Kreis Südliche Weinstraße Lug: „Nicht jeder seine eigene Suppe kochen“
Gegenüber: Arbeiten in einer katholischen Einrichtung und gleichzeitig Gottesdienste in einer evangelischen Kirche halten? David Kögler aus Lug hat diesen ungewöhnlichen Schritt gewagt. Die freiwillige Feuerwehr und der 1. FCK sind weitere große Leidenschaften des Heilerziehungspflegers.
Lug. David Kögler sieht im ökumenischen Ansatz eine Chance für die Kirchen. Er ist Lektor für die protestantische Kirche und arbeitet im katholischen Conrad-von-Wendt-Haus in Dahn als Heilerziehungspfleger. Dieses gehört zur Caritas. Während seiner Lehrzeit bekam der einen Anruf vom Träger aus Köln. „Ich dachte erst, was habe ich verbrochen?“, erinnert sich Kögler. „Er kam dann, wir saßen auf der Terrasse und er zündete sich eine Zigarette an. Er hatte von meinen kirchlichen Tätigkeiten gehört und gefragt, ob ich mir vorstellen kann, in ihrer Einrichtung zu arbeiten“, erzählt Kögler, der selbst protestantisch ist.Der 32-Jährige ließ sich das Angebot eine Nacht durch den Kopf gehen und sagte dann zu. Die Einrichtung sei ökumenisch eingestellt und für alle Religionen offen. Das findet Kögler sinnvoll. Er wird von jedem in der Einrichtung akzeptiert. „Sie sind alle froh, dass ich das mache. Heutzutage kann nicht mehr jeder seine eigene Suppe kochen“, sagt er.
In der Einrichtung ist er Ansprechpartner für gottesdienstliche Angelegenheiten. Das bedeutet, er betreut die Bewohner, sorgt für ihr Wohlbefinden und fördert sie und ihre Fähigkeiten. Gehirnleistungstraining und Holzarbeiten in der Werkstatt gehören dazu.
Seine Leidenschaft zur Kirche wurde schon früh geweckt. Seine Mutter sei kirchlich erzogen worden. Seine kirchliche Laufbahn begann in Spirkelbach. „Mein Opa hat hier einen Förderverein gegründet, um die Kirche zu renovieren. Das war der erste Meilenstein“, sagt der 32-Jährige. Als sein Großvater starb, sei er der Kirche noch näher gekommen.
Zunächst betreute Kögler die Konfirmantenfreizeit, dann bewarb er sich als Lektor der evangelischen Landeskirche im protestantischen Pfarramt in Wilgartswiesen. „Bei der zweiten Bewerbung hat es geklappt“, erinnert er sich. Er hält Wortgottesdienste, wenn Pfarrer im Urlaub sind oder keine Zeit haben. Seine Predigten schreibt Kögler nicht selbst. „Ich schaue im Internet. Die Predigten nehme ich dann entweder so wie sie sind oder passe sie ein wenig an“, sagt er.
Sein nächstes Ziel ist klar: Er will Prädikant werden. Dann dürfe er Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Abendmahle halten. Bei der ersten Bewerbung wurde er abgelehnt. „Damals war ich noch nicht so weit. Aber das ist mein Ziel“, sagt er.
Früher wollte er Pfarrer werden. Diesen Traum hat er heute aufgegeben. Es sei ihm zu viel Bürokratie und die Anforderungen zu hoch. „Man muss im Studium hebräisch, latein und griechisch lernen. Als Pfarrer kommt man heutzutage ganz schön an seine Grenzen. Viele sind ausgebrannt“, sagt Kögler. Viele Pfarrämter seien zu groß. Besonders junge Pfarrer solle man langsam heranführen und nicht gleich verheizen, ist er überzeugt. „Der wirtschaftliche Aspekt der Kirchen sollte mehr hintan werden, der seelsorgerische Teil wieder in der Vordergrund rücken.“
Prägende Personen in Köglers Kirchenleben waren Christoph Müller, der zu Köglers Ausbildungszeit Pfarrer in Wilgartswiesen war, und Ludwig Burgdörfer, Köglers Lektorenkursleiter. „Ich hatte damals keinen Mentor. Ludwig Burgdörfer hat sich meinen Gottesdienst angeschaut und war fasziniert, dass so viele Leute kamen. Er hat dann gesagt, er macht’s“, erinnert sich Kögler. Mit beiden treffe er sich heute noch, beide kann er jederzeit um Rat fragen.
Wenn Kögler nicht in der Kirche ist, ist er entweder bei der freiwilligen Feuerwehr in Spirkelbach, diese liegt direkt gegenüber der Kirche, oder verfolgt den 1. FCK. Früher hatte er eine Dauerkarte für den Betzenberg. „In letzter Zeit bin ich nicht mehr so oft da. Ich bin mittlerweile verheiratet und verbringe mehr Zeit mit meiner Frau. Außerdem ist sie Bayern-Fan, da gibt es einen Interessenskonflikt“, scherzt der Pfälzer.