Südpfalz
Krimikomödie „Sechs Fremde und ein Dackel“ als Gemeinschaftswerk
Die Zugfahrt in Richtung der deutschen Hauptstadt ist durch einen Zwischenfall unterbrochen, dafür nimmt aber die Krimikomödie „Sechs Fremde und ein Dackel“ so richtig Fahrt auf – angeheizt auch von der Südpfälzer Autorin Gina Greifenstein.
Über allem hängt die Frage, welche Beweggründe die Reisenden in dem beschriebenen Zugabteil haben, dass es sie nach Berlin verschlägt. Es sind sechs Handlungsstränge, die zu Beginn nichts miteinander zu tun haben, in dem 346 Seiten umfassenden Buch allerdings miteinander verwoben werden. Dadurch, dass zu jedem Protagonisten nacheinander und im Rückblick, von einem speziellen Moment in ihrem Leben ausgehend bis zum außerplanmäßigen Stopp des Zuges, berichtet wird.
Je Autorin zwei Protagonisten
Neben den aus Freiburg beziehungsweise aus der Schweiz stammenden Autorinnen Anne Griesser und Barbara Saladin stammt das Gemeinschaftswerk aus der Feder der Südpfälzerin Gina Greifenstein, die unter anderem wegen ihrer Kochbücher und der Pfälzischen Krimi-Reihe um Kommissarin Paula Stern über die Grenzen der Südpfalz bekannt ist.
Wer Bücher der Barbelrotherin gelesen hat, dürfte ihre Handschrift in dem neuen, im Piper-Verlag erschienenen Band erkennen. Die Verschmelzung der sonst unterschiedlichen Schreibstile, die sich in dem Werk nicht so bemerkbar machen, zeichnet es allerdings auch aus. Denn dadurch gelingt es dem Trio, die Charaktere mit allen ihren Ecken und Kanten sowie ihren Schicksalen auf ihre Weise zu beschreiben.
Eine Nonne, eine Hausfrau, ein Polizist
Dass ein Zugabteil für ihr Aufeinandertreffen ausgewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Wie Greifenstein berichtet, erwartete sie vor nicht allzulanger Zeit den Besuch der beiden mitwirkenden Autorinnen, mit denen sie befreundet ist und schon einige Projekte umgesetzt hat. Doch deren Zugfahrt zog sich wegen einer Verspätung in die Länge. Und genau das nahmen die drei Frauen zum Anlass, um für ihre Komödie diese gekonnt konstruierte und absurde Geschichte zu spinnen, die für einige Lachtränen sorgen dürfte.
Da ist beispielsweise Anneliese Musebrinck. Eine Hausfrau, die nicht sonderlich glücklich ist mit ihrem seit fast 30 Jahren bestehenden Eheleben, weshalb sie ein Liebesbriefwechsel mit einem berühmten Musiker führt. Göttlich ist die Nonne Erentrudis, die nach besonderen Erlebnissen bei einem Death Metal Konzert sich dazu gezwungen sieht, jemand anderen zu bekehren.
Rezepte zum Schluss
Zu der Gruppe gehören unter anderen auch ein Auftragskiller und ein Polizist – sodass es mit fortlaufender Dauer immer spannender wird, zu erfahren, welche mörderische Absichten sie alle haben. Zumal auch noch geklärt werden müsste, wem der Dackel eigentlich gehört, der auch auf dem originell in lila und gelb gestalteten Buchcover zu bewundern ist.
Im Sommer ist laut Greifenstein in der Südpfalz eine Veranstaltung geplant, bei der die Autorinnen ein Stück ihrer Gemeinschaftsproduktion szenisch nachspielen. Als Bonusmaterial erwarten die Leser am Ende des Werks Rezepte zu im Text erwähnten Leckereien, etwa zu Annelieses Schoko-Orangen-Keksen mit Buttercreme, die in dem Buch schon verführerisch beschrieben werden. Wer es lieber herzig mag, kann sich an dem angepriesenen Wildschwein-Sauerbraten probieren.
Lesezeichen
„Sechs Fremde und ein Dackel“, Gemeinschaftsproduktion von Gina Greifenstein, Barbara Saladin und Anne Griesser, erschienen im Piper-Verlag, 2022, 348 Seiten, ISBN: 978-3-492-50540-6, 16 Euro.