Kreis Südliche Weinstraße
LBM favorisiert B-10-Ausbau mit Paralleltunneln bei Annweiler
Der B-10-Ausbau kommt immer weiter auf das Nadelöhr Annweiler zu. Für die Tunnelstrecke muss eine Lösung her. Der Landesbetrieb Mobilität hat einen Favoriten. Es ist nicht die Variante, die sich die Anrainer-Kommunen gewünscht haben. Stößt der Vorschlag trotzdem auf Akzeptanz?
2007 war es, als sich die Koalitionsmehrheit im Kreistag SÜW nach vorherigen Widerständen für den vierspurigen Ausbau der B 10 aussprach – unter der Bedingung eines Basistunnels bei Annweiler. Wer in der Region über die Tunnelfrage sprach, kam um den Basistunnel nicht herum. Also einem Durchstich von Queichhambach bis zum Wellbachtal. Noch im Mai dieses Jahres richtete der Annweilerer Verbandsbürgermeister Christian Burkhart (CDU) einen Appell an das Verkehrsministerium: „Nehmen Sie den Basistunnel mit zwei getrennten Röhren als Grundlage für die Planung.“ Alles andere sei „unrealistisch und nicht konsensfähig“. Rückhalt bekam er vom Landrat und den Bürgermeistern der Anrainerkommunen.
Vorzugsvariante ist nicht Wunschvariante
Nun hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer seine Vorzugsvariante für den Ausbau des Abschnitts zwischen Rinnthal und Queichhambach vorgestellt. Und es ist nicht der Basistunnel. Aufschreie deswegen blieben bei der Sitzung des Verbandsgemeinderats Annweiler am Mittwochabend aber weitgehend aus. Lediglich Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Schreiner hielt für die Ausbaugegner die Fahnen weiter lautstark hoch. In zwei, drei Wortmeldungen fiel noch mal das Wort Basistunnel, aber die meisten schienen sich einfach einig, dass eine Lösung für die neuralgische Stelle her muss. Mit der Vorzugsvariante lässt sich’s anfreunden.
Und es ist auch noch nicht aller Tage Abend. Es geht derzeit nur um Vorplanungen. Der LBM muss mit einer Vorzugsvariante in das Raumordnungsverfahren gehen – im Frühjahr 2020 soll es so weit sein. Geprüft werden aber alle Optionen. Das sind vier Hauptvarianten mit jeweils einer Nebenvariante. Sie reichen vom zwei- oder vierspurigen Basistunnel über Paralleltunnel bis zur großräumigen Umfahrung. Entsprechend unterscheiden sich auch Längen (6,4 bis 11,1 Kilometer) und Kosten (213 bis 374 Millionen Euro). Letztlich werden die verkehrlichen Vor- und Nachteile, die Kosten und die Umweltverträglichkeit abgewogen, dann wird eine Entscheidung gefällt. Bis die Tunnelstrecke ausgebaut ist, wird aber noch viel Wasser die Queich herunterfließen. Burkhart warf am Mittwoch 20 bis 30 Jahre in den Raum. LBM-Leiter Martin Schafft wollte sich zu gar keiner Aussage verleiten lassen.
Was kann der LBM-Favorit?
A2 heißt die Vorzugsvariante des LBM. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Tunnelstrecke, die annähernd parallel zur bisherigen verläuft. Der Verkehr Richtung Landau würde durch die alten Tunnel geführt, der Verkehr Richtung Pirmasens durch die neu gebauten. Die Anschlussstelle Annweiler-Ost müsste umgebaut werden, um alle Straßenarme anzuschließen. Von dort würde ein knapp 2,2 Kilometer langer Tunnel an Annweiler vorbeiführen. An der Anschlussstelle Annweiler-West würden die alte und die neue Tunnelstrecke an einem Kreisverkehr zusammengeführt und danach wieder getrennt werden.
Im Vergleich zu Variante A1, die bis zur Anschlussstelle Wellbachtal zwei Tunnel und eine Brücke beim Friedhof Rinnthal vorsieht, hätte A2 einen durchgehenden Tunnel. Das kostet zwar 45 Millionen Euro mehr, würde das dortige Gräfenhausener Tal aber mit weniger Lärm belasten. 5,8 Kilometer Tunnelstrecke, 210 Meter Brücken, 70 Meter Galerie und rund zwei Kilometer freie Strecke kämen auf 276 Millionen Euro.
Warum ein Riesen-Kreisel?
Noch mal zurück zum vorgesehenen Kreisel bei Annweiler-West. Wer den jetzigen dort kennt, das ist ein Fliegenschiss dagegen. Der neue soll 100 Meter Durchmesser haben. Ähnlich dem B-10-Kreisel bei Pirmasens-Fehrbach. Dort liegt der Kreisel über der B 10, in Annweiler wäre der Kreisel unter der B 10. Dafür müsste in den Fels hineingebaut werden. „Aber es muss nicht der ganze Berg weggeräumt werden“, sagte Goerz. Der nördliche Kreisel-Teil sei in Tunnel- und Galeriebauweise gedacht. Aber ist so ein Mega-Bauwerk wirklich nötig? „Viel kleiner geht es leider nicht“, so Goerz auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Denn vier Fahrstreifen und alle Anschlussäste müssten angebunden werden.
Warum wohl kein Basistunnel?
Ein zweispuriger Basistunnel wäre sogar die günstigste aller Optionen. Hätte allerdings den Nachteil, dass die B 48 Richtung Bad Bergzabern nur aus einer Richtung direkt angebunden wäre. Die „Luxusvariante“ wäre ein zweiröhriger Basistunnel für alle vier Fahrspuren. Wer weiter Richtung Pirmasens oder Landau will, nutzt diesen. Wer den Raum Annweiler anfahren will, gelangt über die alte Tunnelstrecke dorthin. Aber nicht nur der Bau würde etwa 100 Millionen Euro mehr verschlingen, auch der Unterhalt von drei Tunnelröhren würde mehr kosten. Ob der Bund dafür das Geld gibt, ist äußerst fraglich. Kaum vorstellbar ist, dass die weiträumige Südumfahrungen Annweilers näher in Erwägung gezogen wird. Zu lang, zu kompliziert, zu teuer.
Nach dieser Vorabinformation plant der LBM eine Kick-off-Veranstaltung, bei der sich Bürger mit ihren Anregungen in den Planungsprozess einbringen können.