Kreis Südliche Weinstraße Lieber ledig als erledigt

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Wenn Lachen tatsächlich die beste Medizin ist, dann laufen die Besucher der Aufführungen im Gasthaus „Zur Pfalz“ (umgetauft: „Goldener Gockel“) Gefahr, eine Überdosis zu erhalten. Denn auch in diesem Jahr hat die Theatergruppe im Spielmannszug Hochstadt unter der Leitung von Gerhard Ehrstein und Wolfgang Manger eine Komödie einstudiert, in der ein Witz und Schenkelklopfer dem nächsten folgt.

„Ne Macke hat doch jeder“, hat Autorin Beate Irmisch ihren Dreiakter überschrieben. Monika und Gerhard Ehrstein und Claudia Hartmann haben das Stück in Pfälzer Mundart übersetzt. Weil aber die Protagonisten zur Jagd in der Pfalz aus Köln kommen, haben Gerhard Ehrstein und Matthias Köhler als Vater und Sohn von Knöttelmeier ihre Texte durchgängig und überzeugend im Kölner Dialekt einstudiert. Die Britin Jean Hann darf als Elisabeth von Knöttelmeier ihren englischen Akzent ausspielen und mimt überzeugend die Rolle der überbehütenden Mutter eines erwachsenen Sohnes, den sie mit der Tochter des Wirtsehepaares verheiraten will. Als Neuling der Truppe schlüpft Silke Junkert in blaue Latzhosen und damit in die Rolle von Wirtstochter Heidi, die von dem Riesenbaby aus Köln nichts wissen will. In der Meinung, es sei Heidi, verliebt sich dieser in Gloria (Patricia Lang), die heimliche Geliebte des Vaters, die ebenfalls im Waldhotel absteigt. Als Tiermedizin-Studentin wehrt sich Heidi gegen die vom Förster (Wolfgang Manger) aufgestellten neuen Regeln für die bevorstehende Treibjagd. Gockel-Wirtin Agathe (Claudia Hartmann) ist mit ihrer Figur nicht zufrieden, weshalb ihr Gatte lästert: „Alle essen Salate, nur meine Agathe, die isst gern Schokolade.“ Ursel Ehrstein glänzt in der Rolle der Köchin Berta, die ein Auge auf den Waldarbeiter geworfen hat und enttäuscht erfahren muss, dass nicht sie, sondern „der Durschd“ den Angebeteten in die Wirtschaft getrieben hat. Franz bleibt lieber „ledig als erledigt“ und erklärt der Verschmähten: „Wenn ich Luschd hab, ä Schnitzel zu esse, muss ich doch kä ganzie Sau kaafe.“ Als Ferdinand Gockel erfährt, dass der Sechzehnender, den der Hobbyjäger von Knöttelmeier schießen will, unter Naturschutz steht, wird der Hotelier „ so blass wie im Dinjer sei Weißelberschd“. Mit Ernst Dambach in der Rolle des Hotelbesitzers und Erich Frei alias Franz Hirsch bereichern zwei Naturtalente in Sachen Spaß und Klamauk die Truppe. Davon profitieren die Zuschauer besonders in der Ausführung von Bertas rettender Idee, die für den nachgemachten Hirschen mit einem Schuss in den Hintern endet. Für die Kulisse haben Schreiner Dambach, Peter Wittenmeier und Karl Hinderberger die Bühne mit ausgestopften Waldtieren und Geweihen an den Wänden zum Waldhotel gestaltet. Simone Adam und Michaela Ullmer stylen die Darsteller in die Charakteren ihrer Rollen, und sollte der vielsprachige verbale Schlagabtausch ins Stocken geraten, flüstern Monika Hinderberger und Andrea Manger den Kollegen auf der Bühne die passenden Worte zu. Allein die Gestaltung der Eintrittskarte ist der Besuch einer Aufführung wert, denn kein Geringerer als der in Hochstadt lebende Künstler Werner Brand hat den wilden Gockel darauf gemalt.

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