Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kita wird zur Sammelstelle für Hilfsgüter für die Ukraine

Eine Menschenkette wurde gebildet, um die mit Spenden gefüllten Kisten von der Kita in den Anhänger zu laden.
Eine Menschenkette wurde gebildet, um die mit Spenden gefüllten Kisten von der Kita in den Anhänger zu laden.

Wie groß die Spendenbereitschaft der Südpfälzer ist, hat die Kita in Roschbach zu spüren bekommen. Sie mutierte innerhalb eines Tages zur Sammelstelle für die Ukraine. Ein Böbinger übernimmt den Transport der Hilfsgüter – und unterstützt nebenbei eine ukrainische Familie, über die Grenze zu kommen.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Roschbacher Kindertagesstätte in ein neues Domizil umziehen würde. Wenn man sich die unzähligen Kisten betrachtet, die per Menschenkette aus der Einrichtung getragen und in einen Anhänger geladen werden. In diesen Kartons befinden sich allerdings keine Kita-Materialien, sondern Spenden: gebrauchte Kleider, Hygieneartikel wie Seifen, Shampoo und Toilettenpapier, ebenso Lebensmittel, darunter Nudeln, Knäckebrot und Müsli und vieles mehr. Allesamt Hilfsgüter für Geflüchtete aus der Ukraine.

Es war nicht geplant, die Roschbacher Kita in eine regionale Sammelstelle zu verwandeln. Alles begann nämlich mit einer privaten Spendenaktion. Initiiert von den beiden Südpfälzern Frank Hüsken und Marcel Knaus. Sie wollten nicht tatenlos aus der Ferne zuschauen, in welch schwierigen Verhältnissen die Menschen in der Ukraine nach der Invasion des russischen Militärs leben.

Kisten liebevoll mit blau-gelben Herzen bemalt

Der Landauer Hüsken hat sich bereits durch andere Hilfsaktionen einen Namen gemacht. So hat er unter anderem ein Video gedreht und als Gitarrist bei einem Benefizkonzert mitgewirkt, um lokale Händler in der Corona-Krise beziehungsweise den Kinderschutzbund Landau-SÜW zu unterstützen. Nun bat er am Samstag in den sozialen Netzwerken um Spenden für geflüchtete Ukrainer. Erzieherin Daniela Schlindwein bekam davon Wind. Sie wollte das Ganze unterstützen, indem sie Eltern der Roschbacher Kita-Kinder miteinbezieht. Auch durch eine Meldung in der RHEINPFALZ zu der Sammlung der Einrichtung verbreitete sich der Spendenaufruf wie ein Lauffeuer durch die Südpfalz.

„Kaum hatten Menschen am Dienstagmorgen in der Zeitung von unserer Aktion gelesen, standen sie vor dem Kita-Eingang und wollten etwas spenden. Auch das Telefon stand nicht mehr still“, erzählt Schlindwein. Es kamen Menschen aus Herxheim, Klingenmünster, Germersheim und vielen anderen Dörfern. Manche fragten, an was es noch fehlt. Andere gaben Hilfsgüter einfach ab, wie gewünscht in Kisten verpackt und beschriftet, teilweise in ukrainischer Sprache und liebevoll bemalt mit den Nationalfarben entsprechenden blau-gelben Herzen.

„Immer wieder Gänsehaut“

„Es ist unglaublich, wie viele Spendenwillige zusätzlich noch Sachen eingekauft haben, beispielsweise Windeln, Zahnpasta oder haltbare Nahrungsmittel“, berichtet Schlindwein ganz verlegen. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist nicht in Worte zu fassen, ich habe immer wieder Gänsehaut“, sagt die Erzieherin. Die Idee, die Kisten bis zur Abholung an Aschermittwoch im Flur der Einrichtung zu lagern, musste schnell verworfen werden.

Der Turnraum wurde in Beschlag genommen, um dort die Kartons reihenweise aufeinanderstapeln zu können. In einer Zeit, in der die Kita personelle Ausfälle verkraften muss, das Testen der Kleinen zu organisieren hat und trotz der schwierigen Bedingungen die fünfte Jahreszeit feierte. Nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung war es laut Kita-Leiterin Anja Besenbeck möglich, den Spagat zwischen Kinderbetreuung und die Organisation der Spendensammlung zu meistern.

Wie geht es weiter?

Die Initiatoren der Aktion sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Auch vor dem Hintergrund, dass viele schon in den vergangenen Monaten, teilweise mehrfach, Geld und Sachen für Flutopfer im Ahrtal gespendet haben. Die Aktion zeige, welch ein großes Herz die Bürger hierzulande haben.

Und wie geht es weiter? Hüsken, dessen Garage aktuell ebenfalls vollgestellt ist mit Spendenkisten, berichtet, dass ein Teil der Hilfsgüter über befreundete Pfälzer dorthin gelange, wo die Waren gebraucht werden. Sie hätten ein geeignetes Fahrzeug, um den Transport übernehmen zu können. Den anderen Teil wird der Böbinger Marcel Knaus an der polnisch-ukrainischen Grenze unter die Geflüchteten bringen. Mit einem befreundeten ukrainischen Familienvater im Schlepptau, dessen Frau und beiden Söhne sich derzeit in Schytomyr befinden. In der rund 130 Kilometer von der ukrainischen Metropole Kiew entfernten Großstadt, auf die laut Medienberichten Bomben geworfen wurden.

Knaus kennt die Familie, weil sie Nachbarn seines Ferienhauses in Frankfurt an der Oder sind. Dort, wo er bis zu seinem Umzug in die Südpfalz lebte. „Die Frau ist mit den beiden Kindern vor dem Einmarsch der Russen in die Heimat, weil ihre Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte. Nun sitzen sie dort fest“, erzählt Knaus. Sie versuche, schnellstmöglich an die Grenze zu kommen. „Wir hoffen, sie irgendwie da rausholen zu können“, berichtet Knaus.

Der Turnraum diente als Lager für die Abgaben der Spendenwilligen. Ein Teil der Kartons war bereits verladen worden.
Der Turnraum diente als Lager für die Abgaben der Spendenwilligen. Ein Teil der Kartons war bereits verladen worden.
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