Annweiler / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Landeskirche will ihre einzige Schule abstoßen: Trifelsgymnasium kämpft

Gemeinsam kämpfen Schulleitung, Schüler- und Elternvertreter für den Erhalt des Trifelsgymnasiums unter kirchlicher Obhut (von l
Gemeinsam kämpfen Schulleitung, Schüler- und Elternvertreter für den Erhalt des Trifelsgymnasiums unter kirchlicher Obhut (von links): Sandra Hornbach, Leni Hornbach, Stefanie Kaminski-Bender, Paulina Martin, Andrea Rempe, Monika Doppler-Meyer und Steffen Jung .

Das Trifelsgymnasium hat gespart und Unterstützer gesucht. Trotzdem will die Evangelische Landeskirche ihre einzige Schule abstoßen. Nun regt sich Widerstand in der Synode.

„Die Schüler und Eltern machen sich große Sorgen. Die Mitarbeiter haben Existenzängste“, beschreibt Schulleiter Steffen Jung die Stimmung auf dem Bannenberg. Schülersprecherin Paulina Martin bringt es noch drastischer auf den Punkt: „Wenn die Kirche nicht an das Wohl der Schüler denkt, dann fühlen wir uns von ihr im Stich gelassen.“

Wird die Landeskirche die einzige Schule in ihrer Trägerschaft nun abstoßen? Mit großer Verunsicherung blicken Mitarbeiter, Elte
Wird die Landeskirche die einzige Schule in ihrer Trägerschaft nun abstoßen? Mit großer Verunsicherung blicken Mitarbeiter, Eltern und Schüler auf die bevorstehende Landessynode.

Am 11. Juni entscheidet die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer über die Zukunft ihrer einzigen Schule. Erneut. Doch diesmal liegt der Knall schon vor der Sitzung auf dem Tisch. Die Kirchenregierung spricht sich dafür aus, das Evangelische Trifelsgymnasium in Annweiler (ETGA) zum Schuljahr 2027/2028 in staatliche Trägerschaft abzugeben. Für die Schulgemeinschaft ist das ein Schlag. Denn ein Jahr lang hatte sie getan, was ihr die Synode aufgetragen hatte: Kosten gedrückt, Zuschüsse verbessert, neue Geldquellen gefunden und gezeigt, was die Schule auch für die Gesamtkirche leisten kann.

Warum das Trifelsgymnasium wieder wackelt

Um diesen Druck zu verstehen, muss man weiter zurück. Das Trifelsgymnasium ist schon länger ein finanzielles Sorgenkind. Schon 2012 stand die Schule auf der Kippe. Später verlor sie ihr Internat. Richtig scharf wurde die Diskussion mit dem Priorisierungsprozess der Evangelischen Landeskirche. Dahinter steckt eine harte Wahrheit: Die Kirche verliert Mitglieder, damit schrumpfen die Einnahmen. Bis 2035 sollen die Haushaltsmittel auf knapp die Hälfte zusammengestrichen werden. Der Rotstift frisst sich durch alle Aufgabenfelder der Kirche. Und so landete auch das ETGA wieder auf dem Prüftisch.

Gemeinsam kämpfen Schulleitung, Schüler- und Elternvertreter für den Erhalt des Trifelsgymnasiums unter kirchlicher Obhut (von l
Gemeinsam kämpfen Schulleitung, Schüler- und Elternvertreter für den Erhalt des Trifelsgymnasiums unter kirchlicher Obhut (von links): Leni Hornbach, Paulina Martin, Sandra Hornbach, Monika Doppler-Meyer, Andrea Rempe, Stefanie Kaminski-Bender und Steffen Jung.

Im Mai 2025 hatte die Synode bereits um das Trifelsgymnasium gerungen. Das Votum fiel knapp aus: 28 zu 20 Stimmen bei vier Enthaltungen. Die Schule durfte evangelisch bleiben – vorerst. Sie bekam ein Jahr Bewährungszeit. Dafür richtete sie sogar eine Taskforce ein. Und die lieferte.

Die Schule rechnet sich wund

„Uns ist gelungen, das Defizit von zuletzt 1,8 Millionen Euro um knapp 1 Million Euro zu drücken“, berichtet Jung. Die Kirche rechnet anders: Dort wird für 2024 ein Gesamtbedarf von rund 2,3 Millionen Euro genannt. Die erheblichen Entlastungen, die erreicht wurden, beziffert aber auch der Landeskirchenrat in seiner Vorlage für die Synode mit minimum 920.000 Euro.

Wird die Landeskirche die einzige Schule in ihrer Trägerschaft nun abstoßen? Mit großer Verunsicherung blicken Mitarbeiter, Elte
Wird die Landeskirche die einzige Schule in ihrer Trägerschaft nun abstoßen? Mit großer Verunsicherung blicken Mitarbeiter, Eltern und Schüler auf die bevorstehende Landessynode.

Dahinter steckt laut Jung ein ganzes Paket: So habe man erreicht, dass das Land bei der Beamtenversorgung und den Sachkosten insgesamt 550.000 Euro mehr zuschieße. Die Schule selbst habe ihre laufenden Kosten um 150.000 Euro reduziert. In Zusammenarbeit mit einer Fundraisingagentur sei ein Konzept erarbeitet worden, um bis zu 200.000 Euro aus Elternunterstützung generieren zu können. Der Kreis SÜW würde seine Zuschusspauschale von 300 auf 1000 Euro pro Schüler erhöhen. Dies bestätigt die Kreisverwaltung auf unsere Nachfrage, teilt aber im gleichen Atemzug mit, dass die Landeskirche im April zwar einen Antrag auf Sachkostenzuschuss gestellt habe, jedoch keine Erhöhung beantragt habe.

Große Fahrrad-Demo im vergangenen Jahr von Annweiler nach Speyer: Rund 400 Teilnehmer hatten sich vor dem Sitz der Landeskirche
Große Fahrrad-Demo im vergangenen Jahr von Annweiler nach Speyer: Rund 400 Teilnehmer hatten sich vor dem Sitz der Landeskirche versammelt.

Am 12. Mai wollte die Taskforce all ihre Ergebnisse der Kirchenregierung präsentieren. Doch dann kam Speyer dem Termin zuvor. Einen Tag vor dem fest vereinbarten Abschlussgespräch lag die Beschlussvorlage auf dem Tisch, die alle Bemühungen eines Jahres mit einem Mal zerschoss. „Das war ein Schock für uns“, blickt Elternsprecherin Monika Doppler-Meyer auf den Tag zurück. Der sechsköpfige Landeskirchenrat war in geheimer Wahl zu dem Schluss gekommen, dass trotz des Konsolidierungsprozesses eine für die Kirche kostenneutrale Weiterführung des ETGA nicht erreicht werden könne.

Der Aufschub hat ein Verfallsdatum

Wenn die Kirche ihre Privatschule abgibt, muss für rund 700 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, kirchliche Beamte und Mitarbeitende in eine neue Lösung gefunden werden. Und beim Kreis SÜW klingt es nicht so, als läge dafür schon ein geschnürtes Paket in der Schublade. „Wir haben bis vor wenigen Tagen nichts von einem geplanten Trägerwechsel gehört“, sagt Landrat Dietmar Seefeldt.

Ihre Wünsche und Anliegen zeigten die Schüler auf bunten Bannern.
Ihre Wünsche und Anliegen zeigten die Schüler auf bunten Bannern.

Und auch seither habe es noch keine Gespräche dazu gegeben. Viele Fragen in dem Prozess sind noch völlig offen: Soll der Standort erhalten bleiben oder die Schüler auf andere Schulen aufgeteilt werden? Würde der Kreis die Immobilie überhaupt abkaufen? Was passiert mit dem Personal? Würden die Schüler aus der Südwestpfalz – immerhin ein Drittel der Gesamtzahl – weiterhin die Schule besuchen können? Wäre dies alles organisatorisch überhaupt in der Zeit zu stemmen? Für den Landrat ist klar: „Eine Übernahme bis zum Schuljahr 2027/2028 wäre eine große Herausforderung.“ Er hofft, dass „die Landessynode dem Entscheidungsvorschlag der Kirchenregierung nicht folgen wird“.

Gegenantrag aus der Synode

Das hofft auch der Landauer Dekan Volker Janke, der als Synodaler mit über die Zukunft der Schule entscheidet. Gemeinsam mit vier weiteren Synodalen hat er nun einen Gegenantrag für die Synode eingebracht. „Würde die Schule abgegeben, wäre es ein Schlag für die kirchliche Arbeit.“ Janke kommt es so vor, als ob die Kirche jetzt unbedingt „einen Pflock einschlagen“ wolle. Auch ihm ist klar, der Sparzwang, der Druck auf die Kirche und damit die Synodalen sei enorm gestiegen.

Rund 400 Teilnehmer hatten sich vor dem Sitz der Landeskirche in Speyer zur Kundgebung versammelt.
Rund 400 Teilnehmer hatten sich vor dem Sitz der Landeskirche in Speyer zur Kundgebung versammelt.

„Aber man muss sich finanziell mal ehrlich machen: Realistisch gesehen, wäre der Einspareffekt relativ gering.“ Denn auch bei einer Abgabe der Schule blieben der Kirche Kosten für Beamtenversorgungen und Baurücklagen. Laut Janke läuft es letztendlich auf einen kirchlichen Zuschuss von 0,5 Millionen Euro im Jahr hinaus. Auf diese Höhe gedeckelt, sollte die Schule die nächsten zehn Jahre unter kirchlicher Trägerschaft weiterbetrieben werden, lautet der Antrag der fünf Synodalen, der ein Ausstiegsszenario beinhaltet, sollte fünf Jahre in Folge ein höherer Zuschuss nötig sein. Speyer sieht das hingegen anders und spricht von benötigten 1 bis 1,5 Millionen Euro.

Knapp 700 Schüler aus den Kreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz besuchen das Trifelsgymnasium.
Knapp 700 Schüler aus den Kreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz besuchen das Trifelsgymnasium.

Zudem sollten laut dem Synodalen-Antrag die bestehenden Ideen konkretisiert werden, die Schule über einen anderen kirchlichen Träger weiterzuführen – entweder als Teil eines evangelischen Schulwerks oder indem man eine eigene Stiftung gründe. Dieses Szenario fände auch die Schule die „Ideallösung“. Die Kirche hält diese Alternative jedoch für „nicht tragfähig“.

Mit voller Unterstützermannschaft trat die Schule im vergangenen Jahr zur Landessynode an.
Mit voller Unterstützermannschaft trat die Schule im vergangenen Jahr zur Landessynode an.
Vor einem Jahr ringt sich die Landessynode noch einmal zu einem Aufschub durch. Die Erleichterung war groß.
Vor einem Jahr ringt sich die Landessynode noch einmal zu einem Aufschub durch. Die Erleichterung war groß.
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