Kreis Südliche Weinstraße Kriegspropaganda im Kinderzimmer

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Bad Bergzabern. Ein kleines Kind planscht fröhlich in einem Holzzuber. „Das erste Bad nach dem Schützengraben“ lautet die Unterschrift in einem Kinderbuch von 1915. Wie Kindern der Krieg nicht nur nahegebracht, sondern auch schmackhaft gemacht wurde, zeigt die Ausstellung im Museum der Stadt Bad Bergzabern: „Kriegsspiele im Kinderbuch der Kaiserzeit“, die ab kommenden Sonntag zu sehen ist.

Mehr als 100 Kinderbücher, Kriegsspielzeug, Kriegsspiele, und Postkarten sind zu sehen, die Liane Ulshöfer und Franz Schmidt, ehemaliger Bürgermeister von Edenkoben, zusammengetragen haben. Aufgebaut wurde im Team mit Rolf Ulshöfer, dem Leiter des Museums der Stadt. Welchen Beitrag Kinderbücher zur ideologischen Mobilmachung geleistet haben und in welch erheblichem Maße die Kriegspropaganda im Kinderzimmer begann, wird bei einem Rundgang schnell deutlich. Selbst das Abc wurde den Kindern durch Vorurteile vermittelt. Im „Kriegs-Abc“ wurde der Buchstabe P mit dem Satz, „Der Pudel, folget seinem Herrn, in Polen sieht man Deutsche gern“, vermittelt. „Die großen Verlage haben nach 1870 solche Kinderbücher massiv verlegt“, erklärt Franz Schmidt, der sie seit Jahren sammelt. Wie das „Kriegsbilderbuch“, in dem der kleine Willi im Traum viele Schlachten siegreich besteht und dann „umjubelt von aller Welt“ in Deutschland den „Siegeseinzug“ hält. Bunte Kriegsbilderbögen mit gemalten Bildern vom Kriegsgefangenenlager Döberitz fanden Einzug in die Wohnstuben. Thematisiert wird auch die Rolle der Mädchen im Krieg, dazu wurden Kinderbücher aber nur in bescheidenem Ausmaß gedruckt. „Nesthäkchen und der Weltkrieg“ oder das „Backfischbuch der Kaiserzeit“, sind zwei davon. Die Rolle der Mädchen und Frauen war klar: „Dem Manne ist die Welt zum Kampfplatz gegeben, dem Weibe das Haus als Friedensstätte.“ Auch über Spielzeug wurde ideologisiert: Torpedoboote, Eisenbahnwaggons mit Kriegsgerät oder Lazarettwaggons mit Verletzten oder Zinnsoldaten zum Nachspielen siegreicher Schlachten sind zu sehen. „Hergestellt wurde das Kriegsspielzeug hauptsächlich vom damals größten Kinderspielzeughersteller, der Firma Bing in Nürnberg“, erklärt Rolf Ulshöfer. Eine Vitrine ist Kinderbüchern aus dem Elsass gewidmet. „Das ist mit das härteste an Kinderbüchern“, sagt Franz Schmidt zu „Maledetto Katzelmacher“, einer Räubergeschichte für Kinder von 1915, von dem alle Seiten in Vitrinen zu sehen und zu lesen sind.

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