Kreis Südliche Weinstraße „Krass, wie jung die Gefallenen waren“

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„Am Anfang ist es komisch, auf dem Friedhof zu stehen, man guckt, dass man nicht auf die Grabsteine tritt“, sagt die 20-jährige Milena. Sie ist eine von zwölf Schülern, die im Elektronikzentrum der Bundeswehr in Bad Bergzabern eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme machen. Heute steht sie mit ihren Mitschülern und den in Bad Bergzabern stationierten Soldaten mit Gartenwerkzeug auf dem Ehrenfriedhof der Stadt, um ihn von Laub und Schmutz zu befreien.

Die Reinigung des Ehrenfriedhofs ist eine Tradition, die die Bundeswehr seit Jahrzehnten vor der Gedenkfeier zum Volkstrauertag pflegt. Zunächst nur mit Soldaten, als diese noch zahlreich am Standort waren. Seit vielen Jahren helfen Schüler der Ausbildungswerkstatt des Elektronikzentrums, in der jährlich knapp 100 Lehrlinge in drei Klassen ausgebildet werden. Schmuddelwetter, Unmengen Laub und verunreinigte Steine in 29 Grabreihen, auf denen – soweit bekannt – Name, Geburts- und Todesdatum der Gefallenen stehen, erwarten die Helfer, die dem Dreck mit Harken und Besen zu Leibe rücken. Gereinigt wird auch der Vorplatz des großen Ehrenmals, auf dem am morgigen Sonntag die Gedenkfeier ausgerichtet wird. Seit 1953 ist der Ehrenfriedhof für 913 Gefallene und Opfer von Krieg und Terror – davon sind von 189 Gefallenen keine Namen bekannt – die letzte Ruhestätte. 2011 wurde er mit Kosten von 80.000 Euro neu angelegt, Bäume und die Bodenbepflanzung wurden entfernt, das Gelände von über 2000 Quadratmetern als Rasenfläche angelegt, die Wege neu ausgebaut. „Es ist wenig bis kein Wissen bei den Schülern da“, erzählt Stabsfeldwebel Thomas Barthels, der mit anpackt und die geschichtlichen Hintergründe im Unterricht behandelt hat. „Es ist krass zu sehen, wie jung die Gefallenen waren“, sagt der 22-jährige Peter. Der jüngste Soldat, der auf dem Ehrenfriedhof bestattet ist, ist der 16-jährige Werner Postel, der älteste mit 60 Jahren Erwin Baumgartner. Barthels konnte den Schülern auch aus eigenem Erleben der Folgen von Krieg und Terror in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan berichten. Von Bestattungen muslimischer und christlicher Gefallener, die in Massengräbern gefunden wurden, von zerbombten Städten wie Sarajevo.„Ich weiß, warum Menschen fliehen“, sagt er zur Situation derer, die Schutz vor Krieg und Terror suchen. Er habe im Unterricht auch die Situation der Flüchtlinge damals thematisiert. „Es war die größte Völkerwanderung seit der Antike, bis zu 14 Millionen Menschen mussten ihre Heimat in Ost- und Mitteleuropa verlassen“, erzählt Barthels. „Es ist eine gute Aktion, sie regt zum Nachdenken an“, meint der 19-jährige Philipp, der Laub harkt. Nachdenken nicht nur über den Zweiten Weltkrieg, bei dem die Zahl der Toten auf bis zu 70 Millionen geschätzt wird. Sondern auch über die heutigen Kriege in der ganzen Welt und die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ratlosigkeit bei den Schülern. „Amerika hat mich geschockt, ich bin genervt von der Politik, alle drehen am Rad“, fasst Philipp die Verunsicherung zusammen. „Den meisten ist es nicht bewusst, dass es immer noch Kriege gibt“, sagt der 21-jährige Alfred. „Schwer“ finden die Jugendlichen, angesichts der derzeitigen Parteienlandschaft in Deutschland, eine Entscheidung zu treffen, wen sie wählen sollen. Denn attraktiv finden sie die etablierten Parteien nicht. Für die jungen Erwachsenen war es ein Vormittag zum Nachdenken, der in Erinnerung bleibt, und ein erfolgreicher Arbeitseinsatz. Nach drei Stunden war der Ehrenfriedhof von Laub und Schmutz befreit und auf die Helfer wartete im Gemeinschaftsraum der Bundeswehr eine heiße Gulaschsuppe. |pfn

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