern zurück, um schneller an die Waren zu gelangen. Zudem entstand eine Spielfläche, auf der Jugendliche aus der Region gemeinsam Karten- und Brettspiele spielen konnten.
Aufschwung durch Pokémon
Einen entscheidenden Schub brachte Ende der 1990er-Jahre der erste große weltweite Pokémon-Boom. Die steigende Nachfrage nach Sammelkarten und Fanartikeln sorgte für zusätzliche Umsätze und legte die Grundlage für weiteres Wachstum. Aus dem kleinen Händler entwickelte sich zunehmend ein internationaler Konzern für Lizenzprodukte, Spiele und Sammlerstücke. 2008 kehrte das Unternehmen nach Herxheim zurück und errichtete dort sein erstes eigenes Firmengebäude im Gewerbegebiet nahe der A65. Rund 30 Mitarbeiter waren damals beschäftigt. Trotz der beginnenden weltweiten Finanzkrise wuchs das Unternehmen weiter.
Fokus auf Großhandel und Markenaufbau
2010 verabschiedete sich Heo vom klassischen Einzelhandel und konzentrierte sich vollständig auf den Großhandel sowie den internationalen Vertrieb. Der Standort in Herxheim entwickelte sich dynamisch. Weil die Kapazitäten schnell erschöpft waren, entstand 2014 ein Erweiterungsbau. Weitere Lagerflächen wurden zeitweise auch in Landau betrieben.
2019 folgte der nächste große Schritt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des bisherigen Firmengeländes wurde ein weiteres, größeres Gebäude errichtet. Dort befindet sich heute der Hauptsitz des Unternehmens. Und wer sich Heo genauer anschaut, kommt zu dem Schluss, dass diese Firma in jeder modernen Großstadt eine gute Figur machen würde – doch das Herz von Heo liegt weiterhin in Herxheim. „Hier ist auch der Sitz unserer Produktentwicklung“, sagt Ulrich Dudenhöffer. Marcel Baudy zog sich 2021 aus dem operativen Geschäft zurück.
Sortiment und Kunden
Längst ist aus Hellfire Entertainment das Unternehmen Heo geworden. Der Name geht auf die Ende der 1990er-Jahre erworbene Internetdomain „heo.com“ zurück. Das „o“ steht für „online“, aus „Hellfire Entertainment Online“ wurde schließlich die Marke Heo. Seit 2008 trägt das Unternehmen offiziell diesen Namen.
Heute zählt Heo zu den führenden Vertriebsgesellschaften für Lizenzprodukte, Sammelartikel und Spiele in Europa. Das Sortiment umfasst mehr als 30.000 Artikel aus über 1000 Lizenzwelten und mehr als 350 Marken. Zu den Partnern gehören namhafte Unternehmen wie Disney, Mattel und Hasbro. Neben dem Vertrieb hat Heo auch eine eigene Produktlinie. Besonders erfolgreich ist die Zubehörmarke „Ultimate Guard“, die weltweit bei Sammlern und Spielern bekannt ist und rund 800 Artikel umfasst. Die Preise der vertriebenen Stücke variieren stark. Los geht es bei etwa 30 Euro, individuelle Sammlerstücke können auch mehr als 10.000 Euro kosten.
Standorte und Nachhaltigkeit
Das Unternehmen verzeichnet nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro und beschäftigt aktuell rund 300 Mitarbeiter weltweit – davon etwa 250 am Standort Herxheim. Das Team soll sich wohlfühlen: Heo verfügt in Herxheim beispielsweise auch über ein eigenes Fitnessstudio.
Neun internationale Niederlassungen sorgen dafür, dass Produkte in zahlreiche Länder geliefert werden. Produziert wird teils in Herxheim, aber auch in den USA und Asien. Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt das Unternehmen auf moderne Lösungen. Der Energiebedarf am Standort Herxheim wird fast ganz über Strom gedeckt. Fossile Brennstoffe kommen nach Unternehmensangaben nicht zum Einsatz.
Am Standort Herxheim ist die Fläche noch nicht ausgereizt, das Unternehmen könnte noch weiter wachsen. Konkrete Pläne hierzu gibt es aber noch nicht. Klar ist: Die Gründer sind ihrer Heimat bis heute treu geblieben, obwohl sich das Unternehmen längst weltweit etabliert hat. Und das soll auch so bleiben.