Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Personal fordert Lockerungen bei der Maskenpflicht

In Kitas gelten seit einigen Wochen neue Regeln bei der Betreuung der Kinder.
In Kitas gelten seit einigen Wochen neue Regeln bei der Betreuung der Kinder.

Wegen der erhöhten Infektionszahlen muss auch das Kita-Personal einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Fachkräfte aus der Südpfalz können die Vorgabe zwar nachvollziehen, fühlen sich aber zu eingeschränkt. Welche Lösungsvorschläge sie machen und wie das Land darauf reagiert.

Um das Infektionsrisiko in Kindertagesstätten zu reduzieren, tragen auch Erzieher medizinische Masken bei der Betreuung der Kinder. Die erhöhten Inzidenzwerte und die Ausbreitung von Mutationen hatten das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium kürzlich dazu bewogen, diese Regelung festzusetzen. Allerdings täten sich insbesondere jüngere Kinder damit schwer, von „vermummten Erziehern“ umgeben zu sein. Das sagt unter anderen Sara Bauer, die im Raum Bad Dürkheim als Erzieherin tätig ist. Zusammen mit befreundeten Kollegen, unter denen sich auch eine Einrichtungsleiterin aus Landau befindet, kritisiert sie die Auslegung der Maskenpflicht.

Die Mitglieder der losen Gruppierung ärgern sich konkret darüber, dass sie auch auf dem Außengelände der Einrichtungen eine OP- oder FFP2-Maske tragen müssen. Und das, obwohl sie angesichts des höheren Ansteckungsrisikos in geschlossenen Räumen darauf achten, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Bis auf wenige Ausnahmen abgesehen, etwa bei der Spracharbeit oder bei der Eingewöhnung besonders junger Kinder, müssen sie diese bei der Betreuung der Kinder aufgesetzt haben.

„Kinder sind irritiert“

Bauer und ihre Mitstreiter wünschen, auf dem Außengelände keine Maske mehr tragen zu müssen. Dann bräuchte es etwa keine separate Maskenpause. Auf diese Forderungen von Berufskollegen angesprochen, bestätigen Erzieher in der Südpfalz, dass die Maskenpflicht an die Begebenheiten vor Ort besser angepasst werden könnten. Tanja Vollhardt, Leiterin der Kita „Himmelsleiter“ in Edenkoben, beispielsweise sagt zwar vorneweg: „Da das Tragen von Masken zum Schutze aller dienen soll, setzen wir die Maßnahme natürlich gerne um.“ In manchen Situationen, etwa bei der Eingewöhnung von neuen Mädchen und Jungen, sei der Mund-Nasen-Schutz für die Kinder irritierend. Achteten die Kleinen doch sehr auf die Gestik und Mimik der Erzieher.

Und eine Maskenpause, die dem Personal eingeräumt wird, damit es mal frei atmen kann, soll zwar eingeplant werden. „Da müssen wir aber individuell schauen, wie es passt“, sagt Vollhardt. Einfach ist das Ganze nicht. Denn wenn Erzieher ihre Maske absetzen wollten, müssen sie sich meist zurückziehen – nach draußen oder in einem Raum, in dem sie alleine sind. Möglich sei es auch, wenn sie eine andere Arbeit verrichten, etwa am Schreibtisch, bei der sie alleine sind.

Maske kann nur bedingt abgesetzt werden

Die protestantische Kita „Unterm Regenbogen“ in Annweiler hat zwar das Glück, solch ein großes Außengelände zu haben, dass die Verantwortlichen selbst im Freien die strikte Trennung von Gruppen einhalten können. Die stellvertretende Einrichtungsleiterin Sabrina Götz erklärt: „Wir haben das Gelände in einzelne Bereiche aufgeteilt.“ Für sie und ihre Kollegen wäre es zudem gut möglich, mit ausreichend Abstand zu ihren Mitmenschen die Maske abzusetzen. Doch das geht nur bedingt.

Gegen ein kurzes Durchatmen ist nämlich nichts einzuwenden, wie das Gesundheitsministerium gegenüber der RHEINPFALZ mitteilt. Vorausgesetzt, die Fachkraft ist abseits des Geschehens und hat ausreichend Abstand zu allen anderen. Wenn der Mund-Nasen-Schutz aber länger abgesetzt werden soll, müsse eine Maskenpause eingeplant werden, für deren Ausgestaltung die Arbeitgeber, also die Träger der Einrichtungen, zuständig seien. Auch für die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten, die Erzieher aus Kreis DÜW und Landau in ihrem Schreiben vom Land fordern, seien die Träger zuständig, heißt es aus Mainz.

Sonderregel für Geimpfte?

Für Kita-Leiter und Erzieher in der Südpfalz gibt es derweil andere Gründe, weshalb die Maskenpflicht gelockert werden könnte. Sie weisen darauf hin, dass sie mindestens zwei Mal die Woche getestet würden und ein Großteil ihrer Belegschaft gegen das Virus bereits geimpft sei, manche sogar vollständig. Vor diesem Hintergrund könnte in festgelegten Zeiträume auf die Nutzung von medizinischen Masken verzichtet werden, so ihre Meinung.

Auf Anfrage der RHEINPFALZ teilt das Gesundheitsministerium mit, dass es wegen anderer Lösungsvorschläge in puncto Maskenpflicht schon kontaktiert worden sei. Es gibt aber zu bedenken, dass auch im Außenbereich die Abstände nicht immer eingehalten werden können. „Bei der Nähe zu anderen kann deshalb auch im Außenbereich ein Schutz sinnvoll sein.“

Wie Eltern die Situation bewerten

Lockerungen der Vorgaben sind derzeit noch nicht vorgesehen, heißt es aus dem Ministerium. Auch wenn in den Einrichtungen regelmäßig Abstriche genommen und Beschäftigte bereits geimpft seien. Es verweist darauf, dass Genesene und Geimpfte in anderen gesellschaftlichen Bereichen mit Getesteten zwar gleichgestellt werden sollen, sodass sie unter anderem von der Ausgangssperre befreit sind. Geimpfte Personen müssten sich trotz allem an die Hygienemaßnahmen inklusive des Maskentragens halten, weshalb auch in Kitas nicht davon abgewichen werden könne.

Die Meinungen der Eltern gehen bei diesem Thema auseinander. Das bestätigt Dietmar Ullrich, Vorsitzender des Kreiselternausschusses SÜW. „Es gibt ein Für und Wider. Es gibt Mütter und Väter, nach deren Ansicht durch die Maskenpflicht Kindern und Erziehern zu viel zugemutet wird. Aus Sicht von anderen Eltern sind solche Vorgaben notwendig, um die Pandemie eindämmen zu können.“ Die Argumente von beiden Positionen seien nachvollziehbar, am Ende wollten alle dasselbe: dass der Betrieb der Einrichtungen so lange wie möglich am Laufen bleibt.

Die Landauer Kita-Leiterin, die in dem Schreiben der Erzieher namentlich genannt wird, hat sich auf Anfrage nicht zu den Forderungen geäußert.

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