SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Eltern besorgt wegen Horrorfigur Huggy Wuggy

Huggy Wuggy gibt es auch als Plüschtier in allen Farben zu kaufen.
Huggy Wuggy gibt es auch als Plüschtier in allen Farben zu kaufen.

Eltern von Kita-Kindern aus dem Kreis SÜW machen sich Sorgen. Im Umlauf ist eine fiktive Figur, die ihre Sprösslinge verängstigen kann. Sie kommt im Internet in Videos vor und ist auch als Plüschtier zu haben. Psychologen warnen.

In Kinderzimmern ist Huggy Wuggy schon angekommen. Manche Mädchen und Jungen kennen die Figur von der Spielekonsole oder aus Online-Videobeiträgen. Andere haben das Wesen als flauschiges Plüschtier. Wobei es alles andere als harmlos ist. Dieses Bild als Bösewicht wird von Huggy Wuggy jedenfalls vermittelt, und zwar schon durch sein Äußeres: Mit ihrem breiten Grinsen und scharfen Zähnen kann die Figur angsteinflößend sein. Gerade für Kita-Kinder.

Böswillige Figuren in einer stillgelegten Fabrik

Die Elternvertretung der Kita-Kinder im Landkreis Südliche Weinstraße sieht sich dazu genötigt, Mütter und Väter zu sensibilisieren: „Eltern berichten von Alpträumen und Verhaltensänderungen bei ihren Kindern“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreiselternausschusses (Kea). Dabei spielten manche Kinder Huggy Wuggy nach, ohne die Hintergründe zu kennen.

In dem Videospiel ist Huggy Wuggy eines der böswilligen Spielzeuge, die in einer stillgelegten Fabrik zum Leben erwachen und ihr Unwesen treiben. Aus der gilt es zu entkommen. Das Spiel ist seit vergangenem Jahr auf dem Markt und eigentlich für Jugendliche freigegeben, hat aber inzwischen schon in den Kindertagesstätten Einzug erhalten.

„Huggy Wuggy kann Ängste schüren“

Teilweise haben Kinder das Spiel schon mit in die Einrichtung mitgebracht, wie der Kea mitteilt. Es ist auch als App für das Smartphone erhältlich. Erschwerend kommt hinzu, dass über Youtube und in den Sozialen Netzwerken wie Tiktok Beiträge kursieren, in denen die Nutzer vorgeben, von Huggy Wuggy bedroht oder gar entführt worden zu sein. Zudem hat der Bösewicht Gastauftritte in Kindersendungen wie Peppa Wutz, die bei den Kleinen angesagt sind. Und schließlich gibt es die Figur in allen möglichen Farben als Plüschtier. Kurz gesagt, gibt es damit viele Berührungspunkte.

Für Mädchen und Jungen, die älter als 12 Jahre alt sind, für die es offiziell freigegeben ist, mögen die Schreckmomente und das Gruselige von Huggy Wuggy lustig erscheinen. Bei Jüngeren könnte sie hingegen Ängste schüren, sagt Sabine Anker, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Gerade weil die Kleinen dann zwischen Realität und Fiktion unterscheiden müssten. Anker und ihre Kollegen von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie kennen sich generell gut aus mit Gefahren, die von Videospielen aus gehen, weil es einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet.

Für Poppy Playtime, in dem Huggy Wuggy eine Hauptrolle spielt, gibt es zwar eine Altersfreigabe. Jedoch kann sie Eltern nur eine Orientierung geben, sagt Anker. Wichtiger sei es, dass Mütter und Väter sich mit den Inhalten befassen, mit denen ihre Sprösslinge konfrontiert werden. Zumal Kinder unterschiedlich sind und das Erlebte unterschiedlich verarbeiten. Nur weil es zum Beispiel eine Kinderversion von Youtube gibt, heißt es laut Anker nicht, dass alle Videos dort für ihre Söhne und Töchter unbedenklich sind.

Konflikte unter Eltern und Erziehern

In der Kita im Kreis SÜW, in der Huggy Wuggy aktuell Thema ist, ist der Diskussionsbedarf groß. Kea-Vorsitzender Christian Strecker berichtet: „Erfahrungsgemäß führen solche Vorfälle innerhalb der Elternschaft und auch zwischen Eltern und Erzieher zu Konflikten, da den betroffenen Eltern Vorwürfe und Schuldzuweisungen gemacht werden.“

Die Aufbereitung des Falls habe gezeigt, dass ganz viele Kinder Huggy Wuggy schon kannten. „Das verbreitet sich unter den Kindern, ohne dass Eltern und Erzieher etwas davon mitbekommen.“ Das wundert Sabine Anker nicht. Da viele Mädchen und Jungen schon im Grundschulalter ein Smartphone besitzen, kommen sie mit solchen Inhalten früher in Kontakt. „Eltern können dies nicht verhindern“, sagt sie und erinnert daran, dass es immer wieder solche Phänomene gibt. So wurden Eltern in jüngerer Vergangenheit vor der Figur Momo gewarnt. Auch mit Pennywise, dem gruseligen Clown aus dem Buch Es, das aus der Feder des US-amerikanischen Schriftstellers Stephen King stammt und später auch verfilmt wurde, wurden böse Scherze gemacht.

Wie verhalten sich Eltern richtig?

Solche Phänomene machen vor Grundschulen und Kitas nicht Halt. Das kann die Leiterin der protestantischen Kita in Offenbach, Martina Metz, bestätigen. Dann werde sich mit der Elternschaft und dem Träger ausgetauscht, um eine gemeinsame Linie zu fahren. Schließlich gibt es bei Themen wie Huggy Wuggy oft unterschiedliche Haltungen. Am Ende können auch Verbote ausgesprochen werden. So soll es in der Einrichtung aktuell angesichts der politischen Lage keine Spiele geben, die mit Krieg und Waffen zu tun haben. Dies müsse den Kleinen kindgerecht erklärt und Alternativen aufgezeigt werden, sagt Metz.

Wenn die Erziehungsberechtigten mitbekommen, dass Huggy Wuggy ihrem Nachwuchs einen Schrecken eingejagt hat, sollten sie ihm Trost spenden und über die Ängste sprechen, sagt Anker. Es könnten auch Verhaltensregeln vereinbart werden, wie sie das nächste Mal handeln sollten, wenn sie damit konfrontiert werden. Auch der Kea hält nichts von Medienverboten. „Auf keinen Fall sollten den Kindern Vorwürfe gemacht werden. Das könnte zur Folge haben, dass sie sich in Zukunft nicht mehr an die Eltern werden, wenn sie auf gruselige Inhalte stoßen.“

Das Kreisjugendamt prüft, ob es ausgehend von dem Fall Huggy Wuggy mit der Medienanstalt Rheinland-Pfalz zu einer Infoveranstaltung einlädt. Auch der Kea möchte das Geschehen zum Anlass nehmen, um den richtigen Umgang mit Medien bei Kita-Kindern zu thematisieren.

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