Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Klinik-Verkauf geplatzt: Bleibt Annweiler jetzt auf dem Riesen-Areal sitzen?

Das alte Krankenhaus in Annweiler wartet nach seiner Schließung vor drei Jahren noch immer auf eine Nachnutzung.
Das alte Krankenhaus in Annweiler wartet nach seiner Schließung vor drei Jahren noch immer auf eine Nachnutzung.

Ein geheimer Käufer, ein XXL-Konzept, viel Hoffnung – und am Ende nur Ärger. Der Traum vom Gesundheitscampus Annweiler ist geplatzt. Wird das Krankenhaus nun zur Ruine?

Der Klinikum-Deal Annweiler ist geplatzt. Der geheime Investor hat auch in der Zahlungsnachfrist den Kaufpreis nicht beglichen. Noch im Sommer hatte die kommunale Familie den notariell besiegelten Verkauf als Glücksgriff gefeiert, nun wird der Vertrag wieder aufgehoben. Darauf hätten sich beide Seiten inzwischen verständigt, berichten Landrat Dietmar Seefeldt und Klinikchef Guido Gehendges im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Notartermin für den Aufhebungsvertrag soll noch in diesem Monat sein. Die Kosten dafür hat die Käuferseite zu tragen, auf die erst mit Überweisung des Geldes Besitz und Eigentum übergegangen wäre.

Diese habe inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. Die gesamte Kommunikation laufe nur noch über diesen. „Wir bedauern die Entwicklung“, sagen Seefeldt und Gehendges, machen aber auch keinen Hehl daraus, dass sie froh sind, wenn bald ein Schlussstrich gezogen werden kann. „Wir sind der festen Überzeugung, dass es richtig ist, getrennte Wege zu gehen, wenn es nicht passt und nicht vorangeht.“

Zweifelhafter Phantom-Investor Engels-de Rey

Dass es knirscht in der Sache, deutete sich schon länger an. Seit der Standort Annweiler 2023 dicht gemacht wurde, suchten Kreis SÜW und Stadt Landau als Gesellschafter nach einer Nachnutzung – doch letztlich blieb nur ein Investor übrig, der das Projekt angehen wollte. Der versprach, aus dem ehemaligen Krankenhaus einen groß dimensionierten „Health-and-Care-Campus“ zu machen. Öffentlich blieb er jedoch ein Phantom. Die Stadt zog dennoch im Eiltempo einen investorenbezogenen Bebauungsplan durch. Doch je länger der Investor darauf bestand, im Verborgenen zu bleiben, desto lauter wurden die Zweifel: Wie solide ist seine Finanzierung? Wie tragfähig seine Vision?

Eine Begründung, warum er nicht zahlte, haben Seefeldt und Gehendges von ihm nie erhalten, wie die beiden erzählen. Aber es ist naheliegend, dass es wohl am Geld gescheitert ist. Auch unsere Anfrage an die Käuferseite blieb unbeantwortet. Nach RHEINPFALZ-Recherchen handelt es sich bei dem Investor um Stephan Engels-de Rey. Dieser tritt bundesweit als eine Art „Klinik-Campus-Macher“ auf und kauft dafür angeschlagene Standorte auf. Wobei die Sache schon einige Male in die Binsen ging – jedes Mal waren die Finanzen zum Problem geworden.

Was hinter den Kulissen passierte

Hätte der Käufer das Geld überwiesen, hätte die Kommune keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung des Geländes gehabt. Angesichts der immer größer werdenen Zweifel an Transparenz und Finanzkraft stand zu befürchten, dass Annweiler schlussendlich auf einer Bauruine sitzen bleiben könnte.

„Wir sind froh, dass dieses Missverhältnis noch früh genug festgestellt wurde“, sagt Gehendges. Hinter den Kulissen seien derweil zahlreiche Gespräche mit Interessenten geführt worden, berichtet der Landrat und betont: „Wir halten an unserem Plan für ein modernes Gesundheitszentrum fest und werden dieses auch zur Umsetzung bringen.“ Die kommunale Familie gehe fest davon aus, einen neuen und dann passenden Investor zu finden.

Wo soll neuer Investor plötzlich herkommen?

Aber wo soll dieser plötzlich herkommen, wenn die Suche nach einem solchen vor nicht allzu langer Zeit noch aussichtslos war? In der ersten Runde war nach 15 Monaten Verhandlungen mit 15 vorstellbaren Investoren letztlich nur jener Investor übriggeblieben, der sich jetzt als Luftnummer herausstellte. Alle anderen hatten wegen der schwierigen Finanzlage und baurechtlichen Unwägbarkeiten abgewinkt.

Doch genau hier habe sich im Vergleich zu 2024 Grundlegendes geändert, halten Seefeldt und Gehendges fest. Der alte Bebauungsplan, der das Gelände als „Sondergebiet Krankenhaus“ ausgewiesen hat, habe viele abgeschreckt. Durch die Änderung – auf Rechnung des Investors – biete das Gelände nun einen „riesigen Besteckkasten“ an Entwicklungsmöglichkeiten – mit An-, Auf- und Neubauten, mit Gesundheits-, Hotel- und Kita-Betrieb, Wohnmöglichkeiten und mehr.

„Krankenhaus wird nicht zur Geisterruine“

Fast noch wichtiger sei aber der Punkt, dass mit der Stiftung Liebenau ein tragfähiger Betreiber und Ankermieter weiterhin an Bord wäre. Die Stiftung mit Sitz am Bodensee betreibt 400 Einrichtungen an über 100 Standorten und ist in der Region bereits aus Maikammer bekannt. Für Annweiler könnte sie sich ambulante Wohn- und Betreuungsangebote vorstellen. Stationäre Pflege werde die Stiftung dort jedoch nicht anbieten. Zudem wollten die vier eingemieteten Praxen auch zukünftig vor Ort bleiben. Und mit weiteren potenziellen Mietern stünden nun Gesprächs- und Besichtigungstermine an.

Da zudem die Bau- und Finanzbranche anders aufgestellt sei als noch vor zwei Jahren, ist Seefeldt zuversichtlich, dass sich ein Investor findet. Und der müsse dann auch einen Finanzierungsnachweis vorlegen. Bis dahin kümmere sich das Klinikum Landau-SÜW weiterhin um die Immobilie. „Es wird alles gepflegt, die Technik funktioniert. Das Haus wird nicht zur Geisteruine“, ist sein Versprechen an die Bürger.

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