Kreis Südliche Weinstraße „Lassen Sie die Waffe fallen!“
Hinter der sperrigen Bezeichnung „gestellter Polizeieinsatz zur Bewältigung von Gefahrensituationen an einer Schule“ verbirgt sich die zweite praktische Amokübung der Landauer Polizeiinspektion in Zusammenarbeit mit Schulen, an der auch Einsatzkräfte der Polizeiwache Annweiler und der Polizeiinspektionen Germersheim, Wörth, Edenkoben und Bad Bergzabern teilnehmen (wir berichteten über die erste Übung am 21. Oktober 2015, „Attentäter kommt durch die Küche“). Sie sei bewusst in die Osterferien gelegt worden, also in die unterrichtsfreie Zeit. Im Ernstfall wüssten die Lehrer genau, wie sie sich mit den Schülern zu verhalten hätten, informiert Dienststellenleiter Peter Berens, der die Trainingseinheit mit seinem Stellvertreter Florian Herder und Dienstgruppenleiter Daniel Mischon beobachtet. Zuvor seien die Kollegen an zwei Tagen für den Einsatz vorbereitet worden, berichtet Berens. Geprobt werde, wie die „Kontaktteams“ sich der Person zu nähern hätten, wie sie sich selbst schützten und schließlich den Täter „neutralisierten“. Es gehe zudem um fachmännische Rettung von Verletzten. Daher seien auch Sanitäter und Feuerwehrleute einbezogen. Während Berens erläutert, geht der Sprechfunkverkehr unvermindert weiter. „Bilden Sie Kontaktteams und greifen Sie zu“, heißt es von der Einsatzleitung an die Streifendienstwagen im Umkreis der Stadt. „Notzugriff angeordnet. Täter soll sich vermutlich im Raum 220 aufhalten“, kommt es zurück. Auf den Polizeiwachen würden inzwischen vorbereitete Checklisten abgehakt, so Berens. Jede Bewegung sei eingeübt. Dennoch stünden die Kollegen im Einsatz ungeheuer unter Stress, ergänzt Herder. Selbst im Training. Sie müssten gemeinsam im richtigen Moment handeln, in Sekundenbruchteilen richtig reagieren. „Wir sind vor dem Objekt, bilden mit Laura 10 das Rettungsteam“, ruft es aus dem Funkgerät. „Laura 10“ ist das Kürzel für die Polizeiinspektion Landau. Eng aneinander gedrückt, dringen drei Polizisten in das Schulgebäude ein, einer voran, ausgestattet mit einem speziellen Körperschutz. Die beiden anderen decken ihn mit über dessen Schultern erhobenen Pistolen. Es sind keine echten Waffen, nur rote Attrappen. „Wo ist der Täter?“ ruft der erste. Auf der Treppe liegt ein fingierter Verletzter und weist nach oben. Dann geht es ganz schnell. Die Männer halten sich eng aneinander, eilen durch die Gänge, öffnen Türen, rufen hinein. Schließlich haben sie den „Täter“ in der Turnhalle ausfindig gemacht. „Die Waffe weg! Lassen Sie die Waffen fallen!“ Der Mann gehorcht. Er muss sich bäuchlings auf eine Matte legen. Die Handschellen klicken. Nicht weit von ihm liegt ein „Verletzter“ mit „Bauchschuss“ und ruft um Hilfe. Da eilen schon die Sanitäter vom DRK herein. Damit sei der Einsatz noch längst nicht zu Ende, erklärt Herder. Es könnte sich ja noch jemand verborgen halten. Auch könne die Hilfe- und Rettungskette erst jetzt richtig anlaufen. Denn zunächst gelte immer, den Täter fassen. Die psychische Belastung, an Verletzten vorüberzulaufen, müssten die Polizisten aushalten.