Offenbach
Legendäres Tanzlokal „Datscha“ in Offenbach soll für rund 60 neue Wohneinheiten weichen
Wer derzeit nach Immobilien im Kreis Südliche Weinstraße Ausschau hält, wird vielleicht eine Doppelhaushälfte in der Offenbacher Neumühle entdeckt haben. Sie steht derzeit zum Verkauf. Manche werden sich wegen der Lage des Wohnhauses abgeschreckt fühlen, weil der Ortskern etwa drei Kilometer entfernt ist. Tägliche Fahrten mit dem Auto, egal wohin, sind programmiert. Allerdings sollten potenzielle Käufer bedenken, dass der Ortsteil in nicht allzuferner Zukunft komplett anders aussehen könnte. Die Neumühle verbinden Südpfälzer meist mit dem Tanzlokal „Datscha“, das sich dort seit Jahrzehnten befindet. Unzählige Paare haben sich in der Lokalität kennengelernt, noch heute kann dort das Tanzbein geschwungen werden. In nicht allzuferner Zukunft könnte das aber Geschichte sein. Denn das Gebäude soll abgerissen werden, damit die Neumühle zu einem größeren Wohngebiet wachsen kann.
Wie Ortsbürgermeister Axel Wassyl auf Anfrage der RHEINPFALZ berichtet, soll das berüchtigte Tanzlokal zwei- und dreigeschossigen Gebäuden weichen. Zwischen 60 und 65 Wohneinheiten sollen an dessen Stelle entstehen. Für jede Wohnung seien zwei Stellplätze vorgesehen, dabei seien teilweise Tief- und Hochgaragen geplant. Antragsteller des Projektes ist das Architekturbüro hausgemacht GbR aus Landau. Das Projekt und mögliche Alternativen wurden Anfang des Jahres dem Bauausschuss vorgestellt. Gegenüber der RHEINPFALZ möchte sich das Architekturbüro aber derzeit nicht äußern. Wer die Investoren hinter dem Projekt sind, kann Wassyl nicht sagen.
Gebiet braucht Anschluss an Busverkehr
Bis das Projekt in Angriff genommen werden kann, ist es noch ein weiter Weg. Es handelt sich schließlich um eine Bauvoranfrage für das Areal. Heißt: Die Verantwortlichen wollen klären, ob und mit welchen Einschränkungen das Bauvorhaben verwirklicht werden kann. Die Gemeinde kann entscheiden, ob ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss und ob sie Rahmenbedingungen vorgibt. Die Planungen können anderthalb, eher zwei Jahre dauern. Da es sich bei der Neumühle künftig um ein reines Wohngebiet handeln soll, seien neue Gutachten erforderlich, etwa was das Thema Lärmschutz betrifft.
Solch ein Bauprojekt kann für Marco Gensheimer nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Infrastruktur vorhanden ist. Diese müsse in der Neumühle aber erst geschaffen werden, sagt der Offenbacher, der für die CDU als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat sitzt. „Es müsste unter anderem ein geregelter Busbetrieb eingerichtet werden“, sagt er auf Anfrage der RHEINPFALZ. Bislang halte an der Neumühle nur ein Schulbus, sonst seien die Bewohner fast ausschließlich auf ihre Autos angewiesen. Es gebe zwar einen gemeinsamen Fuß- und Radweg, der an der Kläranlage, den Reiterhof und den Tennisplätzen vorbei führe und am Penny-Markt ende. Der Weg von der Neumühle zum Ortskern sei allerdings nicht zu unterschätzen. „Es werden sich sicherlich auch Familien mit Kindern in der Neumühle niederlassen. In den Planungen muss deshalb berücksichtigt werden, dass in den Kitas beziehungsweise in der Grundschule genügend Betreuungsplätze geschaffen werden“, gibt Gensheimer zu bedenken. Vielleicht sei auch die Errichtung einer neuen Kita im Ortsteil denkbar.
Betreiber und Investoren schweigen
Auch der Verkehr in Richtung Neumühle wird nach der Realisierung des Projekts zunehmen, ist Wassyl überzeugt. Deshalb wäre eine Linksabbiegespur von der K 40 in Richtung des Ortsteils denkbar. Bei verkehrsrechtlichen Fragen müsste aber der Landesbetrieb Mobilität einbezogen werden. „Hierzu wird das Planungsbüro einen Sachstand abgeben“, berichtet Wassyl. Vieles, was das Bauprojekt betrifft, werde sich zunächst nur im Hintergrund abspielen. „Selbst wenn es schnell und zielgerichtet angegangen würde, können bis zu einer möglichen Bebauung durchaus noch zwei Jahre oder mehr vergehen. Darum gehe ich davon aus, dass noch viele Tanzrunden auf dem Parkett des Datscha gedreht werden, bevor die Abrissbagger anrücken“, sagt Wassyl. Der Betreiber des Tanzlokals, SR Events aus Offenbach, möchte sich auf Anfrage nicht zum Projekt äußern. Er lässt lediglich verlauten: „Bis vor Fasnacht 2022 wird sich sicherlich nichts am Betrieb des Datscha ändern.“