Meinung
Kirche will Schule abstoßen: Ein unchristlicher Umgang
Die Evangelische Landeskirche hat jedes Recht, hart zu rechnen. Ihr laufen Mitglieder weg, die Einnahmen schrumpfen, der Spardruck frisst sich durch alle Strukturen. Wenn ganze Kirchenbezirke zusammengestrichen werden, wenn bei Kitas, Pfarrhäusern und Diakonie der Rotstift angesetzt wird, ist klar, dass die einzige Schule kein Tabu ist. Doch wie die Kirche dabei mit dem Evangelischen Trifelsgymnasium umgeht, ist bitter.
Die Landessynode hat der Schulgemeinschaft im vergangenen Jahr eine Aufgabe gegeben: Senkt Kosten. Beschafft Geld. Zeigt, ob ihr eine Zukunft unter kirchlichem Dach möglich machen könnt. Die Schulgemeinschaft hat gerechnet, verhandelt, mobilisiert, mit dem Ergebnis, dass das Defizit um eine Million Euro gesenkt werden kann. Das ist nicht bloß Kosmetik für die Bilanzen, das ist eine Ansage. Und die Antwort auf genau jene Aufgabe, die ihr gestellt worden ist.
Die Schule gibt alles für eine kirchliche Obhut und wird dafür vor den Kopf gestoßen
Und dann erhält die Schule einen Tag vor dem Abschlussgespräch bereits eine Beschlussvorlage aus Speyer vor den Latz geknallt. Sie lässt keinen Zweifel aufkommen, die Kirchenregierung will das TGA abstoßen. Das ist dreist. Nicht nur wegen des Timings. Denn die Kirchenverwaltung stößt ausgerechnet jene vor den Kopf, die noch für sie einstehen, die ihr noch etwas zutrauen. Hier kämpfen Menschen nicht gegen die Kirche, sondern für sie.
Die Kirchenleitung dagegen glänzt nicht mit erledigten Hausaufgaben. Seit rund zehn Jahren stehen auf dem Schulgelände die alten Internatsgebäude leer. Dafür könnte längst ein Konzept für eine neue Nutzung stehen, um Einnahmen zu generieren. Die Kirche misst mit zweierlei Maß: Selbst liefert sie bei ihren Immobilien keine überzeugende Lösung, von der Schule aber verlangt sie unternehmerischen Ehrgeiz, um sie dann hängen zu lassen.
Unbestritten: Wenn die Landeskirche ihre Schule abgibt, ist ihr Haushalt um einen Posten leichter. Aber sie verliert auch den wohl einzigen Ort, an dem sie junge Menschen noch täglich erreicht. Wenn sie diese Verbindung kappt, sägt sie an ihrer eigenen Zukunft.
